Tausende empören sich über Wincasa

Der Rausschmiss des Dirok Market im Kreis 5 hat die Anwohner aufgeschreckt. Sie solidarisieren sich mit den Betreibern des Quartierladens – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Haben nicht mit so viel Solidarität aus dem Quartier gerechnet: Hasan und Fatma Yapici in ihrem Laden an der Limmatstrasse 119.

Haben nicht mit so viel Solidarität aus dem Quartier gerechnet: Hasan und Fatma Yapici in ihrem Laden an der Limmatstrasse 119.

(Bild: Doris Fanconi)

Anita Merkt@tagesanzeiger

Die Nachricht vom drohenden Rauswurf des türkischen Dirok Market aus dem Laden an der Limmatstrasse 119 hat sich im Kreis 5 wie ein Lauffeuer verbreitet. Schon am Morgen der Veröffentlichung im DerBund.ch/Newsnet standen Quartieraktivisten bei den Yapicis zwischen den Humus- und Weinregalen und boten der Familie an, eine Internetpetition zu lancieren.

Den ganzen Tag lang kauften mehr Leute im Laden ein als sonst und unterschrieben dabei die ausliegenden Unterschriftenbögen. Darin wird von der Immobilienverwalterin Wincasa der Fortbestand des Familienbetriebs «ohne schikanöse Auflagen» gefordert.

Auch viele Nichtschweizer haben unterzeichnet. Das liegt zum einen an der internationalen Kundschaft des türkisch-kurdischen Ladens, zum anderen waren sie froh, auch einmal eine Initiative unterschreiben zu können. Via Onlinepetition haben sich bisher bereits über 3000 Personen registriert. Im Laden selbst haben ebenfalls schon Hunderte Sympathisanten die Unterschriftensammlung unterzeichnet.

Übergabe im April

Privatpersonen und Ladeninhaber aus der Nachbarschaft nahmen ganze Bündel Bögen mit, um sie im Freundeskreis herumzureichen oder im eigenen Geschäft auszulegen. Ende April wollen Familie Yapici und die Quartierorganisation 5im5i die Unterschriften Wincasa und dem Immobilienfonds der Credit Suisse übergeben, dem die Liegenschaft gehört.

Die Anteilnahme des ganzen Quartiers am Schicksal der Familie Yapici zeigt, dass die jüngste Nachricht von der Vertreibung eines alteingesessenen Ladens bei den Bewohnern einen empfindlichen Nerv trifft. Wer günstig wohnt, weiss nie, wie lange er dort noch bleiben kann.

Kämpfer für die Kleinen

In der Organisation 5im5i setzen sich Quartierbewohner bereits seit längerer Zeit für den Erhalt des Ladenmix im Kreis 4 + 5 ein. «Wir haben schon für Andys Tierhüüsli am Helvetiaplatz Unterschriften gesammelt, als ihm der Rauswurf drohte», erklärt Fred Frohofen. Zuletzt kämpfte 5im5i für den Erhalt des Perücken- und Maskenladens von Martin Furrer, dem an der Langstrasse gekündigt wurde.

Im Gegensatz zur Liegenschaft mit dem Dirok Market an der Limmatstrasse gehört das Haus an der Langstrasse 195 einer privaten Eigentümerin. «Als drei Bewohnern im Haus gekündigt wurde, habe ich langsam Angst bekommen», erzählt Furrer. Er hat den Perückenladen von seinem Vater Max übernommen, der noch lange die Balkone über dem Geschäft mit einem Drachen und Tibetfahnen verziert hatte. «Nachdem die Eigentümerin mehreren Bewohnern gekündigt hatte, teilte sie dem benachbarten Kioskbesitzer mit, er müsse künftig 2000 Franken mehr bezahlen», erzählt Furrer.

«Lädelimord»

Ihm selbst kündigte die Hausbesitzerin schliesslich mit der Begründung des Eigenbedarfs. «Vor der Schlichtungsbehörde erklärte sie, ihr Sohn wolle einen Handyhüllenladen eröffnen», berichtet Furrer. Ob der Sohn diese Geschäftsidee je umsetzt, steht für Furrer in den Sternen. Sicher sei nur, dass er die Räume an der Langstrasse verliere.

Nach langem Suchen bekam Furrer von der Stadt die Zusage, dass er sein Geschäft in die neue Überbauung auf der Kronenwiese im Kreis 6 verlegen könne. Furrer fürchtet zwar, dass ihm dort die Laufkundschaft von der Langstrasse fehlen wird. Er weiss jedoch, dass er grosses Glück hatte, überhaupt wieder günstige Ladenflächen zu finden. Für 5im5i sind Kündigungen und Vertreibungen wie sie Furrer und die Yapicis erleben mussten «Lädelimord».

Die Schlinge der Aufwertung im Kreis 4 + 5 zieht sich immer enger, überall wird aufgehübscht und aufgewertet, Ladenkonzepte und Mieterschaft werden ausgewechselt. Die Papeterie an der Langstrasse wurde durch einen Salt-Laden ersetzt, neben der Migros am Limmatplatz will demnächst die Apothekenkette Dropa einziehen. Viele Bewohner im Quartier hoffen, dass sie mit ihrer Petition für die Yapicis wenigstens deren Gemüseladen retten können.

DerBund.ch/Newsnet

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