«Das ist bisher einzigartig in der Schweiz»

Die Verhaftung von 22 Rasern gibt zu reden. Warum haben sie ihre illegalen Rennen gefilmt? Und was nützen Bussen? Dazu Verkehrspsychologe Urs Gerhard.

«Mahnmal für Raser»: Verkehrssicherheitskampagne der Zürcher Kantonspolizei im Jahr 2005.

«Mahnmal für Raser»: Verkehrssicherheitskampagne der Zürcher Kantonspolizei im Jahr 2005. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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25 Hausdurchsuchungen in fünf Kantonen, 22 Festnahmen und fünf Beschlagnahmungen von Fahrzeugen: Hat es das schon einmal gegeben?
Nein, ich glaube, das ist bisher einzigartig in der Schweiz. So etwas ist mir noch nie zu Ohren gekommen. In der Regel geht es um einzelne Fälle, die vor Gericht gezogen werden und im Zuge derer teilweise Haftstrafen ausgesprochen und Fahrzeuge konfisziert werden.

Die Raser flogen wegen Videos auf, die sie ins Internet gestellt hatten. Warum filmen sie ihre illegalen Rennen?
Es geht – wie beim Rasen selbst auch – vor allem um Geltungssucht und darum, wer der Beste ist. Mithilfe des Internets können angebliche Heldentaten breiter gestreut werden. Ich glaube, dass diesen Personen nicht wirklich bewusst war, dass sie aufgrund der Videos belangt werden könnten. Festnahmen fanden in der Vergangenheit nicht oft statt. Und Konsequenzen nehmen sie ja offenbar sowieso in Kauf, wenn sie beim Rasen ausblenden, welch enorme Gefahr ihr Verhalten für andere Menschen darstellt.

Kommen illegale Rennen ihres Wissens häufiger vor, als viele denken?
Ich kenne keine genauen Zahlen, aber ich glaube schon, dass es eine Dunkelziffer gibt. Der breiten Bevölkerung ist das Ausmass im Gegensatz zur Polizei nicht bewusst. Diese erhält viele Hinweise, häufig aber fehlen ihr schlüssige Beweise, um die Täter zu stellen. Es gibt immer wieder Strecken, die für illegale Rennen bekannt sind. Unternimmt die Polizei aber etwas, wird einfach auf einen anderen Ort ausgewichen. Zudem verabreden sich Raser oft kurzfristig, beispielsweise über Facebook.

Was nützen die Strafen, die Raser im Normalfall erhalten?
Beim Otto Normalverbraucher wirken Bussen sehr präventiv, also erzieherisch. Raser hingegen sind oft unbelehrbar, da nützen Bussen wenig. Am wirksamsten ist bei diesen Personen der Fahrausweisentzug oder die Konfiszierung des Fahrzeugs. Das beraubt sie ihrer Männlichkeit und kann sogar Auswirkungen auf das ganze Leben haben – gerade, wenn sie auch im Beruf auf das Auto angewiesen sind. Bei geleasten oder gemieteten Fahrzeugen ist eine Konfiszierung allerdings nicht möglich.

Wie versucht man zu verhindern, dass Raser rückfällig werden?
In der Regel werden sie einer verkehrspsychologischen Begutachtung zugewiesen. Wenn sie dort nicht einsichtig sind und man nicht den Eindruck hat, dass sie ihre Einstellung ändern werden, erhalten sie ihren Fahrausweis nicht zurück. Dann müssen unbelehrbare Raser Verkehrstherapien besuchen und dort beweisen, dass sie einen Gesinnungswandel vollziehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2016, 13:13 Uhr

Urs Gerhard ist Lehrbeauftragter an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel. (Bild: zvg)

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