Die Bahnhofstrasse wird zur Swatch-Strasse

Mit Türler zieht ein Zürcher Traditionsunternehmen von der Bahnhofstrasse weg. Seinen Platz übernimmt Swatch. Wie an vielen Standorte davor.


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Praktisch alle 100 Meter können Einkaufslustige an der Bahnhofstrasse inzwischen eine Uhr von Swatch kaufen. Der Uhrenkonzern dominiert die Einkaufsmeile mehr und mehr. Kleinere Anbieter haben es dagegen schwer.

Nach 110 Jahren gab am Mittwoch der Uhren- und Juwelenhändler Türler bekannt, dass er sein Stammgeschäft im Savoy-Haus am Paradeplatz aufgibt. Mann wolle sich mehr auf Kreation und Design konzentrieren, der Detailhandel befinde sich derzeit im Wandel, begründete das Unternehmen. Der Trend gehe hin zu Monomarken-Stores.

Neue Monomarken-Boutique für Swatch

Genau einen solchen will Swatch jetzt im Savoy-Haus einrichten: eine Harry-Winston-Boutique. Die amerikanische Luxusmarke, berühmt für ihre Edelsteine, kaufte sich die Swatch Group im Januar 2013. «Diamonds are a girl’s best friend», liess sich Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek in der Medienmitteilung zitieren. Schmuckhändler Harry Winston gründete die Firma 1932.

Swatchs erster Monostore ist das aber nicht. Bereits im Jahr 2000 eröffnete der Konzern mit Omega an der Bahnhofstrasse eine erste eigene Boutique. Omega wurde 1884 in der Schweiz gegründet, und Jahre später von Swatch gekauft. Genauso gehört die Schweizer Prestigemarke Breguet inzwischen zur Swatch Group und die mittelpreisige Marke Tissot. Mit beiden ist Swatch ebenfalls prominent mit eigenen Geschäften in der Bahnhofstrasse vertreten.

Hinzu kommen die zwei eigenen Swatch-Stores an der Bahnhofstrasse und im Hauptbahnhof. Als Shop-in-Shop ist Swatch aber auch im Jelmoli, im Manor an der Bahnhofstrasse und mit einem Retailer im Landesmuseum präsent.

Swatch besitzt Griederhaus an der Bahnhofstrasse

So richtig schockte Swatch die anderen Juweliere an der Bahnhofstrasse aber, als der Konzern das Griederhaus an der Bahnhofstrasse für geschätzt 400 Millionen Franken kaufte. Sie befürchteten, Swatch würde ein grosses Uhrenhaus einrichten. Damals sagte Hayek ebenfalls, dass er vermutlich einen Harry-Winston-Standort eröffnen würde. Den will er jetzt im Türler-Haus einrichten. Im Griederhaus sind immer noch Louis Vuitton und das Modegeschäft Grieder eingemietet.

«Hätten Sie nebst unzähligen Banken an der Bahnhofstrasse lieber nur Modeketten mit Produkten made in India, in Bangladesh oder in Pakistan?»Swatch Group

Im Uhren- und Schmuckbereich halten sich gerade noch drei Familienunternehmen an der Bahnhofstrasse: Beyer, Meister und Bucherer. Beyer und Meister kommentieren die Ausbreitung der Swatch Group an der Bahnhofstrasse nicht, allgemein ist man diskret in der Branche. Die meisten anderen Uhrengeschäfte haben ja ebenfalls Uhren von Swatch im Sortiment. Weitere Swatch-Marken sind Blancpain, Longines, Rado, Glashütte Original, Hamilton und Calvin Klein watches + jewelery.

Bei der Swatch Group in Biel gibt man sich selbstbeusst: «Swatch Group ist seit jeher Leader an der Bahnhofstrasse», sagt ein Pressesprecher. «Hätten Sie nebst unzähligen Banken an der Bahnhofstrasse lieber nur Modeketten mit Produkten made in India, in Bangladesh oder in Pakistan?»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2017, 16:45 Uhr

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