Zu Besuch auf dem stählernen Riesen

Im Zürcher Industriequartier steht derzeit der höchste Kran der Schweiz. Der «Tages-Anzeiger» machte einen Augenschein in luftiger Höhe.

Ein Journalist geht hoch hinaus: Redaktor Jürg Rohrer auf dem «Schätzeli». (Video: Lea Koch)
Benno Gasser@tagesanzeiger

«Schätzeli» nennt Kranführer José Garcia sein Arbeitsgerät. Der kleine Liebling des Spaniers ist 135 Meter hoch und steht bei der Swissmill am Sihlquai nahe dem Escher-Wyss-Platz. Garcia sitzt in seiner Kabine und dirigiert mit zwei Hebeln den Ausleger. Sobald er die Last an seinem Haken bewegt, wird der Kran von einer sanften Wellenbewegung erfasst, die oberste Plattform gerät leicht ins Wanken. Mit ihm transportiert Garcia unter anderem Beton, um das Swissmill-Getreidesilo von 40 auf 118 Meter zu erhöhen.

Sein Vorgänger arbeitete nur während dreier Tage in der Kabine – er hatte die Höhe nicht vertragen. Für die Arbeit auf dem höchsten Kran der Schweiz kämen nicht viele infrage, sagt Thomas Kaufmann. Ihm gehören der stählerne Koloss und 399 weitere kleinere Kräne. Das Exemplar beim Sihlquai – ein oben drehender Laufkatzenkran – wartet noch mit einer weiteren Einzigartigkeit auf: Er ist bloss auf 39 Meter Höhe mit Ankern befestigt, die restlichen beinahe 100 Meter ragen wie eine überdimensionierte Raketenstart­rampe in den Himmel.

Atemberaubender Ausblick

Kranführer Garcia hat Besuch vom TA: Redaktor Jürg Rohrer steht mit Helm, zwei schweren Karabinerhaken für Notfälle und einem Klettergurt neben seiner Kabine auf der Plattform. Er hält sich am Geländer fest und blickt über das Industriequartier. «Ein unglaublicher Ausblick», sagt Rohrer. Doch selbst für den geübten Kletterer ist die Sicht durch die gelochte Plattform hinunter nur schwierig zu ertragen. José Garcia ersteigt den Kran in 10 Minuten und bleibt den ganzen Tag oben. Muss er pinkeln, behilft er sich mit einer Plastikflasche. Orientierung nach unten gibt ihm zusätzlich eine Kamera. Zudem steht er mit seinem Kollegen über Funk in Kontakt. Der 400 Tonnen schwere Kran kann 8 Tonnen schwere Lasten heben und ist für Windgeschwindigkeiten bis zu Tempo 250 ausgelegt. Aktuell wird noch ein zweiter Kran in die Höhe gezogen. Das Bauende des von Implenia realisierten Projekts ist für Winter 2015/16 vorgesehen.

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