Verurteilter Zuppiger: «Nichts mehr zu sagen»

Das Bezirksgericht Zürich hat den Ex-SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger schuldig gesprochen. Er ist zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie einer Geldstrafe von 1500 Franken verurteilt worden.

Nach dem Urteilsspurch: Bruno Zuppiger und sein Anwalt Thomas Sprenger verlassen das Gericht.
Video: Jan Derrer

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Heute Mittwoch trat ein verurteilter Bruno Zuppiger vor das Gerichtsgebäude in Zürich. «Es gibt nichts mehr zu sagen», gab Zuppiger zu Protokoll, als er von über einem Dutzend Journalisten umringt wurde. Daraufhin suchte er nach dem Auto, das ihn abholen sollte. Weil er es nicht sofort sah, lief er vor dem Gebäude hin und her. Schliesslich stieg er in den BMW-Kombi.

Der ehemalige Zürcher SVP-Nationalrat musste wegen seiner Erbschaftsaffäre vor Gericht verantworten. Das verkürzte Verfahren dauerte zunächst genau 13 Minuten. Zuppiger wurden nur Fragen zu seiner Person gestellt, nicht mehr aber zum Fall selbst. Der Ex-Nationalrat wirkte passiv, ja fast apathisch. Er sprach sehr leise. Die zahlreich anwesenden Medienleute würdigte er keines Blickes.

50'000 Franken Jahresverdienst

Nach einer Beratungspause von 37 Minuten erschienen die drei Richter wieder und bestätigten das beantragte Urteil. Zuppiger und sein enger Mitarbeiter wurden je zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie einer Geldstrafe von 1500 Franken verurteilt. Dazu kommen noch die Prozesskosten. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.

Im Sommer 2012 sagte er, er verdiene etwa 50'000 Franken im Jahr. Diese Grössenordnung stimme immer noch, meinte er heute. «Ich versuche, wieder auf die Beine zu kommen.» Gesichert sei aber noch nichts.

240'000 Franken veruntreut

Der gescheiterte Bundesratskandidat war wegen Veruntreuung von 240'000 Franken angeklagt. Zuppiger und sein Mitarbeiter, der ebenfalls vor Gericht erscheinen musste, haben die Erbschaft einer verstorbenen Mitarbeiterin dazu benutzt, eigene Rechnungen zu bezahlen.

Beglichen wurden mit dem Geld – das der Krebsliga und der Pro Senectute hätte weitergeleitet werden sollen – unter anderem die Lohnkosten der Beratungsfirma Zuppiger & Partner AG, Steuerrechnungen und Übernachtungen in einem Berner Luxushotel.

Zuppiger hatte gestanden

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Hinwiler Ex-Politiker und seinen Mitarbeiter eine bedingte Freiheitsstrafe von je 13 Monaten und eine Geldstrafe von 1500 Franken. Zudem sollen sie die Prozesskosten tragen müssen. Die Verhandlung wurde im abgekürzten Verfahren durchgeführt.

Möglich war dies, weil Zuppiger die Veruntreuung zugab. Seine Verteidigung hatte den Urteilsvorschlag akzeptiert. Das Bezirksgericht prüfte lediglich, ob die Durchführung des abgekürzten Verfahrens rechtmässig war, die Anklage mit dem Ergebnis der Hauptverhandlung und den Akten übereinstimmt und die beantragte Strafe angemessen ist.

Zuppiger betonte in einer Stellungnahme vom Oktober 2012, dass wegen der Sache keine Dritten zu Schaden gekommen seien. Nachdem die Krebsliga und die Pro Senectute interveniert und mit Klagen gedroht hatten, überwies ihnen Zuppiger die 240'000 Franken mit Zinsen.

Mehrere Mandate verloren

Die Erbschaftsaffäre wurde im Dezember 2011 in der «Weltwoche» publik und hatte für Zuppiger weitreichende Konsequenzen. Er musste seine Bundesratskandidatur zurückziehen, verlor seinen Posten als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes und die Unterstützung der Zürcher SVP. Im September 2012 trat Zuppiger aus dem Nationalrat zurück. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2013, 13:25 Uhr

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