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Patrouillen statt Kundenbetreuer: Pendler verpassen Züge

Nach dem Fussballspiel des FC Zürich gegen Borussia Mönchengladbach sperrte die Polizei einen grossen Teil des Hauptbahnhofs. Die SBB konnten Reisende nur behelfsmässig informieren.

Kein Durchkommen: Im Bereich der Sihquai-Passage war der Hauptbahnhof gestern abgeriegelt. Bild: rba
Kein Durchkommen: Im Bereich der Sihquai-Passage war der Hauptbahnhof gestern abgeriegelt. Bild: rba

Donnerstagabend, 23 Uhr, am Zürcher Hauptbahnhof: Neben Borussia-Fans, die sich mehr oder weniger betrunken zu ihrem Extrazug aufmachten, versuchten auch Hunderte von Pendlern nach Spätschicht, Beizen- oder Kinobesuch rechtzeitig auf ihre Züge zu kommen. Doch der südseitige Eingang zur Passage Sihlquai war praktisch komplett abgeriegelt.

Erst nach längerem Suchen wiesen Polizisten in Kampfmontur wenig gesprächig den Weg via ein Schlupfloch beim Gleis 3. Der Umweg betrug rund drei Minuten, das Suchen nicht eingerechnet – wer Pech hatte, erwischte seinen Zug nicht mehr.

Angeblich «normal»

Auch auf der Seite des Landesmuseums war die Passage durch Gitter fast vollständig abgeriegelt. Auch hier: null Information, grimmige Polizisten, keine Schilder und nicht informierte SBB-Angestellte. Nur auf freundliche Bitte und ausdrückliche Nachfrage liessen die Polizisten Pendler ohne Borussen-Schals durch den Kordon zu den Gleisen 3 bis 17 sowie den beiden unterirdischen Bahnhöfen.

Die Haupthalle des Hauptbahnhofs dagegen war frei zugänglich, der Umweg für Pendler jedoch beträchtlich. SBB-Angestellte wie auch Polizisten behaupteten, die Schliessung der Sihlpassagen-Eingänge nach 23 Uhr seien «normal wegen des Abbruchs des alten Flügelbahnhofs».

Das sei eine Fehlinformation gewesen, heisst es bei den SBB auf Anfrage. Die Sihlpassage habe genau die gleichen Öffnungszeiten wie der restliche Bahnhof. Sie ist also lediglich unter der Woche nach 1:45 Uhr morgens für zwei Stunden geschlossen.

Objektschützer sollten informieren

Die gestrigen Absperrungen waren also eine Ausnahme. Ab 23 Uhr war laut SBB die gesamte Nordseite des Bahnhofs verriegelt, der Zugang sei nur noch über die Querhalle vor der alten Bahnhofshalle möglich gewesen. Man habe sich nach Absprache mit der Kantonspolizei zu dieser Massnahme entschieden, um Sachschäden zu verhindern, da die Borussia-Fans schon den Tag über aufgefallen seien. Diese waren zu Tausenden durchs Niederdorf gezogen, unter ihnen auch Vermummte.

Laut SBB waren am Abend zwar nicht jene Kundenbetreuer am Hauptbahnhof, nach denen ein ratloser Reisender automatisch Ausschau hält, wohl aber eine Patrouille des Objektschutzes. Diese habe den Bahnpassagieren Auskunft geben können. Ursache für diese Lösung seien die Kurzfristigkeit und die späte Stunde gewesen.

Anders als sonst kein gesteuerter Fanmarsch

Ausnahmezustand herrschte wegen des Fussballspiels gestern auch auf dem Zürcher Tramnetz. Zwischen Bellevue und Central sowie an der Bahnhofstrasse ging zeitweise gar nichts mehr. Sieben Tramlinien mussten umgeleitet werden oder waren unterbrochen.

Das ist bei anderen Fussballspielen jeweils nicht der Fall. Der entscheidende Unterschied war laut den Verkehrsbetrieben Zürich, dass ungewöhnlich viele Fans gekommen seien und diese sich nicht auf einer vorgegebenen Route durch die Stadt bewegt hätten, sondern unkontrolliert.

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