Affäre Mörgeli: Uni Zürich zieht Ritzmann-Urteil ans Bundesgericht

Das Verwaltungsgericht befand die Kündigung der Uni-Professorin als willkürlich. Die Hochschule ist anderer Meinung.

Wurde entlassen: Iris Ritzmann vor dem Bezirksgericht Zürich im Dezember 2014. Foto: Keystone

Wurde entlassen: Iris Ritzmann vor dem Bezirksgericht Zürich im Dezember 2014. Foto: Keystone

Weiterzug in der Affäre Mörgeli: Die Universität Zürich teilte am Montag mit, dass sie das Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts ans Bundesgericht weiterziehen will. Sie argumentiert damit, dass die bisherige Rechtsprechung in solchen Fällen zu einem anderen Ergebnis geführt habe. Ausserdem habe der Entscheid erhebliche finanzielle Konsequenzen, schreibt die Universität Zürich.

Iris Ritzmann äusserte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ihr Bedauern, dass die Unileitung «auch nach sieben Jahren nicht damit aufhört, mir in feindschaftlicher Art zu begegnen». Das Zürcher Verwaltungsgericht entschied am 14. November 2019, dass die Kündigung der Universitätsprofessorin willkürlich war.

Die Universität Zürich hatte Telefon- und E-Mail-Daten der Professorin ausgewertet, um das Informationsleck zu finden. Diese Beweisführung taxierte das Zürcher Verwaltungsgericht als rechtswidrig.

Das Verwaltungsgericht stellt fest, dass die Entlassung von Professorin Ritzmann durch die Universität Zürich nichtig und damit unwirksam ist. Die Universität entliess Ritzmann per Ende April 2014, weil sie eine Amtsgeheimnisverletzung begangen habe. Die Uni stützte ihre Kündigung auf eine flächendeckende Auswertung von Telefon- und E-Mail-Daten sowie auf Beweismittel, welche die Staatsanwaltschaft anlässlich einer Hausdurchsuchung bei Ritzmann sichergestellt hatte.

Beweismittel rechtswidrig beschafft

Ritzmann wurde allerdings im parallel geführten Strafverfahren vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen, weil die Staatsanwaltschaft die Beweismittel rechtswidrig beschafft habe. Die Daten durften deshalb nicht berücksichtigt werden.

Das Verwaltungsgericht kam zum Schluss, dass die Universität die rechtswidrig beschafften Beweismittel auch nicht für die Kündigung hätte berücksichtigen dürfen. Ohne diese Beweismittel habe die Universität Zürich jedoch überhaupt keine Veranlassung, ein Kündigungsverfahren gegen Ritzmann einzuleiten. Die Kündigung erscheine deshalb gänzlich unmotiviert und damit willkürlich.

Suche nach dem Whistleblower

Hintergrund dieses Urteils ist die sogenannte «Affäre Mörgeli». Der «Tages-Anzeiger» hatte am 11. September 2012 einen kritischen Artikel über die Tätigkeit von Christoph Mörgeli, dem damaligen Kurator des Medizinhistorischen Museums, publiziert. Darin wurden zwei Berichte erwähnt, in denen die Leistung von Mörgeli als mangelhaft bezeichnet wurde. Die Universität reichte darauf Strafanzeige gegen Unbekannt ein. Für die Zürcher Staatsanwaltschaft stand bald fest, dass Ritzmann die Whistleblowerin war, die den Journalisten die brisanten Informationen zugesteckt hatte. Ritzmann war selber Medizinhistorikerin.

sda

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