Das Wädenswiler Geläut ist unpünktlich

Der Glockenstreit vom Zürichsee ist um ein pikantes Detail reicher.

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Das Geläut der reformierten Kirche in Wädenswil hat letzte Woche schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. Ein Anwohner wollte gerichtlich durchsetzen, dass die Glocken in der Nacht nicht mehr alle Viertelstunden schlagen. Doch er unterlag vor Bundesgericht, nachdem er vor dem Zürcher Baurekursgericht und dem Verwaltungsgericht noch einen Teilsieg errungen hatte. Die Vorinstanzen des Bundesgerichts hatten sich aufgrund einer ETH-Lärmstudie für einen Kompromiss entschieden: Die Glocken sollten nur zur vollen Stunde läuten.

«Volle Stunde» ist aber offenbar relativ. Denn das Geläut ertönt in Wädenswil nicht um punkt 1 Uhr oder 2.45 Uhr, sondern immer eine Minute davor, also um 0.59 Uhr und 2.44 Uhr, wie die «Zürichsee-Zeitung» schreibt. Wer sich aufregt, nervt sich also nicht pünktlich.

Die Katholiken sind pünktlich

Grund ist eine jahrzehntealte Abmachung mit der katholischen Kirche. Damit sich das Geläut der beiden Kirchen nicht in die Quere kommen, läuten die reformierten Glocken eine Minute vor den (pünktlichen) katholischen.

Letztere läuten aber aus Rücksicht auf die schlafende Bevölkerung zwischen 22 und 6 Uhr nicht. Fazit: Während acht Nachtstunden ticken die Wädenswiler nicht richtig, und am Tag haben sie länger Glockengeläut als der Rest der Schweiz.


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