Zürcher Gemeinden geht das Wasser aus

In Schlatt und Wildberg im Tösstal wird das Wasser knapp. Hält die Trockenheit an, muss Schlatt sein Reservoir bald mit Tanklastwagen füllen.

Quelle versiegt: In Schalchen bei Wildberg muss ein Haus Wasser von einem Hydranten beziehen.

Quelle versiegt: In Schalchen bei Wildberg muss ein Haus Wasser von einem Hydranten beziehen.

(Bild: Urs Jaudas)

Anita Merkt@tagesanzeiger

Das traumhafte Herbstwetter hat auch seine Schattenseite: Quellen trocknen aus, Dörfer in höheren Lagen müssen sich Wasser bei Nachbargemeinden borgen. Weil es seit vier Monaten nicht mehr richtig geregnet hat, versiegen die Quellen, aus denen sich die Tösstaler Gemeinden Schlatt und Wildberg mit Wasser versorgen. Wenn es so weitergeht, wird Schlatt nach einem Bericht des «Landboten» das Wasserreservoir bald mit Tanklastwagen füllen müssen.

Damit es nicht so weit kommt, appellierte die Gemeinde letzte Woche an die Bevölkerung, mit dem kostbaren Nass sparsam zu haushalten. «Denn zurzeit kommt gerade noch so viel Wasser aus den Quellen, wie die 754 Einwohner verbrauchen», sagt Gemeindeschreiber Peter Leemann.

Eine Quelle ist bereits versiegt

Wird das Wasser noch knapper, will Schlatt die Ortsteile Unter-, Oberschlatt und Nussberg mit Tanklastwagen aus dem Ortsteil Waltenstein versorgen. Ausserdem könnte die Wasserkommission das Wasser stundenweise abstellen.

Die Gemeinde Wildberg auf der gegenüberliegenden Seite des Tösstals muss bereits jetzt Wasser zukaufen. Eine der drei Quellen, die die Ortsteile versorgen, ist bereits versiegt. «Das verbleibende Quellwasser deckt gerade die Hälfte unseres Bedarfs», erklärt Brunnenmeister Martin Hottiger. Seit Ende September füllt er täglich 200 Kubikmeter Wasser aus Wila ins Wildberger Wasserreservoir. «Die Reservoirs stehen nebeneinander und sind mit einer Leitung verbunden», erklärt Hottiger. Wila versorge sich mit Grundwasser und sei darum besser aufgestellt. Bis die Wildberger Quellen sich nach Regenfällen wieder erholen, kann es nach der Erfahrung des Brunnenmeisters ein bis zwei Monate dauern. Die Brunnen im Ort hat Wildberg abgestellt, ein Flugblatt fordert die Bewohner der drei Ortsteile auf, keine Autos zu waschen und lieber zu duschen als ein Bad zu nehmen. «Der Verbrauch hat etwas nachgelassen, seit wir das Flugblatt verteilt haben», freut sich Hottiger. Die Wildberger zeigten für die Lage Verständnis.

«Das kann sehr teuer werden»

Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sieht trotz der angespannten Situation in einzelnen Gemeinden keinen Grund, in Alarmstimmung zu verfallen. «95 Prozent der Bevölkerung im Kanton Zürich sind an eine Wasserversorgung angeschlossen, die über ein zweites oder mehrere voneinander unabhängige Standbeine verfügt», erklärt Sprecher Wolfgang Bollack. Die Gemeinden seien dazu angehalten, dafür zu sorgen, dass sie notfalls von Nachbargemeinden Wasser bekommen können. «Doch für abgelegene Gemeinden kann das sehr teuer sein», räumt Bollack ein. Der Aufwand müsse deshalb in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen.

Bergdietikon, das schon im Sommer Wasserprobleme hatte, ist froh, dass man seit Jahren über Lieferverträge mit Dietikon abgesichert ist. Weil die Quellen des Dorfes nur noch wenig Wasser liefern, beziehen die 2700 Einwohner zurzeit ein Drittel ihres Wassers aus Dietikon. Und im Notfall könnte das Dorf am Hang noch auf den Wasserverbund Mutschellen zurückgreifen.

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DerBund.ch/Newsnet

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