Schlechte Noten für den Kirchgemeindepräsidenten

Im Fällander Kirchenstreit wird trotz grossen Führungsdefiziten niemand entlassen. Eine Pfarrerin ist weg, eine noch immer suspendiert.

Hier herrschte über die letzten Jahre Streit: reformierte Kirche Fällanden.

Hier herrschte über die letzten Jahre Streit: reformierte Kirche Fällanden. Bild: Reto Oeschger

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Zwei Jahre herrschte Disharmonie in der reformierten Kirche Fällanden. Zwei Pfarrerinnen stritten sich um die Arbeitsteilung, die Kirchenpflege griff ein, ein Coaching ortete deren Führungsmängel. Gegen die Kirchenpflege, dessen Präsidenten Huldrych Thomann sowie gegen eine weiteres Mitglied wurde ein Administrativverfahren eröffnet. Beide wurden suspendiert.

Nun liegt der Untersuchungsbericht der externen Juristen vor. Sie entlastet die Kirchenpflege und deren Mitglieder, wie die Reformierte Kirche des Kantons Zürich in einer Mitteilung schreibt. Somit darf Thomann seine Präsidententätigkeit auf Anfang 2019 wieder aufnehmen.

Drohungen gegen Pfarrerin

Huldrych Thomann wurde vorgeworfen, er habe mit seinem Führungsstil die Kirchgemeinde gespalten. Der ehemalige Französischlehrer war vor seiner Tätigkeit als Kirchgemeindepräsident Prorektor am Literargymnasium Rämibühl, Vorsteher der Zunft Hottingen und Präsident der SVP Fällanden gewesen. Thomanns Aktionen in der Kirchgemeinde aber waren umstritten und hatten für Unfrieden gesorgt.

So hatte er beispielsweise im «Chilebrief» publik gemacht, dass eine der Pfarrerin sich weigere, ihre Arbeitsstunden zu erfassen. In der Folge wurde die Pfarrerin wiederholt beleidigt und erhielt Drohungen. An einer Kirchgemeindeversammlung verbat Thomann Verunglimpfungen, schritt aber nicht ein, als gegen die Pfarrerin solche geäussert wurden. Huldrych Thomann selbst hat die Vorfälle in der Vergangenheit mehrmals als «aufgebauscht» bezeichnet.

«Vielzahl an Defiziten»

Der Bericht der Juristin ist umfangreich. Er legt dar, dass es in der Kirchgemeinde und in der Kirchenpflege in «unterschiedlichen Bereichen eine Vielzahl von Defiziten» bestanden hätten. Diese hätten überhaupt dazu geführt, dass die Zusammenarbeit belastend wurde und es über die Jahre hinweg keine Lösung gab. Die Juristin entlastet den Präsidenten und die Kirchenpflege aber auch in einem Punkt. Die besondere Konstellation und externe Faktoren hätten die Probleme befeuert.

Für den Kirchenrat sind die Defizite, wie sie im Bericht aufgezeigt werden, erheblich. Sie erreichen aus seiner Sicht aber dennoch nicht ein solches Ausmass, dass «die gesetzlichen Voraussetzungen für eine definitive Einstellung im Amt» gegeben seien. Diese seien gegeben, wenn jemand seine Pflichten in schwerwiegender Weise vernachlässige.

220'000 Franken für Interimspräsidenten

Die Juristin ermahnt die Betroffenen zu handeln. Sie empfiehlt ihnen, sich «dringend» in den defizitären Bereichen von externen Fachpersonen schulen und begleiten zu lassen. Auch die Bezirkskirchenpflege Uster muss die Kirchgemeinde Fällanden eng begleiten.

Mit der Rückkehr Thomanns ins Präsidentenamt endet auch die Tätigkeit des Interimspräsidenten Uwe Müller-Gauss. Er war mehrmals in Kritik geraten, weil er seine Tätigkeit 2017 mit 220'000 Franken entschädigen liess.

Gegen die angeschwärzte Pfarrerin läuft ein personalrechtliches Verfahren. Es soll abgeklärt werden, ob sie den Belastungen ihres Amtes noch gewachsen ist. Die Pfarrerin ist bis zu dessen Abschluss, der voraussichtlich erst 2019 sein wird, von ihrem Amt suspendiert. Die andere Pfarrerin hat ihre Stelle in Fällanden bereits Anfang 2017 aufgegeben. Derzeit walten zwei Männer interimistisch als Pfarrer in Fällanden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2018, 16:01 Uhr

Kann sein Amt wieder aufnehmen: der suspendierte Kirchenpflegepräsident Huldrych Thomann. (Bild: PD)

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