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Schwerer Stand für Spassfiguren vor Zürcher Beizen

Der Koch mit Speisekarte vor Beizen ist ein Reklameklassiker. In Zürich fristet er ein Schattendasein, doch Werber schreiben ihn noch nicht ganz ab.

Alt, aber wirksam: Reklametafel bei einer Schweizer Gaststätte.
Alt, aber wirksam: Reklametafel bei einer Schweizer Gaststätte.
SOPHIE STYGER

Der lebensgrosse Koch vor dem Restaurant Baumgarten beim Bahnhof Oerlikon deutet auf die Speisekarte und präsentiert ein Tablett mit Poulet, Suppe und Wein. «Den haben wir seit 15 Jahren», sagt Wirt Egon Brändli. Mit Kreide schreibt er jeweils die Spezialitäten des Hauses auf die Tafel. Der Lockvogel finde «schon eine gewisse Beachtung», sagt er. «Passanten bleiben davor stehen und lesen das Angebot.» Zudem habe der Werbekoch einen praktischen Vorteil: Weil er sich am Boden befestigen lässt, ist er standfester als andere Werbetafeln. «Die fallen sofort um, wenn es stark windet.»

Kochfiguren wie diese haben in Zürich Seltenheitswert. Sie sind die Exoten in der eher eintönigen, klar von rechteckigen Tafeln dominierten Werbetafel-Landschaft. Auf dem Land dagegen sind die Köche häufig vor Speiserestaurants anzutreffen («Hier kocht der Chef!»). Dort gilt die Figur als Symbol für eine Fressbeiz mit währschafter Schweizer Küche, grossen Portionen und «gmögigem» Chef.

«Zürich ist für diese Art Werbetafeln ein hartes Pflaster», sagt Hubert Stadelmann, der mit seiner Firma Movingdesign solche Werbetafeln vertreibt. In Zürich verkaufe er sie selten. Warum, sei unklar. Er hat noch 200 Kochtafeln an Lager, das Stück zu 580 Franken.

Lieber ein Tisch mehr als eine Tafel Dass die Kochfigur nicht sehr beliebt ist bei Stadtzürcher Wirten, weiss auch Gastro-Zürich-Präsident Ernst Bachmann. Auf dem Land seien sie häufiger anzutreffen, weil es dort vor Beizen grössere private Vorplätze gebe, wo die Schilder platziert werden können. In der Stadt seien die Platzverhältnisse enger, zudem drohen die Figuren von Vandalen zerstört oder gestohlen zu werden. «Was nicht niet- und nagelfest ist, kommt weg», klagt Bachmann.

Piero Schäfer, Sprecher der Schweizer Werbung, bringt das weitgehende Fehlen der Werbeköche in Zürich mit der eher restriktiven Bewilligungspraxis in Verbindung. «Bis vor zehn Jahren durfte ein Wirt ja nicht einmal ein Geranienstöckchen hinausstellen.» Tatsächlich wären laut Stadtpolizei-Sprecherin Nicole Gerzner alle Reklametafeln auf öffentlichem Grund «im Prinzip bewilligungspflichtig». Aber es sei praktisch unmöglich, dem Phänomen Herr zu werden, darum habe die Stadtpolizei einen Mittelweg eingeschlagen: Ein Plakatständer pro Betrieb wird geduldet, aber er sollte nicht grösser als 1 mal 1 Meter sein.

Dass der Koch in Zürich wenig zu sehen ist, könnte laut Gerzner auch mit dem altmodisch-biederen Image zusammenhängen, das nicht recht in die Stadt passt: «Viele Wirte stellen lieber einen Tisch mehr auf.» Werber Piero Schäfer sieht es ähnlich: «Viele Wirte befürchten wohl, junge Kunden könnten beim Anblick dieser Tafeln denken: «Oje, was ist denn das für eine Beiz?» Zudem gebe es immer weniger traditionelle Schweizer Beizen, für die der Koch als Symbol stehe. Schäfer: «Ein Thai-Wirt stellt so etwas kaum auf.»

Die Wirte selber stufen die Werbewirkung der Figur nicht allzu hoch ein. Ernst Bachmann zweifelt, ob sie mehr Kunden in ein Restaurant lockt. Auch Baumgarten-Wirt Brändli gibt sich zurückhaltend: «Belegen könnte ich es nicht, dass wir deshalb mehr Gäste haben.»

«Totgesagte leben länger» Ist der Koch also ein Auslaufmodell? Nein, findet Piero Schäfer: «Denn Totgesagte leben länger.» Von der Idee her sei die Tafel mit dem freundlichen Koch gut. Denn in der Werbung gehe es in erster Linie darum, aufzufallen. Und das machten die Werbeköche, da sie etwas Individuelles und Aussergewöhnliches in der Werbelandschaft seien, auf das ein Passant eher achte. Ob altmodisch oder nicht, spiele dabei nicht die entscheidende Rolle. Schäfer: «Wer weiss, vielleicht werden die Köche plötzlich wieder trendy.»

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