Nach dem Kirchenbesuch in die Parkgarage verschleppt

Versuchte Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: Das Obergericht bestrafte einen 45-jährigen Italiener, der eine junge Frau attackierte, mit 32 Monaten.

Im Zweifelsfall für den Angeklagten: Das Obergericht hat die Strafe des Bezirksgerichts reduziert. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Im Zweifelsfall für den Angeklagten: Das Obergericht hat die Strafe des Bezirksgerichts reduziert. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Thomas Hasler@thas_on_air

Als der 45-jährige Italiener, selber Vater von vier Kindern, an jenem Sonntag im März 2013 in der Frauenfelderstrasse in Winterthur mit seinem Auto an einer jungen Frau vorbeifuhr, anhielt und sie ansprach, ging er sehr wahrscheinlich von falschen Vorstellungen aus. Denn wer sich da wie ein 10- bis 12-jähriges Mädchen verhielt und das Aussehen eines 13- bis 14-jährigen Teen-agers hatte, war tatsächlich eine gut 20-jährige Frau mit einer beeinträchtigten geistigen Leistungsfähigkeit. Jedenfalls ergaben das die späteren testpsychologischen Abklärungen.

Der verheiratete Mann, der tags zuvor noch eine Prostituierte aufgesucht hatte, forderte die mit ihrem iPod Musik hörende und lebensfroh durch die Gegend tänzelnde Frau auf, zu ihm ins Auto zu steigen. Als sie ablehnte, parkierte der Mann sein Auto in der Garage des Denner und wartete auf die zierliche Frau, die vom Besuch der Kirche auf dem Nachhauseweg war. Mit der Bemerkung, er habe viel coolere Musik in seinem Fahrzeug, forderte er sie erneut auf, in seinem Auto mitzukommen.

Opfer fotografierte den Täter

Als die Frau erneut ablehnte, packte er das Leichtgewicht und schleppte es in die Garage zu seinem Auto. Dort begann er, die junge Frau über den Kleidern an den Beinen und Brüsten, am Gesäss und im Intimbereich zu berühren. Zwar gelang es ihr, sich vorübergehend zu befreien, doch ihre Flucht war schnell zu Ende. Erneut schleppte er sie in sein Auto zurück, wo es in der Folge zum Vergewaltigungsversuch und zu einer weiteren sexuellen Nötigung kam.

Der 45-Jährige hatte sich laut Gutachten ein kindlich und naiv wirkendes Opfer ausgesucht, von dem er annehmen konnte, dass es nur wenig Widerstand leisten würde. Doch die junge Frau wusste sich auf andere Weise zu wehren. Der begeisterten und geübten Fotografin gelang es nämlich, den Täter und das Autokennzeichen unbemerkt zu fotografieren. Damit lief sie schnurstracks zur Polizei, die den Mann noch am gleichen Tag verhaftete.

«Entbehrt jeglicher Logik»

Zunächst bestritt er jeglichen sexuellen Kontakt zur Frau. Als er aber erklären musste, wie sein spermienfreies Ejakulat an die Leggins und den Tamponfaden der Frau gelangen konnte, erzählte er eine Geschichte, von der schon das Bezirksgericht Winterthur meinte, sie wirke konstruiert, sei lebensfremd und «entbehrt jeglicher Logik».

Laut seiner Darstellung hatte das Mädchen ihm zugewunken, er hatte sie ins Auto eingeladen, und man hatte dann in der Garage gemeinsam Musik gehört. Plötzlich habe sie ihn gefragt, ob er verheiratet sei, und gleichzeitig erwähnt, sie habe ihre Tage. Da er nicht verstanden habe, was sie meinte, habe sie ohne Vorwarnung ihre Hose heruntergezogen. Er habe das als Einladung zum Sex verstanden. Erst als sie ihm die Tamponschnur zeigte, habe er das Missverständnis realisiert und seinen Hosenschlitz wieder zugemacht.

Das Obergericht befasste sich in seiner Urteilsbegründung keine Sekunde mit dieser Geschichte. Strittig war, ob es sich um eine vollendete Vergewaltigung gehandelt hatte. Davon war das Bezirksgericht Winterthur ausgegangen und hatte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Das Problem: Man hatte vom Mann, der kein Kondom benutzte, an den einschlägigen Stellen keinerlei Spuren gefunden. Und auch die junge, sexuell völlig unerfahrene Frau hatte auf entsprechende Nachfrage gesagt, der Mann sei vielleicht einen halben bis einen ganzen Zentimeter in sie eingedrungen.

Im Zweifel für den Angeklagten ging das Obergericht deshalb nur von einer versuchten Vergewaltigung aus und reduzierte die Strafe auf 32 Monate teilbedingt. Zehn Monate davon muss der 45-Jährige absitzen.

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