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Ex-Gammelhaus-Besitzer hat neues Businessmodell

Drei zusätzliche Hotels der Billigkette Easyhotels sollen an zentraler Lage in Zürich entstehen. Alle betroffenen Häuser sind in der Hand eines bekannten Immobilienbesitzers.

Gute Geschäfte an der Zwinglistrasse: Das erste Easyhotel in Zürich. (Foto: Doris Fanconi)
Gute Geschäfte an der Zwinglistrasse: Das erste Easyhotel in Zürich. (Foto: Doris Fanconi)

Günstig ist für Easyhotel nicht gut genug. Billig muss es sein. Mit dem Slogan «Cheaphotel in Zurich» geht die Schwestergesellschaft der Fluglinie Easyjet auf Gästefang. An der Zwinglistrasse im Kreis 4 bereits seit 13 Jahren äusserst erfolgreich: «Wir haben eine Auslastungsquote von 98 Prozent», sagt ein Teilhaber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das ist weit über dem Schnitt der Zürcher Hotels, deren durchschnittliche Zimmerauslastung sich je nach Stadtkreis zwischen 56 und 86 Prozent bewegt. Ein Doppelzimmer ist bei Easyhotel bereits ab 72 Franken erhältlich.

Nun expandiert Easyhotel. In den nächsten Monaten sollen gleich drei weitere Ableger in der Innenstadt von Zürich eröffnen. Rund 174 Betten sind geplant, sofern es mit den Bewilligungen klappt. Gestern Mittwoch publizierte das städtische Amtsblatt zwei Bauprojekte für die Umnutzung eines Appartementhauses zu einem Easyhotel. Beide Liegenschaften befinden sich an attraktiver Lage im Kreis 5. Bereits Anfang Woche wurde bekannt, dass ein weiteres Easyhotel beim Bahnhof Wipkingen entstehen soll. Damit vergrössert der englische Mutterkonzern Easygroup seine Präsenz in Zürich auf vier Hotels.

Indisches Restaurant soll bleiben

Gemäss einem ehemaligen Mieter eines Hauses an der Josefstrasse, das nun zum Hotel umgebaut werden soll, hätten sämtliche Mieter per 1. September die Kündigung erhalten. Auch in der Liegenschaft an der Klingenstrasse, die der heutige Besitzer vor vier Jahren für 8 Millionen Franken gekauft hatte, soll ein Easyhotel entstehen. Im Parterre befindet sich seit 20 Jahren ein beliebtes indisches Restaurant: der Vulkan. Der Restaurantbesitzer zeigte sich auf Anfrage unsicher, was die Zukunft des Lokals betrifft. Er habe von der Verwaltung noch keine definitive Zusicherung erhalten. Gemäss gut unterrichteter Quelle soll das Restaurant weiter bestehen bleiben.

Hier sollen die Easyhotels hinkommen:

Als Geschäftsleiter der Easyhotel Schweiz AG fungiert Stefan Rüegg, der trotz mehrmaliger Kontaktversuche nicht erreichbar ist. Um das Geschäft von Easyhotel in Zürich voranzutreiben, hat Rüegg interessante Partner gefunden. Alle vier Liegenschaften sind im Besitz der PHS Immobilien AG aus Küsnacht, deren einziger Zeichnungsberechtigter, Peter S., kein unbeschriebenes Blatt ist. Gemeinsam mit seinem Verwalter setzte er bis anhin in den meisten Häusern auf das Geschäftsmodell der Zimmermiete. In drei Häusern im Kreis 4 kam es in den letzten Jahren zu massiven Problemen. Die Häuser waren heruntergekommen, die Mieten dafür unanständig hoch. Es herrschte ein unkontrollierbares Kommen und Gehen und der Drogenhandel florierte im ganzen Haus. Unter dem Namen «Gammelhäuser» erlangten die Häuser zweifelhafte nationale Berühmtheit.

Gammelhäuser-Verkauf genehmigt

Letztes Jahr löste sich das Gammelhaus-Problem für S. auf einen Schlag. Im Februar 2017 entschied der Zürcher Stadtrat, die drei Häuser im Kreis 4 zu kaufen. Für 32 Millionen Franken wechselten die Liegenschaften in das städtische Portfolio. Politiker von links bis rechts kritisierten den Kaufpreis als zu hoch, doch letztlich wurde der Verkauf vom Gemeinderat genehmigt. Das Geld investiert S. nun offenbar in sein neues Geschäftsmodell: Easyhotels. Ob weitere Ableger geplant sind, ist zurzeit unklar. Peter S., sein Verwalter und Easyhotel-Geschäftsleiter Rüegg waren entweder nicht erreichbar oder verweigerten Redaktion Tamedia eine Auskunft.

Die Easyhotels beschleunigen den zurzeit grassierenden Hotelboom. «In den nächsten Jahren erwarten wir über 3600 zusätzliche Zimmer in Zürich», sagt Martin von Moos, Präsident Zürcher Hoteliers. Trotz wachsender Konkurrenz aus der Parahotellerie (u.a. Airbnb oder Business-Appartements) profitieren einige Hotels durch steigende Touristenzahlen: Im ersten Halbjahr 2018 ist die Zahl der Logiernächte um 8,8 Prozent gestiegen. Die Besucherzahlen aus Indien und den Golfstaaten wuchsen im zweistelligen Prozentbereich. «Offenbar besteht auch eine grosse Nachfrage nach Hotels im tiefen Preissegment», sagt von Moos. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht. «Sobald es einen Einbruch gibt, laufen wir in eine Überkapazität hinein.»

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