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«Gute Schulen sind die beste Integrationshilfe, die es gibt»

Sevdalije Dani ist mit 18 aus Mazedonien nach Dietikon gekommen. Der Pflegeassistentin und Mutter von drei Kindern liegen gute Schulen am Herzen, da sie die Chancengleichheit fördern.

Für die 38-jährige Sevdalije Dani, hier mit ihrer Tochter Dea, ist es selbstverständlich, dass sie abstimmen und wählen geht. Foto: Dominique Meienberg
Für die 38-jährige Sevdalije Dani, hier mit ihrer Tochter Dea, ist es selbstverständlich, dass sie abstimmen und wählen geht. Foto: Dominique Meienberg

Wer an einem sonnigen Samstagmorgen in Dietikon aus dem Zug steigt, landet unversehens in zwei Welten. Auf der einen Seite der Bahnlinie fliesst träge die Limmat dahin, Möwen kreischen, junge Paare liegen in der Sonne. Auf der andern Seite herrscht ein quirliges Multikulti-Durcheinander: Am Flohmarkt wird um Vinylplatten gefeilscht, ein Sonderling beschwert sich lauthals über irgendetwas, vor der neubarocken Kirche versammeln sich festlich gekleidete Menschen zu einer Hochzeit, vor einem Restaurant rauchen die Gäste Wasserpfeife. Der süsse Duft der Shishas vermischt sich mit den Rauchschwaden des Bratwurststandes. Die Bezirkshauptstadt von Dietikon hat einen Ausländeranteil von 43 Prozent – nur im benachbarten Schlieren ist er höher.

Als Sevdalije Dani vor 20 Jahren aus Mazedonien nach Dietikon kam, war sie 18 und frisch verheiratet. «Am Anfang war es schwer, sich hier zurechtzufinden», erinnert sie sich. Sie getraute sich kaum unter die Leute. Auch als sie einen Deutschkurs besucht hatte, wagte sie nicht, mit anderen zu sprechen. «Ich hatte Angst, Fehler zu machen, und wollte niemandem zur Last fallen.» Dann hat sie den Frauentreff «Mitten unter euch» entdeckt, in dem viele Kulturen zusammenkamen. «Da lachten und schwatzten alle miteinander, und mit der Zeit getraute ich mich auch, mit Leuten zu sprechen.» Solch niederschwellige Angebote, sagt sie, seien sehr wichtig, damit Frauen in ähnlichen Situationen aus sich herausgehen können.

Integration dank Bildung

Wichtig war für Dani auch die Berufsberatung. Sie hatte einige Zeit Wohnungen geputzt, dann wollte sie sich neu orientieren und dachte daran, Verkäuferin zu werden. «Bei der Berufsberatung sagte man mir: Sie müssen etwas machen, bei dem Sie mit Menschen zu tun haben.» Seit zehn Jahren arbeitet Dani nun in einem Pflegeheim – erst als Pflegehelferin, dann hat sie die Ausbildung zur Pflegeassistentin gemacht. «Ich fühle mich sehr wohl in diesem Beruf.»

Möglichst bald möchte sie sich zur Pflegefachfrau fortbilden. Doch im Moment erfordert ihr zweijähriges Töchterchen noch zu viel Aufmerksamkeit, um diesen nächsten Schritt zu tun. Dea ist ein «Nachzüglerli». Die Danis haben drei Kinder, die alle in der Schweiz geboren sind. Der Älteste wird in diesem Monat 19. Vor 14 Jahren haben sich Gzim und Sevdalije Dani einbürgern lassen. Dass man abstimmen und wählen geht, ist selbstverständlich.Politische Themen werden in der Familie Dani regelmässig diskutiert. Dabei geht es oft um Soziales. Etwa um die Wichtigkeit von Kinderbetreuungsangeboten wie Krippen und Mittagstisch. «Das ermöglicht Frauen, sich weiterzubilden und beruflich am Ball zu bleiben.» Etwas stellt Sevdalije Dani nicht infrage: «Gute Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten sind die beste Integrationshilfe, die es gibt.» Und sie sind ein Schritt in Richtung Chancengleichheit. Danis ältester Sohn bereitet sich derzeit auf die Maturaprüfung vor. Sein jüngerer Bruder macht das KV.

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