«Wir werden auf die Barrikaden gehen»

Mehr Flugbewegungen und Wochenendbetrieb: Für die Anrainergemeinden des Flughafens Dübendorf kommen die Rahmenbedingungen für eine Ausschreibung des Areals nicht in Frage.

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Jvo Cukas

Mehr als 28'000 Flugbewegungen, Wochenendbetrieb und gleichzeitig der Bau eines Innovationsparkes. Dies sieht das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) für den Flughafen Dübendorf vor. Denn der Bund sucht einen neuen Betreiber für den Flughafen und schreibt dazu einen Teil des Areals aus.

Laut Urs Holderegger. Sprecher des Bazl, sucht der Bund nicht nur einen Betreiber, «sondern auch einen Investor, der bereit und in der Lage ist, über einen längeren Zeitraum auch finanziell einen Betrieb sicherzustellen.» Wenn nun ein Raster für eine Ausschreibung vorgegeben werde, dürfe dieses nicht allzu eng und müsse politisch erfüllbar sein. «Die möglichen Betriebszeiten wurden zwar gegenüber jetzt ausgedehnt, liegen aber unter denen des Flughafen Zürich. An Wochenenden gelten zudem weitere Einschränkungen.» Die Zahl der Flugbewegungen entspreche dem, was von den gültigen Planungsgrenzwerten um Dübendorf maximal möglich sei.

Kritik aus Dübendorf und Volketswil

Bei den Anrainergemeinden des Flughafens Dübendorf stossen die Vorschläge des Bazl aber auf heftige Kritik. Lothar Ziörjen (BDP), Stadtpräsident von Dübendorf, erklärt: «Unsere Befürchtung, dass Dübendorf nun einen Teil der zivilen Fliegerei von Kloten übernimmt, mit den ausgedehnten Betriebszeiten an sieben Tagen in der Woche, ist nun bestätigt worden. Dies ist für uns nicht akzeptabel.».»

Auch glaubt er nicht, dass ein Innovationspark und ein «Flughafen für Businessflugzeuge» sich auf dem Areal vereinbaren liessen. «Die Lärmbelastung wird die Nutzungsmöglichkeiten auf dem Areal einschränken.» Derzeit könne Dübendorf noch nichts gegen die Pläne des Bundes unternehmen. «Der politische Prozess ist aber lang. Wir werden auf verschiedenen Ebenen gegen diese Pläne kämpfen, sobald rekursfähige Beschlüsse vorliegen.»

Ähnlich tönt es aus Volketswil: Gemeindepräsident Bruno Walliser (SVP) zeigt sich enttäuscht, dass die Anrainergemeinden am 16. August nicht ebenfalls zur Infoveranstaltung von Bazl und VBS eingeladen waren: «Immerhin sind wir von den Plänen direkt betroffen.» Zudem kündigt Walliser an, Volketswil werde sich «vehement gegen eine Ausweitung der Flugbewegungen wehren».

Die militärische Nutzung mit JU-Air und Rega habe Volketswil stets unterstützt, gegen einen zivilen Businessflughafen werde man aber «auf die Barrikaden gehen». Auch Walliser sieht Flugbetrieb und Innovationspark auf dem gleichen Areal als Problem an: «Das eine bringt mehr Flugbewegungen, das andere mehr Verkehr im überlasteten Glattal. Das ist inakzeptabel.»

Richard Hirt, Präsident des Fluglärmforums Süd, sieht in den Bazl-Plänen «eine Ohrfeige ins Gesicht der Bevölkerung im Süden des Flughafens», wie er in einer Mitteilung schreibt. Offensichtlich habe das Bazl nicht verstanden, wie die Situation im Kanton Zürich sei. «Südanflüge, geplante Südabflüge geradeaus und nun auch Jetbetrieb sogar am Samstag und Sonntag, das ist ein absolutes No Go für die Bevölkerung.»

Freude bei Innovationspark-Initanten

Allerdings stossen die Vorschläge des Bazl auch auf Unterstützung. FDP-Nationalrat Ruedi Noser, Präsident des Vereins Swiss Innovation Park, freut sich, «dass das Projekt eines Innovationsparks am Flughafen Dübendorf nun in die Zielgerade einbiegt.» Eine Umsetzung sei nun sehr realistisch. «Die vom Bund vorgesehenen Flächen entsprechen der Grössenordnung, welche für den Innovationspark nötig sind.» Deshalb sei ein allfälliger Flugbetrieb auf einem Teil des Areals auch kein Problem.

Allerdings, so Noser, sei es nun wichtig, dass die beiden Projekte separat geplant würden. Dies auch, weil der Flughafenbetrieb von der Zürcher Stimmbevölkerung gutgeheissen werden müsse, der Innovationspark aber Sache der Anrainergemeinden, Kanton und von ETH und Universität seien. Nicht äussern will sich Noser zu den Vorschlägen zum Flugbetrieb.

Rita Fuhrer gegen mehr Flugbewegungen

Der bisher einzige bekannte Antrag für den Betrieb des Flughafens Dübendorf stammt von der Stiftung Museum und historisches Material der Schweizerischen Luftwaffe. Deren Präsidentin, Altregierungsrätin Rita Fuhrer, sagt, dass der Bau eines Innovationsparks auf einem Teil des Geländes sich problemlos mit den Plänen der Stiftung vereinbaren liesse. «Wir streben eine gemischte Nutzung an, an der die Bevölkerung Freude haben kann.»

So sollen einerseits Unternehmen angesiedelt werden, die auf eine direkte Anbindung an eine Piste angewiesen sind und auch für deren Unterhalt sorgen – «mit wenig Flugbewegungen zu Bürozeiten». Neben den Arbeitsplätzen soll der Flughafen Dübendorf aber ein Begegnungsort für die Bevölkerung bleiben, «auf dem auch einmal ein Fest ausgerichtet werden kann», wie Fuhrer erklärt.

Die Vorschläge vom Bazl, welche eine Verdoppelung der Flugbewegungen und auch Wochenendbetrieb vorsehen, beurteilt Fuhrer kritisch. «Ich denke nicht, dass die Stimmbevölkerung dies gutheissen wird.»

Auch beim Bund ist man sich dessen bewusst, wie Bazl-Sprecher Holderegger erklärt: «Es ist durchaus vorstellbar, dass im Genehmigungsverfahren, das nach einer erfolgreichen Bewerbung erfolgt, weitere Zugeständnisse gemacht werden müssen.» Es müsse aber betont werden, dass der Bund keinen konzessionierten Flughafen mit regelmässigem Linien- und Charterverkehr in Dübendorf plane.

Tages-Anzeiger

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