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Und dann lief die Ticketkontrolle im Zürcher 46er-Bus aus dem Ruder

Beleidigungen, Fusstritte, Kraftausdrücke: Was in Wipkingen passierte, beschäftigt nun die Staatsanwältin, ein VBZ-Mann sitzt in U-Haft.

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Der Vorfall, der zum Verfahren durch die Staatsanwaltschaft führte, ereignete sich am Sonntag, 1. Juli 2018. Ein Kontrolleur der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) hatte mit vier Arbeitskollegen im Bus 46 einen 20-jährigen Fahrgast überprüft, der kein gültiges Ticket bei sich hatte. Daraufhin stiegen die VBZ-Mitarbeitenden mit ihm an der Haltestelle Bahnhof Wipkingen aus dem Bus.

Dort kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Fahrgast, fünf VBZ-Mitarbeitenden und einem 50-jährigen Passanten, der sich an der Haltestelle befand. Die alarmierte Stadtpolizei verhaftete den 20-jährigen Fahrgast sowie einen 45-jährigen VBZ-Mitarbeiter.

Der 20-Jährige kam gleichentags wieder frei, der Kontrolleur befindet sich seither in Haft. Laut der zuständigen Staatsanwältin wurde gegen den 45-Jährigen ein Strafverfahren eröffnet. Sie hat beim Zwangsmassnahmengericht Antrag auf Untersuchungshaft gestellt, der heute Nachmittag für die Dauer eines Monats bewilligt wurde. Details zum Verfahren gibt die Staatsanwältin nicht bekannt. Auch gegen den 20-jährigen Fahrgast läuft ein Strafverfahren.

Inzwischen hat sich der junge Schwarzfahrer gegenüber dem «Blick» geäussert. Der 20-jährige Schweiz-Ägypter sagte gegenüber der Zeitung, dass sein Abo abgelaufen sei und er noch kein neues gehabt habe.

Der Kontrolleur habe seine Personalien an der Bushaltestelle extra langsam aufgenommen. Darauf hat der Schwarzfahrer den VBZ-Mitarbeiter beleidigt und ihn laut eigenen Angaben «Scheisskontrolleur» genannt. Dieser packte ihn am Kragen und stiess den 20-Jährigen um. Der junge Mann richtete sich wieder auf und verpasste dem Kontrolleur einen Faustschlag. «Das war Selbstverteidigung», zitierte ihn der «Blick».

Kontrolleur kickte mit Fuss gegen Kopf

Die Situation eskalierte. Die restlichen vier Kontrolleure eilten herbei und gingen auf ihn los. Der junge Mann wurde auf den Boden gedrückt, und der Kontrolleur soll ihm mit dem Fuss an den Kopf gekickt haben. Er habe Schläfe, Kiefer, Ohr und den seitlichen Hinterkopf getroffen. Der Gerichtsmediziner habe später leichte innere Blutungen festgestellt.

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Video: VBZ testet selbstfahrenden Bus

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Der Fusstritt auf den Kopf dürfte der Grund sein, weshalb der VBZ-Kontrolleur immer noch in Haft ist. In der Praxis eröffnet die Staatsanwaltschaft bei einem heftigen Fusstritt gegen den Kopf ein Verfahren wegen schwerer oder versuchter schwerer Körperverletzung. Dies wird auch hier der Fall sein. Der Vorfall war von dem 50-jährigen Passanten bei der Tramhaltestelle gefilmt worden.

Beleidigungen sind rückläufig

Bei den Verkehrsbetrieben bedauert man den Vorfall sehr. VBZ-Sprecherin Daniela Tobler kann sich in ihrer langjährigen Tätigkeit an keinen ähnlichen Vorfall erinnern. Tätlichkeiten und verbale Beleidigungen gegenüber dem Personal seien eher rückläufig, dafür aber heftiger. Sie erinnert daran, dass die VBZ täglich rund eine Million Passagiere befördern, und die Schwarzfahrerquote liege seit Jahren bei rund einem Prozent.

VBZ-Kundenberater, so die offizielle Bezeichnung, würden nicht nur Kontrollen durchführen, sondern die Passagiere bei Störungen und Umleitungen vor Ort informieren und Hilfe anbieten. Kontrolle sei nur ein Teil der Arbeit. Laut Tobler haben die VBZ keine Mühe, Kundenberaterinnen und Kundenberater zu rekrutieren. Es sei eine vielseitige und interessante Tätigkeit. Viele seien langjährige Mitarbeiter. Die Kundenberater müssen alle Tram und Bus fahren können, die meisten sind in der Regel ehemalige VBZ-Chauffeure.

Wo der Vorfall geschah: Die VBZ-Bushaltestelle beim Bahnhof Wipkingen.
Wo der Vorfall geschah: Die VBZ-Bushaltestelle beim Bahnhof Wipkingen.

In der internen Schulung und Weiterbildung, so Tobler, werde auf Deeskalation bei Kontrollen ein grosses Schwergewicht gelegt, also wie man kritische Situationen bei Schwarzfahrern, betrunkenen oder schwierigen Fahrgästen in den Griff bekommt. Zudem würde man nach Abschluss von Kontrollen im Team Debriefings durchführen und schauen, was gut oder weniger gut verlaufen sei.

«Wenn wir Reaktionen von Kunden erhalten», sagt Daniela Tobler, «sind es in den meisten Fällen Reklamation wegen des Nachtzuschlags oder E-Tickets, selten wegen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.»

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