Christbäume zum Mieten

Wem der Einwegchristbaum missfällt, hat jetzt eine Alternative: Bei einem Oberländer Gartenbauer lassen sich Christbäume ausleihen.

Markus Kiener vermietet Weihnachtsbäume im Topf. Foto: Urs Jaudas

Markus Kiener vermietet Weihnachtsbäume im Topf. Foto: Urs Jaudas

Anita Merkt@tagesanzeiger

Wer seinen Weihnachtsbaum nach den Feiertagen nicht wegwerfen will, kann sich jetzt ein Tännchen im Topf besorgen. Nach Weihnachten bringt man es wieder zurück in die Gärtnerei oder lässt es abholen. Angeboten wird der Temporär-Christbaum vom Oberländer Gartenbauer Markus Kiener. Er macht damit aus der Not eine Tugend.

«Zwischen November und Februar ist im Gartenbau nicht viel los», sagt Kiener. Also überlegte er sich, wie er seine Leute auch in den Wintermonaten beschäftigen kann, und kam auf das Christbaumgeschäft. Tännchen zu verkaufen, die nach dem Fest im Grünabfall landen oder verbrannt werden, schien ihm jedoch wenig nachhaltig. Darum bietet Kiener seit diesem Jahr im Pfäffiker Ortsteil Oberrick Weihnachtsbäume im Topf zur Miete an.

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Zur Auswahl stehen bei der Kiener Plus GmbH serbische Fichten und Zuckerhut-Fichten. Nordmann-Tannen gibt es hingegen auch beim Oberländer Gartenbauer nur als Einwegbaum – zumindest in diesem Jahr. Ab nächstem Jahr will Kiener auch den gängigsten Schweizer Weihnachtsbaum im Topf anbieten. «Dieses Jahr kaufe ich die Weihnachtsbäume im Topf noch in Norddeutschland», sagt Kiener. Das Angebot in der Schweiz sei schlicht zu klein. Langfristig will er jedoch Tännchen verkaufen, die er selbst gesät und aufgezogen hat oder die zumindest in der Schweiz angebaut wurden.

Die Bäumchen, die Kiener vermietet, sind zwischen 60 und 250 Zentimeter gross und kosten je nach Grösse und Sorte zwischen 40 und 90 Franken, Lieferung exklusive. Dabei ist das laufende Jahr ein gutes Jahr für Mietchristbäume: Die Temperaturunterschiede zwischen Drinnen und Draussen sind nicht allzu gross. Das erhöht die Überlebenschancen der Mietbäume.

«Wenn draussen Minusgrade herrschen und der Baum dann plötzlich ins beheizte Wohnzimmer gestellt wird, ist das für ihn ein Schock», sagt Kiener. Da es draussen derzeit sehr mild sei, könne man die Tanne heuer bis Neujahr im Wohnzimmer lassen.

In einem kalten Winter empfiehlt Kiener, den Baum nur für das Fest ins Wohnzimmer zu holen und ihn dann wieder nach draussen zu stellen. Die Blumenerde, aus der die Bäumchen ihre Nahrung beziehen, müsse regelmässig gegossen werden. «Allerdings sollte man seinen Weihnachtsbaum nicht zu intensiv tränken, weil sonst die Wurzeln abfaulen», erklärt Kiener. Damit nichts schiefgeht, erhalten die Baummieter für ihr Exemplar eine Pflegeanleitung.

Später ein Platz im Wald

Nach dem Fest holen Kieners Mitarbeiter die Bäumchen wieder ab. Sie befreien sie vom letzten Lametta und allfälligen Wachstropfen und pflegen sie während der nächsten 51 Wochen.

Wer Gefallen an seinem Christbaum gefunden hat, kann ihn im nächsten Jahr wieder abholen. Bäume, die nach ein paar Jahren im Weihnachtseinsatz zu voluminös geworden sind, will Gartenbauer Kiener gemäss «Zürcher Oberländer» an Bauern und Förster verschenken. Diese sollen den Ex-Christbäumen dann im Wald ein Plätzchen zuteilen.

Jedes Jahr dieselbe Frage: Welcher Weihnachtsbaum soll es sein? Die unkomp­lizierte, teure Nordmanntanne? Die Fichte, billig, aber eine Nadelschleuder? Die seltene Weisstanne? Die Blaufichte, elegant und stachlig? Sicher ist: Will man länger als nur ein paar Tage Freude am Baum haben, gilt es einige Tipps zu beherzigen. Baumexperte Mat­thias Brunner hat vier verschiedene Tannen untersucht. Er sagt, worauf es wirklich ankommt.

Frisch kaufen: Ist ein Baum ein, zwei Tage ohne Wasserzufuhr, nehmen die Wasser leitenden Kapillaren Schaden. Selbst wenn man den Baum dann noch einstellt, kann er nicht mehr genügend Wasser aufnehmen.

Baum sofort ins Wasser stellen: In den ersten 24 Stunden nach dem Schnitt trinkt ein Baum am meisten. Vor allem Fichten brauchen dann sehr viel Wasser, um ihr Reservoir aufzufüllen. Aber auch danach brauchen die Bäume bis zu 3 dl Wasser pro Tag. Ideal ist daher ein Christbaumständer mit Tank.

Baum nicht anspitzen lassen: Viele Baumhändler verkaufen das Anspitzen als Service. Nur: Die Wasser leitenden Gefässe befinden sich gerade bei der teuren Nordmanntanne hauptsächlich unter der Rinde. Das zeigt der Stammquerschnitt deutlich. Wird der Stamm angespitzt, nützt auch ein Baumständer mit Tank nicht mehr viel. Besser ist es, einen Baum zu kaufen, dessen Stamm in den Christbaumständer passt.

Fichten nicht zu lang stehen lassen: Fichten nadeln bis zu zwanzigmal mehr als andere Weihnachtsbäume. Und das selbst dann, wenn sie genügend Wasser bekommen. Deshalb gilt: Wer den Baum mehr als ein paar Tage im Wohnzimmer stehen lassen will, weicht besser auf ­andere Baumarten aus. (leu)

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