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Die Untoten von Zürich

Velostadt, Kongresszentrum, Stadion, bürgerliche Wende: In Zürich werden hartnäckig Illusionen gehegt, die zu schwach sind, um realisiert zu werden, aber zu stark, um zu verschwinden.

Illusionen sind der Zucker im Leben. Menschen machen sich Illusionen, um ihr Leben zu ertragen. Städte haben Träume in Form grossartiger Projekte. Nicht alle Einwohner träumen vom gleichen, doch sind es jeweils so viele, dass die Illusion am Leben bleibt, auch wenn sie nie verwirklicht wird.

Die grosse Illusion der Grünen und Linken ist die Velostadt Zürich. Unzählige politische Vorstösse, Konzepte und Velobeauftragte haben in den letzten 20 Jahren aber nichts daran geändert, dass das Velonetz Stückwerk geblieben ist und die zentralen Strassen und Kreuzungen fürs Velo untauglich sind. Es fehlt an Platz – und am letzten Willen. Denn Zürich ist eine Stadt auf Hügeln, erschlossen von Tram und Auto. Diese verkehren als überspanntes Neben- und Gegeneinander, stets am Rande des Kollapses. Bahnhofplatz, Central, Bellevue, Rämistrasse – Raum für sichere Velowege gäbe es nur mit einer radikalen Reduzierung des Autoverkehrs. Aber da machen weder die Autofahrer mit, von denen es mehr gibt als es den Grünen lieb ist, noch will es der Kanton. Die Velostadt hätte vielleicht eine Chance im Stadt­kanton Zürich. Doch den würden die eidge­nössischen Stände nie zulassen, da sie nicht vor verschlossenen Pforten in Form roter Ampeln stehen wollen. Aller Bekenntnisse zum Trotz: Das Velo mag im flachen Quartier attraktiv sein, nicht aber, um die Stadt zu queren und die Hügel zu befahren. Zürich ist und bleibt eine Velokleinstadt.

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