Stadt testet Gratis-Wi-Fi am Bellevue – kaum einer nutzt es

Das EWZ hat ein Gratis-WLAN auf dem Sechseläutenplatz installiert. Für ein flächendeckendes Netz will die Stadt aber nicht bezahlen.

Was viele nicht wissen: Beim Bellevue gibt es bis Ende Jahr Gratis-WLAN.

Was viele nicht wissen: Beim Bellevue gibt es bis Ende Jahr Gratis-WLAN.

(Bild: Keystone Cyril Zingaro)

Die Zürcher haben ein neues Wi-Fi. Und es interessiert fast keinen. Bei 31 Grad Celsius sitzen die Leute auf dem Sechseläutenplatz und blinzeln ahnungslos in die Sonne. Ob sie schon vom Gratis-WLAN gehört hätten, das anlässlich des Züri-Fäscht installiert wurde und als Pilotprojekt bis Ende Jahr bestehen bleibt. «Nein», «Keine Ahnung», «Hä?», so weit die gängigen Antworten.

«Wenn ich hier sitze, will ich es geniessen, nicht auf dem Handy herumfummeln», meint etwa Marco (25). Freier Internetanschluss scheint auch für Olga (33) und Janine (35) einer der letzten Gedanken zu sein. Sie wüssten nichts vom WLAN, gingen nur zu Hause ins Internet und würden hier lieber abschalten.

WLAN funktioniert einwandfrei

Dabei zeigt der Test: Die drahtlose Internetverbindung des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) funktioniert einwandfrei. Zum Anmelden wählt man einfach das Netz EWZ free WiFi, registriert sich und gibt das Passwort ein, das man per SMS bekommen hat. Danach kann man mit Höchstgeschwindigkeit surfen. Das sorgt bei einigen wenigen für Zustimmung. «Gratis-WLAN gehört einfach zu einer Stadt wie Zürich, vor allem für Touristen ist das attraktiv», sagt Yllka (35). Es herrsche dringend Nachholbedarf, meint Wayne (31).

Doch das EWZ will die WLAN-Sache nicht an die grosse Glocke hängen. Man werde bei der Street-Parade und am Weihnachtsmarkt stärker dafür werben, sagt Sprecherin Marie Oswald. «Bei Grossanlässen und bei Touristen sehen wir das grösste Potenzial.» Falls an einem solchen Event das Telefonnetz zusammenbreche, könne man zum Beispiel mit Whatsapp telefonieren.

Allerdings hätten am Züri-Fäscht viele gar nicht gewusst, dass beim Bellevue ein öffentliches Netz zur Verfügung steht. Das belegen auch die Zahlen: Nur rund 2000 Personen von über 2 Millionen Besuchern haben sich für das WLAN registriert – die meisten, um das EM-Spiel Italien gegen Deutschland zu streamen.

Andere Städte machten es vor

Dass Zürich Städten wie Mailand, Helsinki oder gar Luzern, die bereits seit Jahren kostenloses Internet anbieten, nachhinkt, stört die Behörden nicht. «Ein öffentliches, flächendeckendes WLAN ist im Moment keine Option», sagt Oswald. Im Gemeinderat habe man mehrmals über das Thema debattiert und sei zum Schluss gekommen, dass die Finanzierung eines solchen Angebots aus privater Hand kommen müsste.

So entstanden auch beim Hotspot am Bellevue keine zusätzlichen Kosten für das EWZ: Er kam unter anderem dank den Partnern Goldbach Group, Cisco und iWay zustande. Nach der Testphase wird ausgewertet, ob es sich lohnt, das WLAN am Bellevue beizubehalten und allenfalls punktuell andere zu installieren. Vielleicht wäre man ja dann über das allgemeine Desinteresse auf dem Sechseläutenplatz sogar froh.

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