Die Zürcher, die sind alle Clowns

Premiere des Circus Knie: Auf dem Sechseläutenplatz fand am Freitag die Zürcher Erstaufführung statt. 2280 Zuschauer hatten vor allem einen ins Herz geschlossen: Clown David Larible.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn es einer aus dem Stadtrat sagt, dann muss es ja wohl stimmen. Clowns, Witze und Komik sind ein zentraler Bestandteil unseres Lebens. An der Zürcher Knie-Premiere vom Freitagabend – die Rapperswiler ­Urpremiere war Mitte März – bekannte Stadtrat Raphael Golta, dass er seinen ersten öffentlichen Auftritt im Alter von acht Jahren als Miniclown im Zirkus Pipistrello hatte. «Da hatte ich gelernt, künstlich zu lachen.» Seiner Umgebung war Klein Golta mit seinem Gewieher wohl auf den Keks gegangen. In seinem heutigen Beruf als Politiker ist eine Erkenntnis aus dem Zirkus aber Gold – oder zumindest einen Stadtratslohn – wert. «Es schadet nie, wenn man im richtigen Moment lacht – auch wenn etwas nicht lustig ist.»

Nun zu behaupten, alle Politiker und Wirtschaftsführer seien bloss Clowns, ist ein ganz klein wenig übertrieben. Unbestritten ist jedoch, dass an der gestrigen Premiere fast «Tout-Zurich» steif und fest behauptete, vor allem wegen des Lachens in den Zirkus zu kommen. So sagte SBB-Chef Andreas Meyer, der mit Frau Marie-Theres zu Fuss von «seinem» HB ans Bellevue spaziert war: «Auch wenn es im Beruf Probleme gibt, Lachen und Unterhaltung machen alles einfacher.» FDP-Nationalrätin Doris Fiala hat höchsten Respekt vor den Akrobaten – zum Beispiel den Trapezkünstlern vom National-Circus Pyongyang. «Der kleinste Fehlgriff könnte ihr Leben zerstören.» Ihre Lieblinge sind trotzdem die Clowns. «Satiriker sind meist bissig und verletzend, Clowns dagegen sind liebenswürdig und fein-ironisch – da kann ich so richtig herzhaft lachen und die Seele baumeln lassen.»

*

Einer, der es wissen muss, ist der kleinwüchsige Knie-Hausclown Spidi – privat Peter Wetzel –, der am Eingang Programme verkaufte. «Clowns stehen für Fröhlichkeit, Sympathie und ewiges Lachen.» Spidi, der seit 20 Jahren zum Inventar gehört, kennt alle Clowns, die bisher im Knie auftraten. Sein Favorit ist Emil, aber auch der aktuelle Clown David Larible sei ein «Supertyp» – «und ich lüge nicht, sonst werde ich noch kleiner». Spidi ist gestern keinen Zentimeter geschrumpft, das Publikum erkor den sympathischen Italiener mit seinem prustenden Lachen zum Star des Abends. Werber Frank Bodin ist mit Dimitri aufgewachsen. «Ich wollte auch immer so viele Instrumente spielen, schaffte es aber nicht – und bin nun halt bloss Werber.» Für Zirkus­pfarrerin Katharina Hoby schaffen die Clowns das Kunststück, «Pleiten im Leben so darzustellen, dass daraus Erfreuliches wird».

*

Rocker Chris von Rohr war sich mit seiner Tochter Jewel einig: «Wir sind zum Lachen hier – und nicht wegen der Tiere.» Nur bei einem war die Motivation anders: Zoodirektor Alex Rübel steht seit seiner Kindheit mehr auf Tiere als auf Clowns. «Ich wollte eine Kuh zu Hause», erzählte er, was ihm die Mutter ausgeredet hatte. Tragisch: Heute hat er in seinem Zoo fast alles – nur keine Kühe. Rübel hat sich vor der Pause wohl besonders gefreut. Da hat nämlich die Gesellschaft der Circusfreunde Deutschland Direktor Fredy Knie jun. mit dem gewichtigen Ernst-Renz-Preis ausgezeichnet (benannt nach dem Zirkuskönig des 19. Jahrhunderts). Fredy Knie habe sich wie kein Zweiter für die bessere Haltung der Tiere eingesetzt und sei zum «internationalen Vorbild» geworden.

*

Wie es ist, fast jeden Abend vor 2000 Leuten zu spielen, weiss Nadja Sieger, die 2002 als Clownin Nadeschkin mit Partner Ursus im Knie tourte. «Wir spielten den ‹fil rouge›, überbrückten Umbauten und hielten das Publikum bei Laune.» Die Knies seien dabei sehr gute Freunde geworden. Stammgast im Nationalcircus ist auch der frühere Nationaltrainer Köbi Kuhn, der gestern mit seiner neuen Partnerin und langjährigen Nachbarin Jadwiga Cervoni auftauchte. «Er bringt mich jeden Tag zum Lachen», sagt sie und zeigte ein Handybild, auf dem Köbi erstaunlich gelenkig auf einem Bein stehend Faxen macht. Demnächst fliegen sie zusammen auf die Galapagosinseln – und da stehen wieder die Tiere im Vordergrund.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2016, 23:42 Uhr

Artikel zum Thema

Artist Jason Brügger ist das grösste Schweizer Talent

Die TV-Zuschauer haben den Sieger der Srf-Castingshow gewählt: Gewonnen hat der 22-jährige Zirkus-Artist Jason Brügger. Mehr...

Dossiers

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

KulturStattBern Kulturbeutel 34/18

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...