Verdächtige Lehrer: Bei langen Yogaferien werden die Schulbehörden hellhörig

Lehrpersonen, die straffällig wurden, landen auf der schwarzen Liste. Jeden neuen Lehrer auf Herz und Nieren zu überprüfen, wäre aber allzu aufwendig, sagt der Chef des Zürcher Volksschulamtes.

Lehrerpult in einer Zürcher Schule: Schwarze Liste soll Zutritt für Straffällige verhindern.

Lehrerpult in einer Zürcher Schule: Schwarze Liste soll Zutritt für Straffällige verhindern.

(Bild: Keystone)

Zu Beginn dieses Schuljahres hat das Volksschulamt der Zürcher Bildungsdirektion erstmals die Namen sämtlicher neuen Lehrpersonen durch die schwarze Liste gejagt – «ohne Treffer», betont Martin Wendelspiess, Chef des Zürcher Volksschulamtes. Die Liste enthält alle Namen der Lehrer, die keine Berufserlaubnis haben, da sie straffällig wurden.

Es sei ein Versuch gewesen; ob dieses Vorgehen zum Regelfall wird, sei noch ungewiss. Bei den vielen Neueinstellungen sei das ein erheblicher Aufwand für die zuständige Amtsstelle, so Wendelspiess.

Lücken im Lebenslauf werden überprüft

Zuständig für die schwarze Liste ist die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Auskünfte über das Register erhalten nur die kantonalen Erziehungsdepartemente.

Die kantonalen Behörden können im Zweifelsfall einen Namen überprüfen lassen: «Wir überprüfen normalerweise Bewerber, deren Lebenslauf eine zeitliche Lücke aufweist, die wir nicht überprüfen können. Beispielsweise, wenn jemand angibt, zwei Jahre in Indien Yoga gemacht zu haben.» Daran sei zwar absolut nichts auszusetzen, aber es sei halt schwierig, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Nicht nur Sexualstrafhandlungen auf der Liste

«Wird ein Strafverfahren wegen Sexualdelikten mit Kindern gegen eine Lehrperson eingeleitet, erhalten wir eine Benachrichtigung», sagt Wendelspiess. Doch nicht nur potenzielle Sexualstraftäter stehen auf der Liste: Egal, welcher Art das Verbrechen ist, wenn ein Lehrer verurteilt wird oder die Berufspflichten wiederholt schwer verletzt wurden, kann ein Berufsverbot verhängt werden.

Der Name der betroffenen Person erscheint dann aufgrund der kantonalen Bestimmungen auf der Liste. Bei Sexualdelikten mit Kindern ist im Kanton Zürich der Entzug des Fähigkeitszeugnisses vorgeschrieben.

«Es handelt sich zwar meist um Sexualstrafdelikte mit Kindern, ich kann mich aber an einen Fall erinnern, da wurde eine Lehrperson wegen einer schweren Erpressung verurteilt», sagt Wendelspiess.

Berufliche Neuorientierung

Personen mit Berufsverbot haben die Möglichkeit, nach einigen Jahren ein Wiedererwägungsgesuch einzureichen. Aber das komme kaum vor, sagt Wendelspiess: «Meistens haben sich die Leute ja beruflich neu orientiert und gehen einer ganz anderen Tätigkeit nach.»

Zurzeit befinden sich im Kanton Zürich 32 Lehrpersonen auf der nationalen schwarzen Liste. Die Namen bleiben jedoch nicht für immer registriert: «Der Eintrag wird gelöscht, wenn eine Anstellung als Lehrperson nicht mehr möglich ist, zum Beispiel ab der Pensionierung, aber auch wenn das Berufsverbot aufgehoben wird.»

DerBund.ch/Newsnet

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