Hasch vom Staat killt Kifferspass

Mit einer kontrollierten Cannabisabgabe an Teenager droht die totale Ernüchterung.

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Cannabis, abgegeben vom Arzt oder Apotheker? Neu ist das Unterfangen nicht, das derzeit in Zürich Gestalt annimmt. Vor 900 Jahren kamen Cannabisprodukte nach dem ersten Kreuzzug aus Nahost zu uns. Als medizinische Allzweckwaffe wurden sie eingesetzt gegen Rheuma, Schlaflosigkeit, Kopfweh, Bauchkrämpfe und andere Beschwerden. In Europa gab es um 1900 Dutzende Cannabismedikamente. In Amerika auch.

Dann übernahmen die in Fabriken hergestellten synthetischen Arzneien. Klinische Pillen von Sandoz & Co. verdrängten die alte Ware.

Später, mit dem Aufkommen der Freaks und Hippies, machte Cannabis als schillernder Untergrundstoff ein zweites Mal Karriere. Fragt man die 68er und alle folgenden Generationen nach Haschisch, so hagelt es Geschichten: Roter Libanese auf dem Zeltausflug. Marihuana und eng tanzen im Jugendhaus. In der WG einen drehen und die ganze Nacht Djembe spielen. Und wisst ihr noch, wie Marc vor zwei Jahren, nachdem er Tinas Spezialguetsli gekostet hatte, zum Radio wurde und zwölf Stunden durchredete?

Jede Droge ist so stark wie ihr Image.

Bald könnte es geschehen, dass Cannabis wieder hinüberwechselt auf die andere Seite – auf die der Weisskittel. Zürich visiert jedenfalls wie andere Schweizer Städte probeweise eine wissenschaftlich begleitete Abgabe an junge Leute an. Freilich hat sich die pharmakologische Welt seit den Tagen von einst professionalisiert und verernsthaftet. Zur Cannabisübung dürften Datenerhebungen, Fragebögen und Kontrollgespräche gehören.

Genau deswegen mag die Wirkung ernüchternd und rauschtötend sein, wenn das Vorhaben einer kontrollierten Cannabisverabreichung an Problemjugendliche zustande kommt. Die Freude am Kiffen nährt sich aus dem geheimnisvollen Tun; der Cannabiskult der letzten Jahrzehnte ist im Halbdunkel gediehen. Eine Verbürokratisierung, Verapothekisierung, ­Vermedizinalisierung, wie sie allenfalls in der nächsten Zeit eintritt, könnte den Kult abtöten.

Jede Droge ist so stark wie ihr Image. Möglich, dass eine Hanfabgabe unter staatlicher Aufsicht den Hanfmythos killt.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2016, 19:56 Uhr

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