Zürich kommt dem Herzog-DeMeuron-Spital näher

Die Nachbarn haben viele Einwände gegen den Kinderspital-Neubau. Das Baurekursgericht weist alle ab.

Wichtige Hürden genommen: Ein Innenhof im Kispi-Neubau der renommierten Basler Architeckten Herzig-DeMeuron in der Visualisierung.

Wichtige Hürden genommen: Ein Innenhof im Kispi-Neubau der renommierten Basler Architeckten Herzig-DeMeuron in der Visualisierung. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Endlich ein Herzog-DeMeuron! Die hiesige Architekturszene freut sich auf den Neubau des Kinderspitals an der Grenze zu Zollikon, weil er das erste Werk der weltbekannten Basler in der Stadt Zürich sein wird.

In direkter Nachbarschaft zur Psychiatrischen Uniklinik Burghölzli haben sie auf zwei Grundstücken zwei Bauten entworfen: einerseits das neue Kinderspital, dreistöckig, aus Holz, Behaglichkeit verbreitend; anderseits ein sechsstöckiger Rundbau aus Glas und Beton für Lehre und Forschung.

Mit 30 Meter Höhe sprengt dieser Turm die Bauordnung, weshalb der Neubau als Rechtsgrundlage einen Gestaltungsplan braucht. Dieser enthält neben dem Volumen auch Bestimmungen zur Erschliessung, zum Verkehr und zu den Parkplätzen.

Kritik an Mehrverkehr und Umweltverträglichkeit

Im letzten Januar setzte die Baudirektion den Gestaltungsplan fest, worauf zwei Nachbarn rekurrierten: eine AG und eine Einfache Gesellschaft, bestehend aus zwei Personen.

In ihrem Rekurs, mit dem sie den kantonalen Gestaltungsplan aufheben wollen, kritisieren sie unter anderem: Der Neubau nimmt keine Rücksicht auf das Landschaftsförderungsgebiet, das dort im regionalen Richtplan vorgesehen ist. Er passt auch nicht ins kommunale Landschaftsschutzobjekt «Glaziallandschaft Burghölzli und Bachtobel Burgwies». Und er nimmt keine Rücksicht auf die Uniklinik Burghölzli aus dem Jahr 1870, die im Inventar der überkommunalen Schutzobjekte aufgeführt ist.

Weiter befürchten die Nachbarn Mehrverkehr, kritisieren die ungenügende Verkehrserschliessung, die Ermittlung des Parkplatzbedarfs oder das Fehlen einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

Eine «gewisse Einschränkung» der Sicht sei «hinzunehmen», argumentiert das Baurekursgericht.

Doch das Baurekursgericht weist alle Einwände ab, wie seinem kürzlich veröffentlichten Entscheid zu entnehmen ist. Die schützenswerte Glaziallandschaft werde durch den Neubau nicht verändert, einzig der Blick auf den bewaldeten Molassehügel werde teilweise eingeschränkt. Mit der Zuweisung der betroffenen Grundstücke zur Zone für öffentliche Bauten habe der Gesetzgeber jedoch auf den uneingeschränkten Erhalt der Aussicht verzichtet.

Das Gericht weiss auch zu würdigen, dass sich das geplante Spital nur wenig aus der flachen Hügellandschaft erhebt und dass der höhere Rundbau so gesetzt ist, dass die Uniklinik und der Burghölzlihügel auch von der Lenggstrasse her weiterhin zu sehen sind. Eine «gewisse Einschränkung» der Sicht sei «hinzunehmen».

Weiter bemängeln die Nachbarn die ungenügende Berücksichtigung des Schutzobjekts Psychiatrische Universitätsklinik. Doch das Baurekursgericht schliesst eine ästhetische Beeinträchtigung aus, weil die Distanz zwischen Neubauten und historischer Klinik über 60 Meter beträgt. Das Hochhaus werde die alte Klinik zwar weit überragen, aber optisch nicht bedrängen.

Umzug in vier Jahren

Die 450 Parkplätze hält das Gericht für angemessen und mit der städtischen Parkplatzverordnung im Einklang. Da seit 2008 eine Umweltverträglichkeitsprüfung erst ab 500 Parkplätzen erforderlich ist und nicht mehr wie zuvor ab 300, entfällt auch dieser Einwand. Die 500 zu erwartenden Helikopterbewegungen sind ebenfalls nicht UVP-pflichtig, da Helikopterlandeplätze von Spitälern als Aussenlandestellen gelten.

Die Erschliessung des Kinderspitals hält das Baurekursgericht für ausreichend wegen der Haltestelle Balgrist der Forchbahn und der Tramline 11, die sich in etwa 400 Meter Distanz befindet. Zudem ist eine neue Buslinie direkt vors Spital geplant. Und mit Tempo 30 auf der Lenggstrasse soll auch der Privatverkehr beruhigt werden. Sollten die Nachbarn den Rekurs weiterziehen, ist das Verwaltungsgericht nächste Instanz.

Die Eleonorenstiftung als Trägerin des Zürcher Kinderspitals hofft, 2018 mit dem Bau und Ende 2021 mit dem Umzug beginnen zu können. Noch ausstehend sind Baugesuch und Baubewilligung. 600 Millionen Franken kostet der Neubau, der wegen der beengten Platzverhältnisse am angestammten Ort in Hottingen nötig ist. Die Finanzierung erfolgt über mehrere Kanäle: eine 300-Millionen-Anleihe der Zürcher Kantonalbank, ein verzinsliches 150-Millionen-Darlehen des Kantons, ein 50-Millionen-Baukredit der ZKB und 100 Millionen von Gönnern und Sponsoren, insbesondere Stiftungen. Das frei werdende Areal in Hottingen betrachtet der Kanton als Raumreserve. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.07.2017, 19:47 Uhr

Artikel zum Thema

Für das Kinderspital von Herzog & de Meuron fehlt das Geld

Damit die Stararchitekten den Bau beim Burghölzli planen können, braucht die Bauherrin vom Kanton ein Darlehen von 50 Millionen Franken. Die Eröffnung verzögert sich um mindestens fünf Jahre. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von DerBund.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Kommentare

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Naturverbunden: Ein Model präsentiert am Eröffnungsabend des Designwettbewerbs World of Wearable Art in Wellington, Neuseeland, eine korallenartige Kreation. (21. September 2017)
(Bild: Hagen Hopkins/Getty Images) Mehr...