60 Zentimeter müssen für das Velo genügen

2016 soll die enge Zürcher Rämistrasse auf beiden Seiten eine Velospur erhalten. Das Bauprojekt liegt jetzt öffentlich auf.

Markierungen für die künftigen Velospuren an der Rämistrasse. Foto: Doris Fanconi

Markierungen für die künftigen Velospuren an der Rämistrasse. Foto: Doris Fanconi

Jürg Rohrer@tagesanzeiger

Die Rämistrasse zwischen Bellevue und Kunsthaus ist ein Velöhr – ein Nadelöhr für Velos –, das lange Zeit als unpassierbar galt. Doch der regionale Richtplan sieht dort eine Veloroute vor, und auch der Gemeinderat hat immer wieder insistiert. Mit Erfolg: Das Tiefbauamt will in die enge, schluchtartige Strasse zwei Radstreifen hineinquetschen, was auf Kosten des nördlichen, häuserseitigen Trottoirs erfolgt. Das Bauprojekt liegt derzeit im Amtshaus V am Werdmühleplatz 3 für das Einspracheverfahren auf. Auf der Rämistrasse machen weisse Striche am Boden anschaulich, wie stark das Trottoir angeknabbert wird.

Ein Kompromiss

Vom ursprünglichen Plan eines durchgehenden Streifens, wie er sich Mitte 2013 präsentierte, ist die Stadt abgekommen, weil das Trottoir im unteren Teil der Rämistrasse auf 1,4 Meter verschmälert worden wäre. Das heutige Projekt ist ein Kompromiss zwischen den vier Nutzern Tram, Auto, Velo und Fuss. Nur im oberen Teil zwischen Heimplatz und Hirschengraben ist ein richtiger Radstreifen mit 1,25 Meter Breite geplant. Der Platz dafür wird geschaffen, indem das Mäuerchen samt Bäumen vor der Kunsthausbibliothek abgebrochen wird. Die Masten werden zurückversetzt, einige Bäume neu gepflanzt.

Zwischen Hirschengraben und Bellevue gibt es keinen Radstreifen mehr. Dort wird der Strassenrand auf 60 Zentimeter Breite eingefärbt, um so die Velovorfahrt zu signalisieren. Mehr Platz gibts nicht, weil die Fahrspur für die Autos auf 3 Meter verbreitert wird, damit die Trams besser an den Lastwagen vorbeikommen. Das Trottoir misst an der schmalsten Stelle 1,8 Meter.

Bergaufwärts führt der Veloweg über das Trottoir am Fuss der grossen Mauer. Das wird heute schon praktiziert, künftig ist es legal. Dem Tiefbauamt scheint die Mischnutzung unproblematisch, weil die Velos bergauf langsam sind. Im «Tagblatt» vom 4. März hat der Polizeivorsteher die Änderung der Verkehrsvorschriften publiziert: Das Trottoir sei künftig ein «Fussweg, Velo gestattet». Das Trottoir bergaufwärts bleibt 2,5 Meter breit, wird aber keine Pfosten mehr haben.

Auch die Fahrspur für die Autos bleibt mit 2,7 Metern schmal. Im Jahr 2016 möchte das Tiefbauamt die neuen Velowege realisieren. Sie sollen 1,6 Millionen Franken kosten – plus/minus 30 Prozent Ungenauigkeit. Zuvor müssen aber allfällige Einsprachen erledigt werden, zudem muss der Regierungsrat einwilligen, da es sich um eine überkommunale Strasse handelt. Das Amt für Verkehr in der Volkswirtschaftsdirektion hat bereits positiv Stellung genommen, nachdem das Projekt im Sinne eines Kompromisses überarbeitet worden war.

Die Grünen sind unzufrieden

Den Grünen genügt dieses Vorhaben jedoch bei weitem nicht. Sie hatten schon in der letzten Budgetdebatte mehrere Kredite für Strassenprojekte abgelehnt, weil darin der Fuss- und Veloverkehr ihrer Meinung nach zu kurz kam. Für Gemeinderat Markus Knauss genügen die schmalen Trottoirs und Velostreifen auf der Rämistrasse niemals, um die Hochschulen für den Langsamverkehr zu erschliessen. Verlange doch der Masterplan Hochschulquartier, dass die Hälfte des Mehrverkehrs, den der Ausbau der Hochschulen erzeugt, mit dem Velo und zu Fuss bewältigt werden müsse.

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