Zürcher Flughafen braucht neuen Tower

In Kloten hat der alte Kontrollturm bald ausgedient – ein neuer, höherer Tower und ein neues Dock A sollen her.

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Alle reden vom Circle, dem Prestigeprojekt, das den Flughafen bis 2019 zur Stadt machen soll. Dabei plant die Flughafen Zürich AG schon viel weiter. Das in den 80er-Jahren erbaute Dock A soll erneuert werden. «Das Dock A muss aufgrund seines baulichen Zustands in den kommenden zehn Jahren vollständig rück- und neugebaut werden», bestätigt Flughafensprecher Philipp Bircher.

Das Problem dieser Sanierung: Der 1986 in Betrieb ­genommene Kontrollturm bildet einen integralen Bestandteil des Dock A – und muss auch geschleift werden.

Die Planung sei noch in einer frühen Phase, sagt Bircher. «Weder für das Dock A noch für einen neuen Tower ist ein Baugesuch eingereicht. Eine Inbetriebnahme ist im Masterplan nicht vor 2025 vorgesehen.»

Fernsteuerung statt Feldstecher

Technisch wäre heute ein Flughafen ohne Tower denkbar. Die SBB haben die Überwachung des Verkehrs und die Bedienung von Weichen und Signalen schliesslich auch weg von den Stellwerktürmen und Bahnhöfen in vier zentrale Standorte verlegt: Olten, Lausanne, Pollegio TI und Zürich Flughafen.

Kleine, abgelegene Flughäfen in Norwegen, Schweden oder Australien werden bereits heute von «Remote Towers» aus kontrolliert. Hochauflösende Kameras garantieren eine 360-Grad-Rundumsicht, und ein Detektorensystem beobachtet, ob die Pisten frei sind von Fahrzeugen, Personen, Gepäckwagen oder Tieren. Infrarotkameras helfen bei schlechten Sichtverhältnissen. Moderne Technik könnte den Feldstecher im rundum verglasten Turm schon heute ersetzen.

Video: Bauen am Flughafen Zürich

Nicht nur der Tower wird neu, mit dem Circle entsteht ein gigantisches Gebäude in Kloten.

Für Skyguide und Flughafen AG ist ­jedoch klar, dass der Flughafen einen neuen Turm, ein neues Wahrzeichen erhalten soll. «Ein Remote Tower ist heute für kleinere Regionalflugplätze mit geringem Verkehr denkbar, aber noch nicht für den Flughafen Zürich», sagt Sky­guide-Sprecher Vladi Barrosa, «das wird erst die nächste Generation von Kontrollturm sein.» Ferngesteuerte Kontrolltürme könnten zwar die Kosten der Flugsicherung etwas senken, «der Flughafen Zürich ist dafür aber viel zu komplex».

Und so befasst sich heute eine Projektgruppe mit dem Bau und dem Design eines neuen Towers. Klar ist: Der neue Kontrollturm muss in Betrieb sein, bevor der alte abgerissen wird. Und klar ist auch, dass der neue Tower höher werden soll. «Heute haben wir ein Problem», sagt Skyguide-Sprecher Barrosa. «Ein geschütztes Wäldchen gefährdet die Sicht vom Tower auf die Piste 14.» Die Bäume müssten jeden Herbst und Frühling geschnitten werden. Der neue Turm soll nach Ansicht von Skyguide und dem Flughafen Zürich etwa 200 Meter versetzt Richtung Kloten gebaut werden und 50 bis 70 Meter hoch werden.

Die gelben «Follow-Me-Käfer»

Der aktuelle Turm ist zweigeschossig. Im oberen Stockwerk der Tower-Kanzel arbeiten heute die Fluglotsen, maximal fünf inklusive Dienstleiter sind gleichzeitig im Einsatz. Im unteren Stock arbeiten die Apron-Controller, die den Flug- und Fahrzeugverkehr am Boden überwachen sowie Fahrzeuge, Traktoren und Schleppmanöver führen. Die Apron-Controller geben auch die Startreihenfolge auf einer Piste vor. Diese Vorfeldkontrolle hatte 1975 die legendären gelben VW-Käfer mit der Aufschrift «Follow Me» und dem roten Blinklicht auf dem Dach überflüssig gemacht.

Im Moment ist eine Arbeitsgruppe daran, mit Computersimulationen die künftigen Arbeitsplätze zu analysieren und zu optimieren. Kernfrage: Sollen die Vorfeldkontrolleure und die Fluglotsen in einem Raum zusammenarbeiten? Die Apron-Controller in der unteren Kanzel im Tower begleiten die Flugzeuge vom Zurückstossen bis zur Piste. Dann übernehmen die Fluglotsen im Tower bis zum Take-off. In der Luft sind die Kollegen von Skyguide in Dübendorf zuständig. Bei der Landung übernimmt der ­Tower die Flugzeuge 20 Kilometer vor der Landung.

Umstrittene Zusammenarbeit

«Die Ausgestaltung des neuen Towers und die detaillierte Zusammenarbeit sind noch nicht entschieden», sagt Vladi Barrosa von Skyguide. Die Fluglotsin Gaby Plüss hat eine klare Meinung: «Die Zusammenarbeit mit der Apron-Control wäre effizienter, wenn wir in demselben Raum sässen», schreibt sie in einem Beitrag in der Aeropers-Zeitschrift. Durch eine schnellere Kommunikation könnte der Rollverkehr flüssiger gestaltet werden – doch dazu müssten die beiden ­Berufsgattungen nebeneinandersitzen. «Bis wir heute am internen Telefon verbunden sind, ist es leider oft zu spät, und die betreffende Maschine hat bereits angehalten.»

Bei Skyguide sei der Entscheid aber noch nicht gefallen, sagt Barrosa – «auch wenn die Zusammenarbeit auf einem Stock grundsätzlich Sinn machen würde». Ein Problem sei unter anderem die Gleichbehandlung. Apron-Controller sind Angestellte der Flughafen Zürich AG, die Fluglotsen sind bei Skyguide angestellt, die dem Bund gehört. Löhne und Arbeitsverträge müssten wohl angeglichen werden.

Hochzeit im Tower

Der heutige Tower ist seit 1986 in Betrieb. 1948, bei der Eröffnung des Flughafens, war das Kontrollzentrum in einer provisorischen Holzbaracke untergebracht. 1953 konnten die Flugverkehrsleiter den ersten richtiger Tower beziehen. Dieser blieb bis 1986 in Betrieb. Im alten Tower bietet das Zivilstandsamt Kloten heute ­zivile Trauungen an. Brautpaare können sich vor spektakulärer Kulisse das Jawort geben. «Den Flugbetrieb zu betrachten, nimmt dem Paar die Nervosität», sagt eine Mitarbeiterin der Firma First Class Wedding, welche die Hochzeiten im ­Tower organisiert.

Ein Projekt, das zeitlich näher liegt als der neue Tower und bereits Ende Jahr mit dem Abbruch einiger älterer Gebäude in der Zone A beginnt, sind Ersatz und Erweiterung der Gepäcksortieranlage. Die neue Anlage ist aus drei Gründen nötig: steigende Passagierzahlen, mehr Platz für grössere Sicherheitskontrollgeräte sowie das Ende der Lebensdauer. Die Baumassnahmen müssen unter laufendem Betrieb erfolgen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.10.2017, 22:27 Uhr

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