Ein Fixpunkt auf der Karte

Zürich ohne Baur au Lac? Unvorstellbar. Das sah man vor 50 Jahren anders – und spielte mit dem Gedanken, das Hotel abzureissen.

Schlicht schön: Die Baur-au-Lac-Karte vom Oktober 1964. Foto: PD

Schlicht schön: Die Baur-au-Lac-Karte vom Oktober 1964. Foto: PD

Nicola Brusa@tagesanzeiger

Es ist einem strengen Winter vor mehr als 50 Jahren zu verdanken, dass der «Tages-Anzeiger» vergangene Woche hinter die Kulissen des altehrwürdigen Baur au Lac schauen konnte. Dieser Satz ist allenfalls etwas dramatisiert. Aber: Als während der Seegfröörni 1962/63 eine städtische Delegation am Bürkliplatz auf das Eis hinausging, bestanden Pläne, das Hotel niederzureissen und durch einen Neubau zu ersetzen. Als die Herren da draussen standen, mussten sie erkannt haben, dass sich das Stadtbild zum Schlechten verändern würde.

Weshalb diese alte Geschichte? Weil wir im Laufe der Woche Mails und Zuschriften erhielten, die vom Baur au Lac handelten. Die Serie «Im Huus» erlaubte einen Blick in das 5-Stern-Haus. Und dieses ist offenbar mit Erinnerungen von Lesern verknüpft. Zum Beispiel mit jenen von Bruno Pedrazzoli aus Kilchberg, der eine alte Speisekarte vorbeibrachte – und ein bisschen aus seiner Zeit im Baur au Lac erzählte.

Fleisch als Gegenleistung

Von 1963 bis 1965 arbeitete Bruno Pedrazzoli in Baur au Lac. Er war als Hauselektriker angestellt. In dieser Zeit trug er seinen Konfirmationsanzug das letzte Mal – er hatte nichts anderes im Schrank und musste doch am Presseball zum Rechten sehen. Nach seiner Zeit im Baur au Lac musste er eine Weile auf Bündnerfleisch und Roastbeef verzichten – er hatte davon schlicht zu viel gegessen.

Der Elektriker war ein gefragter Mann. Nicht nur bei den Gästen. Er installierte Stereoanlagen oder Lampen in den Zimmern der Angestellten – als Gegenleistung für einen Dienst unter Kollegen schmuggelte der Koch eben Fleisch in die Elektrikerwerkstatt. Die Ware versteckte er in seiner Kochhaube. Allenfalls hätte man den Schmuggler an seiner übervorsichtigen Art zu gehen erkennen können.

Vom Oktober 1964 stammt die Speisekarte, die Pedrazzoli aufbewahrt hat. Sie ist mit schlichten roten Strichzeichnungen illustriert, die Beschreibung der Speisen auf das Wesentliche reduziert. Damals gab es im Baur au Lac ein Entrecôte für zwei zu 26, ein Drittel Hummer mit Mayonnaise für 11 und eine Spargelcremesuppe für 2 Franken.

www.bauraulac.tagesanzeiger.ch

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