Das neue Zürcher Dreamteam

Jositschs Coup im ersten und Nosers Kantersieg im zweiten Wahlgang haben auch mit der Schwäche der SVP-Kandidatur zu tun.

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Pascal Unternährer@tagesanzeiger

Die Sensation ist ausgeblieben. Der Grüne Bastien ­Girod hat sie trotz starkem Resultat nicht geschafft. Wie erwartet, vervollständigt Ruedi Noser das Zürcher Ständeratstandem in Bern. Zusammen mit SP-Professor Daniel Jositsch bildet der freisinnige Unternehmer ein Dreamteam. Es ist ein typisches Ständeratsduo, das viel Persönlichkeit und politische Erfahrung ins Stöckli trägt. Der rechte Sozi und der welt­offene Mann der Wirtschaft stehen schon fast für die viel beschworene ungeteilte Standesstimme. Zumindest wenn es um die Grossthemen Europa, Renten oder Infrastruktur geht. Sogar in der Atomfrage liegen die beiden nicht so weit auseinander wie deren Parteien. Bei der Telefonüberwachung – einem Thema, das angesichts der Terrorakte in Frankreich an Brisanz gewonnen hat – ist der Rechte Noser gar näher bei den Jungsozialisten als der Linke Jositsch.

Jositschs Coup im ersten und Nosers Kantersieg im zweiten Wahlgang haben auch mit der Schwäche der SVP-Kandidatur zu tun. Das Experiment mit einem unbekannten, leisen und urbanen Intellektuellen ist gescheitert. Hans-Ueli Vogt hat gestern nicht einmal die ganze SVP-Wählerschaft hinter sich scharen können. Vor fünf Wochen haben bei den Nationalratswahlen 130'000 Zürcher die SVP-Liste eingelegt, gestern nur 75'000 Vogt auf den Wahlzettel geschrieben. Das ist vernichtend, zumal die Aktualität – islamistische Anschläge und Flüchtlingsströme – der SVP eher hilft, als schadet.

Das SVP-Wahlfiasko ist nicht Vogts Schuld. Die grösste Partei hat sich arg verrechnet. So vermieste sie Noser den ersten Wahlgang, indem sie ihre Anhängerschaft aufforderte, nur Vogt zu notieren. Das Resultat: Jositsch gewann, es kam zum bürgerlichen Duell im zweiten Wahlgang. Den Rest gab der SVP-Kandidatur ausgerechnet SVP-Präsident Toni Brunner. Sein Angebot, Vogt zurückzuziehen, wenn im Aargau FDP-Präsident Philipp Müller verzichte, hat dem SVP-Wahlvolk klargemacht, dass der Partei nicht viel an Vogt liegt. Das Resultat hier: Beide Freisinnigen wurden gewählt, und Noser muss der SVP nicht danken für die Unterstützung. Das macht den neuen FDP-Ständerat für die nächsten vier Jahre freier und unabhängiger.

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