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Ein Vorzeigedorf in Sachen Asyl

Im Bundesasylzentrum Embrach wird testweise das revidierte Asylgesetz angewandt, das 2019 in Kraft tritt. Das Zentrum stösst in der Gemeinde auf viel Wohlwollen.

Wohin die Asylsuchenden gingen, entzieht sich der Kenntnis der Behörden: Eine Tour durch das Durchgangszentrum in Embrach.
Wohin die Asylsuchenden gingen, entzieht sich der Kenntnis der Behörden: Eine Tour durch das Durchgangszentrum in Embrach.
Walter Bieri, Keystone
Abgesperrt: Ein mannshoher Zaun umgibt das Bundesasylzentrum in Embrach.
Abgesperrt: Ein mannshoher Zaun umgibt das Bundesasylzentrum in Embrach.
Urs Jaudas
Nationalitäten: Die 67 Asylsuchenden im Juli 2017  – sechzig Männer, vier Frauen und drei Kinder – stammen aus einem Dutzend verschiedenen Nationen.
Nationalitäten: Die 67 Asylsuchenden im Juli 2017 – sechzig Männer, vier Frauen und drei Kinder – stammen aus einem Dutzend verschiedenen Nationen.
Urs Jaudas
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Auf dem Areal der Psychiatrischen Klinik Hard in Embrach soll ein Durchgangszentrum für Asylbewerber entstehen. Die Nachricht löste im Embrachertal «eine beträchtliche Unruhe» aus. Grund genug für die FDP-Ortsgruppe Embrachertal, das Problem an einer, wie die NZZ feststellte, «gut besuchten Informationsveranstaltung» zu thematisieren. Es wunderte niemanden, dass auch «die Unzulänglichkeiten der schweizerischen Asylpolitik» zur Sprache kamen.

Was so vertraut klingt, als werde das Jahr 2017 beschrieben, ist ein Vierteljahrhundert alt. Es ging um das 1992 eröffnete Durchgangszentrum. Die Parallelen sind unübersehbar: Damals hoffte man, es gelinge, die Asylverfahren auf 180 Tage zu beschränken. Heute sollen die Bundesasylzentren dazu beitragen, die Verfahren in 140 Tagen zu erledigen. Und über die Unzulänglichkeiten der schweizerischen Asylpolitik lässt sich auch heute noch trefflich streiten.

Nur in einer Hinsicht stimmt der Vergleich in keiner Weise. Als der Kanton und das Staatssekretariat für Migration den Einwohnerinnen und Einwohnern im letzten November den Plan vorstellten, in Embrach ein Bundesasylzentrum zu eröffnen, löste dies keine beträchtliche Unruhe aus. Im Gegenteil: Der Entscheid sei «wohlwollend» aufgenommen worden, beobachtete Gemeinderätin und Bauvorstand Rebekka Bernhardsgrütter. Ihre Erklärung: «Wir in Embrach haben eine langjährige Erfahrung mit einem Asylzentrum.»

Schweizerischer Menüplan – ohne Schweinefleisch

Dieses Wohlwollen zeigte sich auch darin, dass im Rahmen der Anhörung zum Sachplan Asyl vonseiten der Bevölkerung, soweit der Gemeinde bekannt, keine Stellungnahmen eingingen. Und es setzte sich am Samstag fort, als das Anfang März eröffnete Bundesasylzentrum in Embrach die Bevölkerung zu einem Informations- und Begegnungstag einlud. Kritische Fragen gab es praktisch keine. Und wenn, dann in anderer Richtung: Mehr als einmal wurde gefragt, ob so viel Sicherheit (umzäuntes Areal, Rund-um-die-Uhr-«Bewachung») nötig sei.

Ein Rundgang auf dem durch einen mannshohen Zaun abgeschirmten Areal vermittelte einen Eindruck, wie die gegenwärtig Asylsuchenden untergebracht sind. Wie viel Platz man in einem 17 Quadratmeter grossen Sechsbettzimmer mit zusätzlich sechs Kleiderschränken oder einem 21,5 Quadratmeter grossen Achtbettzimmer hat. Bei den aktuell in Embrach untergebrachten Asylsuchenden handelt es sich um 60 Männer, 4 Frauen und 3 minderjährige Familienangehörige. Drei Viertel befinden sich im Dublin-Verfahren, das heisst, bei ihnen wird abgeklärt, welcher Staat für ihr Asylgesuch zuständig ist.

100 Personen haben das Bundesasylzentrum am Samstag besucht. Die Stimmung war «sehr gut, sehr ruhig, sehr fröhlich».

Simon Blunier, Leiter des BAZ Embrach

April Walker, Chefin des Betreuungsteams, erklärte einen Tagesablauf: dass sich die Asylsuchenden zwischen 17 Uhr und 9 Uhr auf dem Areal aufhalten müssten, dass sie nur das Wochenende von Freitag bis Sonntag über Nacht auswärts verbringen dürften, dass der Menüplan schweizerisch ausgerichtet sei, wobei auf Schweinefleisch verzichtet werde, dass erst die kooperative und zuverlässige Mitarbeit auf dem Areal dazu berechtige, im gemeinnützigen Ausseneinsatz während einer Woche 150 Franken zu verdienen. Man erfährt, dass der beliebte Deutschunterricht auch für Menschen wichtig ist, die das Land verlassen müssen, weil es geistig fit hält.

Simon Blunier, Leiter des BAZ Embrach, schätzt, dass am Samstag gut 100 Personen die Gelegenheit benützten, das Bundesasylzentrum zu besuchen. Es seien vor allem Menschen gewesen, die sich auch sonst für Flüchtlinge einsetzten, oder Personen, die grundsätzlich am Thema interessiert seien. Sein Fazit: Es war «sehr gut, sehr ruhig, sehr fröhlich».

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