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«Macht eure Wäsche in einer anderen Stadt»

In der ganzen Stadt Zürich gibt es nur noch zwei Waschsalons. Wie lange sie noch betrieben werden können, ist ungewiss. Das ist vor allem für Touristen ein Problem.

Warten auf Kundschaft: Die Waschmaschinen im Waschsalon an der Winterthurerstrasse werden zunehmend überflüssig. Foto: Noemi L. Landolt
Warten auf Kundschaft: Die Waschmaschinen im Waschsalon an der Winterthurerstrasse werden zunehmend überflüssig. Foto: Noemi L. Landolt

Sieben Waschmaschinen, drei Tumbler, ein paar Stühle, ein Automat mit Getränken und einer mit Waschmittel. Die Infrastruktur ist vorhanden. Trotzdem ist im Waschsalon an der Winterthurerstrasse im Zürcher Kreis 6 an diesem Mittag wenig los. Zwei Tumbler blasen Wäsche trocken. Ein Mann sitzt davor und füttert sie alle paar Minuten mit Einfränklern.

Er komme regelmässig hierher, um zu waschen, erklärt der 83-Jährige. 30 Minuten dauert seine Anreise. Der Grund? «Armut.» Zu seinem Zimmer gehöre keine Waschmaschine, die er brauchen könne. Um hier zu waschen, bezahlt er sieben Franken für die Wäsche und noch stolze zwölf für den Tumbler.

Waschmöglichkeit gehört zum Standard

So wie dem älteren Mann geht es nur einem Bruchteil der Schweizer Bevölkerung: Laut Bundesamt für Statistik musste in der Schweiz im Jahr 2013 nur etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung, die in einem Privathaushalt lebt, ohne Waschmaschine auskommen, weil sie sich keine leisten konnte.

«Wasch- und Trocknungsmöglichkeit gehören in der Schweiz zum Standard von Mietwohnungen», sagt Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich. Nur wenn im Mietvertrag festgehalten werde, dass die Wohnung ohne Waschmöglichkeit vermietet wird, stelle das Fehlen der Waschmaschine keinen einklagbaren Mangel dar.

Die hohe Waschmaschinendichte in der Schweiz ist wohl auch die Erklärung für die gähnende Leere in den hiesigen Waschsalons. An diesem Mittag kommt nur noch ein anderer Kunde mit seiner Wäsche an die Winterthurerstrasse. Das sei nicht immer so, erklärt der ältere Herr. Am Wochenende und im Sommer sei der Andrang grösser, weil dann mehr Leute Zeit hätten und mehr Touristen in der Stadt seien.

Lebensunterhalt nicht gedeckt

Den Waschsalon an der Winterthurerstrasse gibt es seit 30 Jahren. Seit sechs ist er ein Familienbetrieb. Trotz Touristen und Wochenendbetrieb reichen dem Besitzer die Einnahmen nicht, um leben zu können. Und das, obwohl er mit diesem und seinem zweiten Salon beim Lochergut das Waschsalon-Monopol in Zürich besitzt. Es werde sogar zunehmend schwieriger, sagt er.

Um eine Nullrechnung zu erreichen, erledigt der Inhaber der beiden Waschsalons anfallende Reparaturarbeiten selber. Nur schon die Anfahrtskosten eines Spezialisten kämen im Vergleich zu den Einnahmen zu teuer. «Wer ein solches Geschäft führen will, muss Alleskönner sein.» Wie lange es die beiden Salons noch geben wird, kann der Besitzer nicht sagen. Aber eine baldige Schliessung sei nicht geplant.

Mühsam und teuer

Die wenigen Stammgäste in seinen Salons und die Touristen werden es ihm danken. Bei nur zwei Waschsalons in der ganzen Stadt ist Waschen in Zürich für Touristen bereits jetzt eine Herausforderung. Waschsalons an jeder Ecke, wie es in anderen Städten gang und gäbe ist, suchen die Globetrotter hier vergeblich.

Die Jugendherberge in Wollishofen wirkt dem entgegen, indem sie ihren Gästen für je fünf Franken pro Stunde zwei Waschmaschinen und Tumbler zur Verfügung stellt. Das Backpacker-Hostel Langstars an der Langstrasse schickt seine Gäste mit der dreckigen Wäsche in den Waschsalon beim Lochergut. Diese fänden den langen Weg eher mühsam und die Preise teuer. «Deshalb raten wir denjenigen Gästen, die sowieso nur kurz bei uns bleiben, in einer anderen Stadt zu waschen.»

Trend zum Waschservice

Self-Service-Waschsalons gehören definitiv zur langsam aussterbenden Spezies. Dafür lässt sich in der Stadt Zürich ein anderer Trend erahnen: An jeder Ecke werben Geschäfte für Bügel- und Waschservice. Gewaschene und gebügelte Hemden und Blusen gibts sogar zum Abo-Preis.

Laut Cleaning Store erfreue sich dieser Sevice tatsächlich immer grösserer Beliebtheit. Geschäftsmänner von jung bis alt würden ihn rege nutzen. Für die Waschsalons keine direkte Konkurrenz: «Socken, Strümpfe und Unterwäsche waschen wir nicht», heisst es bei Cleaning Store. Auch die Preise übersteigen diejenigen im Waschsalon deutlich.

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