Ein Verbot der Prostitution wird teuer

Wer das Sexgewerbe illegal machen will, muss ­den Frauen bei der Suche nach neuer Arbeit helfen.

Marisa Eggli@tagesanzeiger

Die Fragen wühlen auf: Darf eine Frau Sex für Geld anbieten? Darf ein Mann Sex kaufen? Nein, findet die Zürcher Frauen­zentrale. Sie will Freier bestrafen, wie in Schweden, und treibt die Diskussion um ein Prostitutionsverbot in der Schweiz ­voran. Das Argument klingt überzeugend: Die Prostitution nähre die Vorstellung, dass man Frauen wie ein Konsumgut nutzen und kaufen könne. Nirgends werde das Machtungleichgewicht ­zwischen den Geschlechtern deutlicher als bei der Prostitution.

Doch die Frauenzentrale hat nicht mit Susanna gesprochen, nicht mit Ana, Karin oder Waranya. Sie sind Prostituierte in Zürich. Mit ihren Stunden auf dem Strich, in Salons oder in stickigen Zimmern verdienen sie ihren Lebensunterhalt. Sie ernähren ihre Kinder, zahlen Steuern, kaufen Wohnungen. Sie schwärmen nicht von ihren Jobs, aber sie ­sind stolz. Darauf, mit wenig Bildung eine gute Summe Geld zu verdienen und für sich und ihre ­Familien aufzukommen.

Viele Frauen würden sich einfach weiter ­prostituieren. Wenn nicht hier, dann in einem anderen Land. 

Ein Prostitutionsverbot hiesse für sie: Ihre Einkommensquellen versiegen. Sie verlieren ihre Lebensgrundlage – damit die Gesellschaft austesten kann, ob sich ohne sichtbare Prostitution das Verhältnis zwischen Mann und Frau verbessert. Wenn die Schweiz für sie ein Arbeitsverbot verhängen würde, müsste die Politik grosszügig Geld sprechen. Geld, um die Frauen in ihrer Heimat wie Ungarn oder Thailand umzuschulen. Die Schweiz müsste einen Effort leisten, ihre Bildung zu fördern, oder ihnen helfen, einen anderen Job zu finden. Alles andere wäre ­scheinheilig und unfair. Viele Frauen würden sich einfach weiter ­prostituieren. Wenn nicht hier, dann in einem anderen Land.

Besser als ein Verbot wäre es, den Frauen so viel Schutz wie möglich zu gewähren. Ihnen die Möglichkeit zu geben, das Metier zu wechseln. Den Mut, gewalttätige Freier und Zuhälter anzuzeigen, Nein zu sagen bei der Forderung nach ungeschütztem Sex. Es sollten nur Frauen im Sexgewerbe arbeiten, die sich selbstbestimmt dafür entscheiden.

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