Demokratie mit Lidl

Der Discounter sorgt für eine Durchmischung in der Altstadt.

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Liliane Minor@MinorLili

Der Discounter Lidl zieht in die Fraumünsterpost – und die Aufregung ist programmiert. Es ist die gleiche Aufregung wie vor Jahren, als McDonald’s die erste ­Filiale an der Bahnhofstrasse eröffnete. Oder als erst die Fast-Food-Kette und dann Spar verkündeten, an den Pfauen ziehen zu wollen. «Passt nicht hierher!», heisst es dann jeweils, «Das wollen die Anwohner nicht!» – und überhaupt, es drohe dem Quartier nichts weniger als der Untergang.

Nun, die Bahnhofstrasse ist nicht untergegangen. Und auch der Pfauen und die Altstadt werden nicht untergehen. Natürlich nicht. Warum auch? Passt sich das Angebot den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden an, zeugt das von einer lebendigen Stadt. Dazu gehört auch, dass Läden eingehen und andere neu eröffnet werden.

Es klingt doch sehr nach Standesdünkel, wenn der Einwohnerverein links der Limmat geltend macht: «Wir haben hier zwei Märkte und zwei Metzger», da müsse nicht Lidl kommen und auf Kundenfang gehen. Nicht jeder kann (oder will) sich den Einkauf auf dem Markt leisten. Diese Kunden mussten sich bis anhin ausserhalb des Quartiers versorgen. Der Discounter sorgt für eine Demokratisierung, eine Durchmischung in der Altstadt.

Dass das guttun kann, zeigt die nahe Bahnhofstrasse. Am einen Ende ist sie Luxusmeile mit Läden, in denen kein normal verdienender Zürcher einkaufen kann. Das hat natürlich auch ein gewisses Flair. Aber seien wir ehrlich: Die Bahnhofstrasse lebt nicht dort, wo die Schönen und Reichen shoppen, sondern am anderen Ende, im bunten Trubel gerade auch der günstigen Anbieter.

Natürlich besteht eine gewisse Gefahr, dass bald überall dieselben Ketten in den Innenstädten präsent sind, dass man in Hamburg, Mailand, London und Zürich dasselbe kaufen kann. Nur haben wir Kunden das auch selbst zu verantworten. Suchen wir nicht ständig nach den günstigen Angeboten? Wenn wir die Tante-Emma-Läden, die Metzg im Quartier und den Wochenmarkt erhalten wollen, dann sollten wir nicht jammern, sondern dort einkaufen.

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