Fliegende Nordkoreaner, liegende Kamele

Der Circus Knie beeindruckt dieses Jahr mit Artistik. Und zeigt statt Elefanten andere exotische Tiere.

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Anita Merkt@tagesanzeiger

Es ist eine Zäsur in der Geschichte des Circus Knie: Im neuen Programm, das gestern Abend in Rapperswil Premiere hatte, treten keine asiatischen Elefanten mehr auf. Das Familienunternehmen hatte letztes Jahr entschieden, die fast 100-jährige Tradition der Elefanten­dressur zu beenden und Dehli (47) und Ceylon (45) aus dem Zirkus zu entlassen; sie verbringen ihren Lebensabend im Kinderzoo. Um das Publikum auch dieses Jahr zum Staunen zu bringen, haben die Knies viele neue Darbietungen ins Programm aufgenommen, das den Titel «Smile» trägt. Für Schmunzeln und Lachen sorgt unter anderen der «weltbeste Clown» David Larible aus Italien.

Bei der Premiere beeindruckten vor allem die Trapezkünstler vom nordkoreanischen Nationalzirkus und die China National Acrobatic Troupe. Das Publikum hielt jedes Mal den Atem an, wenn einer der Artisten nach den Händen griff, die ihn nach einem Salto in der Luft wieder auffangen sollten. Landeten sie bei der Generalprobe am Nachmittag noch etliche Male im Netz, klappte der Vierfachsalto über 15 Meter bei der Premiere am Abend auf Anhieb. Eine ihrer nordkoreanischen Kolleginnen balanciert während der ganzen Nummer ein Tablett mit gefüllten Champagnergläsern, steigt damit ihrem Partner auf die Schultern und vollführt Körperverbiegungen in perfekter Eleganz.

Höllisches Tempo bei Diabolos

Dazwischen wird jongliert, getanzt und musiziert. Eine neue faszinierende Pferde­nummer zeigen sechs junge Männer, zu denen auch der Enkel von Fredy Knie junior gehört. Ivan Frédéric Knie und die drei Errani-Brüder (einer davon ist mit Géraldine Knie verheiratet) springen auf galoppierende Kaltblüter und vollführen auf deren Rücken Salti und andere Kunststücke. An der Nummer beteiligt sind auch die Zwillinge Charles und Alexandre Gruss vom französischen ­Cirque National Alexis Gruss. Auf den galoppierenden Pferden wirbeln sie ihre Jonglierkeulen durch die Luft einander zu. Wie viel Balance, Abstimmung und Konzentration es braucht, bis eine solche Nummer funktioniert, übersteigt wohl die Vorstellungskraft der meisten.

Gleichermassen beeindruckend sind die beiden jungen Berliner Diabolo-Künstler Lukas Stelter und Benno Jakob. In ihrer Twin-Spin-Nummer wirbeln sie die Diabolos gemeinsam durch die Luft, werfen sie einander zu, übernehmen voneinander und verknoten sich.

Perfekt und entrückend wie die Darbietungen selbst ist auch die Lichtshow. Die Dressurvorführung von Maycol Errani mit den bekannten schwarzen Friesenhengsten wird zu einer Symphonie aus blauen Pferden, die sich auf märchenhafte Weise miteinander bewegen. Anstelle der Elefanten sorgen in der Manege Kamele, Zebras und Lamas für den Hauch von Exotik, auf den auch Tierfreunde nicht verzichten möchten.

Die fünfjährige Chanel Marie Knie und Mama Géraldine im Interview. Video: Lea Koch

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