Wie zwei Männer die Seefelder Familienwohnungen retten wollen

Im Seefeld verkaufen viele alteingesessene Familien ihre Häuser. An ihre Stelle kommen Luxusbauten. Zwei Männer wollen nun Hauseigentümer dazu bringen, mit Verdichtung Geld zu verdienen.

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Jvo Cukas

«Diese Häuser sind ein typisches Beispiel für die Entwicklung im Quartier», sagt Urs Frey, Präsident des Quartiervereins Riesbach. Zusammen mit dem Architekten Aurelio Vaccani steht er vor zwei Gebäuden an der Arbenzstrasse 3 und 5 im Zürcher Seefeld. «Früher gab es hier 20 3-Zimmer-Wohnungen», erklärt Frey, «nun wurden viele zu grosszügigen Luxuswohnungen zusammengelegt.»

Tatsächlich: In einem Teil der Immobilie wurden Eigentumswohnungen eingerichtet, im anderen liegt der Mietpreis für eine 4,5-Zimmer-Wohnung bei mindestens 5375 Franken, die 2,5-Zimmer-Wohnung ist ab 2850 Franken zu haben. Zum Vergleich: In derselben Strasse stehen drei weitere Häuser, die ursprünglich alle genau gleich gebaut wurden wie die totalsanierte Immobilie. In einem davon wurde laut Comparis.ch zuletzt 2010 eine 3-Zimmer-Wohnung ausgeschrieben. Sie war für 2250 Franken zu haben.

Beratungsstelle für Hausbesitzer

«Das Problem ist, dass viele Familien ihre Häuser verkaufen, anstatt sie sanft zu renovieren und so bezahlbaren Wohnraum zu erhalten», erklärt Frey. Zusammen mit dem Architekten Vaccani will er dieser Entwicklung etwas entgegensetzen und interessierte Hausbesitzer beraten. «Ziel ist es, einerseits Wohnraum für Familien zu erhalten, andererseits soll sich dies aber auch für die Besitzer lohnen», meint Vaccani.

So soll es möglich sein, alte Häuser für die nächsten 30 bis 50 Jahre instand zu stellen und langfristig in Familienbesitz zu halten. «Die Mieten werden so zwar auch teurer, aber orientieren sich nicht an einer Maximalrendite.» Zudem könne sich eine mittelständische Familie eine Miete von bis zu 3000 Franken oftmals leisten, «bei 5000 oder 6000 Franken hört der Spass aber auf».

Projekt Apollostrasse

An der Apollostrasse verwirklichen sie ihre Vision: Das mehr als hundert Jahre alte Haus muss saniert werden, die Frage war nur wie. «Wir wollen dort, wo möglich, die Wohnungen so umbauen, dass je ein Zimmer mehr Platz hat.» Zudem werde der Dachstock zu einer weiteren Wohnung ausgebaut. «Mit dieser Verdichtung können später fast doppelt so viele Leute im Haus wohnen», erklärt Vaccani. Zudem wolle der Hausbesitzer auch eine Art Belegungsvorschrift durchsetzen, ähnlich wie bei den meisten Genossenschaften. «So wird Familien bei einer 4,5-Zimmer-Wohnung klar der Vorzug gegeben.»

Auch den bisherigen Mietern will man nicht einfach grundsätzlich kündigen. Der Traditionsladen Foto Leu im Erdgeschoss des Gebäudes beispielsweise soll bleiben dürfen. «Damit der Ladenbesitzer die Miete bezahlen kann, wird das Geschäft etwas verkleinert. Dafür hat es Platz für ein zweites.»

Mieter müssen dennoch raus

Anders sieht es für die Wohnungsmieter aus. Ihnen muss gekündigt werden, allerdings mit langen Fristen und in einzelnen Fällen mit «einer reellen Rückkehrmöglichkeit, wenn auch in eine kleinere Wohnung».

Vaccani weiss, dass sich das Konzept der Apollostrasse nicht auf jedes x-beliebige Haus anwenden lässt. «Mit dem Projekt wollen wir aber zeigen, dass es anders geht – ohne Verkauf und Verdoppelung der Mieten.» Die Beratung, die er im Rahmen der Beratungsstelle für Hauseigentümer anbietet, sei denn vielmehr als Aufzeigen verschiedener Möglichkeiten gedacht. Auch habe sie nichts mit einer Arbeitsbeschaffung für Architekt Vaccani und seine Kollegen zu tun. «Eine Erstberatung kostet nichts, und was man nachher machen will oder mit wem man zusammenarbeiten will, ist einzig und allein den Hauseigentümern überlassen.»

DerBund.ch/Newsnet

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