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«Es gibt keine Planung bei den Altersheimplätzen»

Der Präsident der Zürcher Gemeindepräsidenten, Jörg Kündig, bemängelt die vielen leeren Betten in Altersheimen – und die fehlende Koordination.

«Die Gemeinden sind in einem Clinch», sagt Jörg Kündig.
«Die Gemeinden sind in einem Clinch», sagt Jörg Kündig.

Obwohl die Bevölkerungszahl laufend steigt, stehen im gesamten Kanton Zürich mehr als 1500 Betten in Altersheimen leer. Das zeigt eine Auswertung von Altersheim-Daten durch das Recherchedesk von Redaktion Tamedia.

In der Stadt Zürich traten in den vergangenen Jahren sogar weniger Leute in Heime ein, als pro Jahr Plätze frei werden, wie Redaktion Tamedia gestern berichtete. Das Problem könnte sich in den kommenden Jahren gar noch zuspitzen, weil die Zahl der Betagten in Zukunft nur mässig steigen wird, wie die Credit Suisse in einer 2015 veröffentlichten Studie zeigte.

Ein Grund für die grosse Anzahl leerer Betten ist die ungenügende Planung. In Zürich sind die einzelnen Gemeinden dafür selbst zuständig. Es sei dringend mehr Koordination vonnöten, warnt Jörg Kündig. Der Freisinnige ist Gemeindepräsident von Gossau, Kantonsrat und Präsident des Gemeindepräsidentenverbandes des Kantons Zürich.

Ende 2016 waren im Kanton Zürich 1547 Plätze in Altersheimen leer. Wie ist das möglich?

Es gibt keine kantonsweite Koordination bei der Bewilligung von Heimplätzen. Wir haben kein Instrument, um die Anzahl Betten zu planen und exakt auf die Bedürfnisse abzustimmen.

Ist das nicht unbefriedigend?

Doch, es gibt da ein grosses Verbesserungspotenzial. Die Koordination unter den Gemeinden ist tatsächlich noch nicht da, wo ich sie mir wünschen würde. Man weiss oft nicht, was in der Nachbarsgemeinde oder bei Privaten an Altersheimplätzen geplant ist.

Warum unternehmen die Gemeinden nichts dagegen?

Es ist eine Frage der Zuständigkeit und der Ressourcen. Die Gesundheitsdirektion ist der Ansicht, dass es Sache der Gemeinden sei, weil die für die ambulante und stationäre Pflegeversorgung zuständig seien, seitens der Gemeinden müssten solche Koordinationsstellen und -strukturen zuerst aufgebaut werden.

Warum ist das nicht längst passiert? Gut ausgelastete Heime sind doch allein schon finanziell im Interesse der Gemeinden.

Das ist richtig. Aber Auslastung nur aus finanziellen Gründen ist der falsche Ansatz. Das wäre fatal. Denn es würde die wichtige Entwicklung hin zu mehr ambulanter Pflege und betreutem Wohnen bremsen.

Warum?

Die Gemeinden sind in einem Clinch. Einerseits sollten sie die ambulante Betreuung der Betagten fördern, andererseits führt gerade das zu leeren Betten, was Kosten für die Gemeindekassen verursacht.

Wie wollen Sie das Problem lösen?

Ideal wäre eine Mitsprache bei der Bewilligungserteilung. Wenigstens sollten wir aber eine Informationsplattform aufbauen, auf der alle geplanten und bewilligten Alters- und Pflegeheimprojekte sichtbar wären. Zudem sollten wir zur Koordination sogenannte Versorgungsregionen bilden. Damit liesse sich ein mögliches Überangebot frühzeitig erkennen.

Das tönt gut. Warum machen Sie das nicht?

Es gibt erste Regionen, die ihr Angebot koordinieren. Es fehlen aber Informationen über private Anbieter. Weiter verfügt der Gemeindeverband nicht über die nötigen Ressourcen und es ist eine grosse Herausforderung, alle Akteure an einen Tisch zu bringen und die Interessen abzugleichen.

Hinweise zum Thema an: recherchedesk@tamedia.ch

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