Überraschende Unterstützung für die Velofahrer

Die Stadt Zürich hat sich zweimal für sicherere Velowege ausgesprochen. Das deutliche Ja kam aber nicht zustande, weil viele Einwohner ein Velo im Keller haben.

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Simon Eppenberger@S_Eppenberger

Das Stadtzürcher Stimmvolk hat sich sowohl für die Veloinitiative wie auch für den Gegenvorschlag des Stadtrates ausgesprochen. Die Ergebnisse mit 50,9 respektive 62,9 Prozent Ja-Stimmen überraschten, schaut man sich an, womit sich die Personen im Verkehr bewegen: Die täglichen Velofahrer machen nur einen tiefen einstelligen Prozentanteil aus. Etwa die Hälfte der Personen geht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, über ein Drittel mit dem Auto. Viele sind zu Fuss unterwegs. Die Vielfahrer unter den Velolenkern konnten das Ja für bessere Velowege also nicht alleine erwirken.

An schönen Tagen mag man denken, dass die Statistik nicht stimmt. Es sind massenhaft Velos in der Stadt unterwegs. Zu den Bahnhöfen rollen viel mehr Räder als üblich, die Langstrasse wird zur vierspurigen Veloroute und an sonnigen Wochenenden wird alles mit dem Zweirad angesteuert, was innerhalb der Stadtgrenze liegt. Trotzdem machen diese Schönwetterfahrer bei weitem nicht die 62,9 Prozent der Ja-Stimmen aus.

Nach der Annahme der Städteinitiative im Jahr 2011 scheint es zwar nicht ganz überraschend, dass die Velorouten nun verbessert werden. Damals kam das Ja mit 52 Prozent allerdings äusserst knapp zustande. Die Zürcher hatten entschieden, den Autoverkehr um 10 Prozentpunkte zu senken. Bei den seither hitzig geführten Diskussionen um Tempo-30-Zonen, Parkplätze oder das Verhalten von Velofahrern meldeten sich starke Auto-Befürworter. Die Velo-Lobby ihrerseits ist keine finanzkräftige Gruppe. Und viele halten den knappen Raum für ein unlösbares Problem, wenn es um die Verbesserung der Veloinfrastruktur geht.

Nun hat sich aber die rotgrüne Wählerschaft durchgesetzt. Den Löwenanteil unter ihnen machen die ÖV-Nutzer aus. Auch wenn Tausende Velos bei den Bahnhöfen stehen, die Mehrheit reist zu Fuss, mit Tram und Bus (zum Zug). Sie wollen offenbar auch für die Velofahrer bessere Bedingungen. Damit ist auch die Hoffnung verknüpft, dass sie weniger vom hektischen Veloverkehr tangiert werden. Heute ist es kein Vergnügen, wenn sich Fussgänger und Radfahrer kreuzen. Die schnelleren Velos sorgen allzu oft für Stress. Die Lösung ist, den Verkehr zu entflechten.

Darauf setzen offensichtlich auch die Autofahrer. Bei 62,9 Prozent Ja für den Gegenvorschlag haben Tausende von Ihnen für die Veloförderung gestimmt. Das mag überraschen. Bei der Städteinitiative vor vier Jahren waren es fast 11 Prozent weniger Ja-Stimmen. Daraus lässt sich schliessen, dass die Velos für Autolenker ein Thema sind. Kein Wunder: Permanent müssen sie auf der Hut sein, keinen Radfahrer zu übersehen, der Zwist um den Platz auf der Strasse und Beinahe-Zusammenstösse gehören zum Alltag. Wenn nun der Veloverkehr gefördert wird, profitieren die Autofahrer. Sind die Velorouten sicherer, haben auch sie weniger Stress. Deshalb haben sie Ja gesagt. Jetzt liegt es am Stadtrat, dafür zu sorgen, dass vom 120-Millionen-Kredit alle etwas haben.

DerBund.ch/Newsnet

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