SVP stoppt «Saustall»-Inserat

Mit einem rüden Inserat hat die SVP ihre Verbündeten im Zürcher Stadtratswahlkampf vor den Kopf gestossen.

«Ist nicht ganz die richtige Wortwahl», räumt SVP-Präsident Mauro Tuena ein.

«Ist nicht ganz die richtige Wortwahl», räumt SVP-Präsident Mauro Tuena ein. Bild: PD

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«Saustall Stadtrat ausmisten!» heisst es in dem Inserat, das diese Woche in mehreren Lokalzeitungen in Zürich erschienen ist. Es zeigt einen Besen, der rotgefärbten Unrat von einem Züri-Wappen wegputzt. Im Text dazu heisst es, im Zürcher Stadtrat herrsche «ein Saustall», immer wieder setze sich der Stadtrat eigenmächtig über den vom Volk gewählten Gemeinderat hinweg, das Gewerbe ersticke in Vorschriften und: «Nach Verkehr und Energie will der Stadtrat uns nun auch noch vorschreiben, was wir essen sollen.»

Pikant: Unter dem Inserat prangt das Signet des bürgerlichen Wahlbündnisses Top 5 mit den Namen Susanne Brunner (SVP), Roger Batholdi (SVP), Michael Baumer (FDP), Markus Hungerbühler (CVP) und Filippo Leutenegger (FDP). Was sagt jener Kandidat, der bereits im angeblichen Saustall regiert, zu dem Inserat? «Ich muss mich nicht mit dieser Aussage identifizieren», erklärt FDP-Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger auf Anfrage. Es handle sich um ein Wahlinserat der SVP. Dass die Wahlempfehlung auf allen Wahlunterlagen enthalten ist, sei eine Abmachung der drei Top-5-Parteien.

Partner überrumpelt

Die anderen bürgerlichen Kandidaten, die am 4. März in den «Saustall» gewählt werden wollen, geben sich betont diplomatisch. Einen Monat vor den Wahlen will niemand einen Bruch im bürgerlichen Bündnis riskieren. Doch hinter vorgehaltener Hand lassen Parteivertreter durchblicken, das Inserat habe im Top-5-Bündnis für Irritationen gesorgt und die Stimmung nicht gerade verbessert. Zumal einige Kandidaten vom Erscheinen des Inserats offenbar überrumpelt wurden. Dieses sei publiziert worden, ohne dass sie es zuvor gesehen und ein Gut-zum-Druck gegeben hätten, heisst es. Michael Baumer (FDP) sagt: «Das ist Parteiwerbung der SVP, das muss sie selber verantworten.» Weiter will er Inhalt und Stil des Inserats nicht kommentieren. Markus Hungerbühler (CVP) hält fest: «Das wäre sicher nicht meine Wortwahl.» Roger Bartholdi (SVP) wollte sich nicht zum heiklen Inserat äussern; Susanne Brunner (SVP) war für DerBund.ch/Newsnet nicht erreichbar.

Tuena: Eine Art Panne

SVP-Präsident Mauro Tuena sagt: «Über die Wortwahl kann man immer reden, im Zentrum steht der Inhalt.» Der ERZ-Skandal, die finanzielle Schieflage der Stadtspitäler und Richard Wolffs Verhalten beim Koch-Areal zeigten, dass im Stadtrat «Unordnung herrscht». Das sähen alle Top-5-Kandidaten so. Tuena räumt ein, dass es «einzelne negative Rückmeldungen» zum Wort «Saustall» gegeben habe. Positive Reaktionen habe es jedoch zum Inhalt gegeben.

Inzwischen hat die SVP-Führung das Inserat aber gestoppt. Tuena: «Die Kampagne wurde schon vor einigen Tagen angepasst. Wir hatten verschiedene Versionen als Vorschlag auf dem Tisch und haben während interner Diskussionen gemerkt, dass ‹Saustall› nicht ganz die richtige Wortwahl war.» Doch eine erste Serie von Zeitungsinseraten sei da bereits geschaltet gewesen. In künftigen Inseraten und Plakaten wird laut Tuena nicht mehr vom «Saustall», sondern von «Unordnung im Stadtrat» die Rede sein. Auf der SVP-Homepage waren am Freitagnachmittag nach wie vor diverse «Saustall-Versionen» sichtbar.

«Unter der Gürtellinie»

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) lässt auf Anfrage ausrichten, sie habe das Inserat zur Kenntnis genommen, wolle sich aber nicht dazu äussern. Deutlicher wurde SP-Gemeinderätin Dorothea Frei am Mittwoch im Gemeinderat: «Das ist unter der Gürtellinie.»

Die SVP hat in der Vergangenheit immer wieder mit aggressiver Politwerbung für Diskussionen gesorgt. Verantwortlich für viele provokative Plakate war die Werbeagentur Goal von Alexander Segert. Ob er auch hinter dem «Saustall»-Inserat steht, wollte Parteipräsident Tuena nicht sagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.02.2018, 13:25 Uhr

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