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Vormundschaftsbehörde muss Erben 108'000 Franken zahlen

Die Vormundschaftsbehörde Oberglatt muss dafür geradestehen, dass eine Beiständin Geld ihres Schützlings abgezweigt hat. Das Bundesgericht hat die Behördenmitglieder zur Zahlung von 108'000 Franken verpflichtet.

1999 hatte ein Mann aus Oberglatt selber um die Errichtung einer Beistandschaft ersucht. Mit dem Amt betraute die Vormundschaftsbehörde die vom Betroffenen gewünschte Frau. Als diese trotz Mahnungen kein Eröffnungsinventar über das Vermögen des Mannes erstellt hatte, wurde sie im Mai 2000 abberufen.

An ihrer Stelle wurde ein Treuhänder eingesetzt. Kurze Zeit später starb der Verbeiständete. In der Schlussabrechnung stellte der Treuhänder fest, dass 108'000 Franken aus dem Erlös der im Januar 2000 verkauften Wohnung des Verstorbenen fehlten.

Beiständin pleite

Auf Klage seines Alleinerben anerkannte die frühere Beiständin, das Geld zu schulden. Das nützte den Erben allerdings wenig, da die Frau pleite war. Er klagte deshalb gegen die Mitglieder der Vormundschaftsbehörde, blieb damit aber vor den Zürcher Gerichten erfolglos.

Vor vier Jahren entschied dann das Bundesgericht in einem ersten Urteil, dass die Vormundschaftsorgane grundsätzlich haften würden, weil sie ihre Pflicht zur Beaufsichtigung verletzt und zu spät eingegriffen hätten. Die Sache wurde zur Festlegung der genauen Schadenshöhe an die Zürcher Justiz zurückgewiesen.

Gerichte verliessen sich auf Beiständin

Im zweiten Umgang kamen die kantonalen Gerichte dann zum Schluss, dass gar kein Schaden vorliege, da der Verstorbene den Geldbezügen zugestimmt habe. Sie stützten sich dabei einzig auf entsprechende neue Zeugenaussagen der früheren Beiständin.

Das Bundesgericht hat dem Erben nun definitiv Recht gegeben und die Mitglieder der Vormundschaftsbehörde verpflichtet, ihm die 108'000 Franken zu ersetzen. Laut den Richtern in Lausanne sind ihre Zürcher Kollegen in Willkür verfallen, wenn sie die Aussagen der Beiständin als glaubhaft erachtet haben.

In früheren Aussagen habe sie sich mehrfach widersprochen oder zu den genauen Umständen der Kontenplünderung nur diffuse Angaben gemacht. Pflicht der Vormundschaftsbehörden wäre es gewesen, der rasanten Vermögensverminderung des verbeiständeten Mannes rechtzeitig Einhalt zu gebieten.

(SDA)

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