Ein Feuer, das noch lange lodert

Zwei Spieler des FC Zürich zünden auf dem Cupsieger-Balkon Pyros. Der Club muss wissen, in welche Schwierigkeiten er damit gerät.

Nicht viel nachgedacht: Ein FCZ-Spieler entzündete am Sonntagabend ein Feuerwerk. Foto: Reto Oeschger

Nicht viel nachgedacht: Ein FCZ-Spieler entzündete am Sonntagabend ein Feuerwerk. Foto: Reto Oeschger

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Was haben Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Josip Drmic gemein? Also ausser dass sie sich gerade zusammen mit der Schweizer Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft vorbereiten? Alle wurden sie schon mit verbotener Pyrotechnik erwischt, es gab eine mehr oder weniger grosse Aufregung, sie mussten öffentlich zu Kreuze kriechen. Die zwei Spieler des FC Zürich, die nach dem Cupsieg auf dem Balkon des Volkshauses gezündelt haben, können sich also nicht damit herausreden, dass sie nicht gewusst hätten, was sie taten. Deswegen haben sich die beiden ja vermummt, als sie mit ihren Pyros wedelten. Der Fall an und für sich ist eigentlich simpel: Pyros sind verboten, die Polizei muss von Amtes wegen ermitteln. Die Spieler werden eine Busse erhalten, der Club dürfte ihnen ebenfalls eine Strafe aufbrummen. Viel interessanter ist der Umgang mit der Situation. Da ist einerseits der FCZ, der in seiner ersten und bislang letzten Pressemitteilung von «zwei Mitarbeitern» spricht, die gezündet hätten.

Mitarbeiter, nicht Spieler. Es ist eine kleine Schlaumeierei, die sich der Club hätte sparen können. Weil es so danach aussieht, als wolle er etwas vertuschen. Und weil die Namen der vermutlichen Täter natürlich sowieso öffentlich geworden sind. Dabei wäre die Kommunikationsstrategie in dem Fall ziemlich einfach: Hinstehen, sich entschuldigen, Strafe akzeptieren – und beim nächsten Titelgewinn das Hirn einschalten.

Mitten in die Stadiondiskussion

Natürlich weiss der Club, in welche Lage ihn die Spieler gebracht haben. Teile der Zürcher Fan­szene fallen in diesem Jahr immer wieder negativ auf. Nicht im Stadion, aber in der Stadt. Es gibt Überfälle auf GC-Anhänger, die Hemmschwelle für schwere Gewalt ist gesunken. In diesem aufgeheizten Umfeld wirbt der FCZ für ein neues Fussballstadion. Und genau jetzt schmücken sich zwei seiner Spieler öffentlich mit Pyros, dem Symbol der Kurve. Also jener Fans, die eals die treusten gelten – und zugleich als die schwierigsten. Auch darum ist die defensive Kommunikation des FCZ unverständlich.

Es sagt aber auch viel über die Entwicklung der letzten Zeit aus, für wie viel Aufregung zwei Leuchtfackeln sorgen können. 24 Jahre ist es her, als im Schweizer Fernsehen ein Fussballstadion gezeigt wurde, in dem Dutzende von Bengalos brannten. Und der Kommentator dazu freudig erregt erklärte: «Eine wunderbare Fussball­atmosphäre.»

Finger weg von Leuchtfackeln.

Das war kein Versprecher; der TV-Mann sprach für die Mehrheitsmeinung der hiesigen Fussballkonsumenten. Vieles hat sich seither verändert. Zum Beispiel mit dem Hooligankonkordat, das für die Europameisterschaft 2008 eingeführt wurde. Seither wird streng gegen Feuerwerk in Stadien vorgegangen. Und seither findet eine Art Katz-und-Maus-Spiel statt zwischen Sicherheitsleuten und den Ultras in den Kurven. Diese verteidigen Feuerwerk als sichtbarsten Teil ihres Fan-Daseins. Unzählige Konflikte rund um Stadien, unzählige Krawalle entzündeten und entzünden sich noch immer an Pyro-Kontrollen. Und so wurde schliesslich in der öffentlichen Wahrnehmung aus dem, was einst für eine «wunderbare Fussballatmosphäre» gesorgt hatte, ein Synonym für gewalttätige Fans.

Ein Ende des Konflikts ist nicht abzusehen, die Standpunkte sind unvereinbar. Hier das Gesetz. Dort die Ultras, die sie als Bestandteil ihrer Lebensweise sehen; und die ihrer Sache nicht helfen, wenn gefährliche Fackeln entgegen dem Kodex als Wurfwaffen gebraucht werden.

Es gibt Länder, die einen anderen Weg suchen. In Norwegen dürfen Heimfans an fix definierten Stellen Pyros zünden. In Österreich konnten Clubs eine Sonderbewilligung für ihre Anhänger einholen. Dieses Recht will die neue Regierung nun abschaffen. Sehr zum Bestürzen der Vereine, die damit gute Erfahrungen gemacht haben. Rapid Wiens Geschäftsführer Christoph Peschek twitterte, die Österreicher würden für die lockere Regelung «von Clubs in ganz Europa beneidet».

In der Schweiz hat derzeit keine Form von Legalisierung von Pyro eine Chance. Darum gilt: Vor den Stadien das Katz-und-Maus-Spiel. Und auf dem Cupsieger-Balkon: Finger weg von Leuchtfackeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2018, 22:13 Uhr

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