Künstler provoziert mit Attacke auf Roger Köppel

Das Zürcher Neumarkt-Theater will den SVP-Nationalrat mit einem Fluch belegen. Politiker sind empört und fordern Sanktionen.

Karikatur: Felix Schaad

Karikatur: Felix Schaad

Hannes Nussbaumer@tagesanzeiger

«Schweiz entköppeln» – unter diesem Titel läuft eine Theaterproduktion des Performance-Künstlers Philipp Ruch, die morgen Abend im Zürcher Neumarkt auf dem Programm steht. Es ist eine drastische Aktion gegen SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. Bereits jetzt kann sich das Publikum einschalten und via Internet wählen, mit welchem Fluch man Köppel belegen möchte. Zur Auswahl stehen etwa Autounfall, Ebola oder Blitzschlag.

Politiker aller Parteien reagieren empört und verärgert auf die Aktion. Auch im Zürcher Gemeinderat kam es zu zornigen Voten. Das städtische Parlament subventioniert das Neumarkt-Theater mit rund 5 Millionen Franken pro Jahr. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bezeichnete das Theaterprojekt in einer Stellungnahme als «geschmacklos», es überschreite die «rote Linie». Sie werde dies dem Verwaltungsrat mitteilen.

Mauch warnte jedoch davor, wegen einer schlechten Aktion die Subventionierung des Theaters infrage zu stellen. Auch gegen die Aktion selber will sie nicht vorgehen: «Ich würde die Veranstaltung nur im äussersten Fall verbieten. Dieser träte ein, wenn durch die Aktion geltendes Recht verletzt würde», sagte sie DerBund.ch/Newsnet. «Soweit wir dies überprüfen konnten – wir wissen erst seit kurzem von der Aktion –, ist dies nicht der Fall.»

SVP zielt auf Subventionen

Vertreter von SVP und FDP widersprachen der Stadtpräsidentin. Ihrer Meinung nach ritzt die Aktion das Recht. Der Chef der SVP-Gemeinderatsfraktion, Martin Götzl, kündete an, seine Partei werde kommende Woche eine Motion einreichen. Deren exakter Wortlaut sei noch offen. Fest stehe, dass man – wie gestern bereits in einem Communiqué gefordert – die Subventionierung hinterfragen wolle. Derzeit führe die Partei Gespräche mit den anderen Fraktionen – in der Hoffnung auf Unterstützung. Dezidiert gegen eine Bestrafung des Theaters in Form einer Subventionskürzung sprach sich die grünliberale Fraktionschefin Isabel Garcia aus. Bei FDP und CVP ist man gegenüber dem SVP-Ansinnen offener, will aber zuerst dessen exakten Inhalt kennen. Aufgrund seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinde sich das Neumarkt-Theater ohnehin in einer kritischen Lage, findet CVP-Präsident Markus Hungerbühler. Da sei die Köppel-Aktion «doppelt ungeschickt».

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