Gestern Evi, morgen Friederike

Schon der zweite Sturm zieht über die Schweiz. Nachdem bereits Burglind gewütet hat, waren die Schäden am Montag gering.

«Crazy Wellen!» Leserreporter filmen den Sturm am Zugersee. Video: Tamedia/Leserreporter

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Die Begriffe Sturm und Orkan werden in diesen Tagen inflationär gebraucht. Für Sturm brauchts 76 Kilometer Wind pro Stunde, für einen Orkan 118. Diese Werte wurden gestern Montag zumindest in Böenspitzen erreicht. Das Tiefdruckgebiet Evi über Island hatte am Vormittag für den zweiten Januarsturm gesorgt. Wie Meteonews mitteilte, hatte Evi auf den Bergen recht verbreitet Orkanböen gebracht. Die stärkste Böe wurde auf dem Titlis mit 180 km/h gemessen, über den Säntis fegte Evi mit 155 und über das Hörnli im Zürcher Oberland mit 138 km/h. Bemerkenswert sind die 133 km/h in Einsiedeln und jene in Schmerikon am Obersee. Auf dem Uetliberg wurden Windspitzen von 122 km/h gemessen, auf dem Zürichberg 109.

Erstaunlich gering sind die bis gestern Abend registrierten Schäden. «Problemlos und pünktlich» sei die Uetlibergbahn verkehrt, sagte SZU-Direktor Armin Hehli. Die SBB vermeldeten nur die Einstellung des Fährbetriebs über den Bodensee sowie eine sturmbedingte Störung zwischen St. Gallen und Speicher. Im Kanton Uri sind am Abend Bäume auf die A 2 gestürzt, der Gotthardtunnel war in beiden Richtungen gesperrt.

Der Zürcher Kantonsforstingenieur Konrad Noetzli hatte einen ruhigeren Nachmittag. «Mir sind bis zum Abend keine grossen Schäden gemeldet worden.» Der Sturm Evi sei klar schwächer gewesen als vor zwei Wochen Burglind. Dieser erste Wintersturm hatte am 3. Januar im Kanton Zürich zwischen 130 000 und 200 000 Kubikmeter Holz gefällt, ein Drittel bis die Hälfte der jährlichen Nutzung.

Vorsicht bei Waldspaziergängen

Nur ein Dutzend Meldungen sind gestern bei der Kantonspolizei eingegangen. «Ein paar geknickte Bäume, Äste und beschädigte Sonnenstoren», so ein Sprecher. Die Zürcher Stadtpolizei meldete, dass ein umgewehtes Motorrad ein Auto beschädigt habe. Die Bevölkerung hat sich offensichtlich auf stürmisches Winterwetter eingestellt. Was Burglind standhielt, trotzte erst recht Evi.

Und doch kann Burglind noch immer nachwirken. Kantonsförster Noetzli warnt: «Solange es stürmt, den Wald eher meiden, insbesondere von Burglind betroffenen Waldstücke.» Bereits geschwächte Bäume könnten nun umgeweht werden.

Meteorologe Stefan Scherrer von Meteonews ordnet Evi als Sturm ein, «wie es ihn alle ein bis zwei Jahre gibt». Nach einer Niederschlagsphase mit viel Neuschnee in den Alpen folgt morgen Donnerstag Sturm Friederike mit ähnlichen Windspitzen wie Evi.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.01.2018, 22:59 Uhr

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