Natalie Rickli wird herausgefordert

Die bekannte SVP-Nationalrätin muss sich im Kampf um einen Sitz in der Zürcher Regierung interner Konkurrenz stellen. Die Bühne betritt ein kaum bekannter Kantonsrat.

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Wird es doch noch spannend am 11. September? Am nächsten Dienstagabend entscheiden in Illnau-Effretikon die Delegierten der SVP, mit wie vielen und welchen Kandidatinnen und Kandidaten die Partei in die Regierungsratswahlen 2019 gehen. Der rund 60-köpfige Parteivorstand hat am Donnerstagabend über den Vorschlag entschieden.

Wie Parteipräsident Konrad Langhart und alt Nationalrat Max Binder, Präsident der Findungskommission, vor den Medien sagten, soll neben dem amtierenden Regierungsrat Ernst Stocker nur noch eine Person in den Wahlkampf ziehen. Die SVP beschränkt sich also darauf, den Sitz des zurücktretenden Baudirektors Markus Kägi zu verteidigen. Und zwar mit Nationalrätin Natalie Rickli oder Kantonsrat Christian Lucek.

Die Auswahl überrascht insofern, als Lucek der grösseren Öffentlichkeit nicht bekannt ist. Aber Papabili wie die Nationalräte Bruno Walliser und Jürg Stahl haben abgesagt, und der Fraktionspräsident im Kantonsrat, Jürg Trachsel, ist inzwischen kantonaler Ombudsmann geworden. Der Name Lucek war durch den «Tages-Anzeiger» ins Spiel gebracht worden.

«Perfekte Kandidaten»

Gemäss Binder sind beide Kandidierenden dem Parteiprogramm verpflichtet, aber auch in der Lage, Allianzen zu schmieden. «Es sind perfekte Kandidaten», sagte Binder. Beide hätten blütenweisse Betreibungs- und Strafregisterauszüge und wiesen auch keine hängige Verfahren aus, sagte Binder in Anlehnung ans Fiasko um die Bundesratskandidatur von Bruno Zuppiger. Rickli sei eine tüchtige, sattelfeste und schweizweit bekannte Persönlichkeit, Lucek als Oberstleutnant der Armee führungserfahren und belastbar sowie stark in der Analyse.

Rickli sagte, sie würde sich freuen, mit Ernst Stocker in den Wahlkampf zu ziehen. Sie könne ihre Erfahrungen aus Bern nach Zürich bringen. Lucek meinte, er würde - so sein Kompass - eher weniger als viel regulieren.

Christian Lucek ist der Underdog. Im Kantonsrat beschäftigt er sich  vor allem mit Verkehrsfragen.

Gemäss Binder waren neben Rickli und Lucek noch Kantonsrat Urs Waser aus Langnau am Albis und der Klotener Stadtrat Kurt Hottinger im Rennen. Parteipräsident Langhart sagte, er hätte gerne sogar drei Kandidaten in die DV geschickt, aber der Zweiervorschlag habe obsiegt.

41-jähriger Politstar gegen 53-jährigen Kantonsrat

Nur Natalie Rickli hat ihr Interesse frühzeitig und selbst öffentlich gemacht. Die 41-jährige Winterthurerin hatte bei früheren Gelegenheiten stets abgesagt, fühlt sich nun aber offenbar bereit für ein wichtiges Exekutivamt. Sie sitzt seit 2007 im Nationalrat, wurde 2011 – vor Christoph Blocher – zur bestgewählten Politikerin der Schweiz und hat sich vor allem mit Vorstössen zu Kriminalität und Medien einen Namen gemacht. Rickli war lange Kaderfrau beim Werbevermarkter Goldbach Media, ist aber inzwischen selbständige Kommunikationsberaterin.

Vor der Politkarriere in Bern sass Rickli fünf Jahre im Winterthurer Stadtparlament und ein paar Monate im Kantonsrat. 2012 hatte sie ein Burnout und begab sich zur Behandlung in eine Klinik. Rickli politisiert streng auf SVP-Linie, macht sich auch für die Selbstbestimmungs-Initiative und gegen die bilateralen Verträge mit der EU stark. Parteiintern ist sie nicht völlig unbestritten, weil sie nur kurz mit der kantonalen Politik in Berührung gekommen ist. Trotzdem ist Rickli die klare Favoritin für die SVP-Delegiertenversammlung.

Und Christian Lucek ist natürlich der Underdog. Der 53-Jährige ist seit 2011 Kantonsrat und beschäftigt sich dort vor allem mit Verkehrsfragen und lobbyiert für den Flugplatz Dübendorf. Seit dem Frühjahr ist er auch Gemeinderat seiner Wohngemeinde Dänikon. Der gebürtige Berner ist Berufsmilitär und Bordoperateur bei der Schweizer Luftwaffe.

Fuhrer, Huber – SVP stets für Überraschungen gut

Dass der SVP-Vorstand einen Mehrfachvorschlag macht, erstaunt nicht, da die SVP-Delegierten meistens eine Auswahl hatten – mit einer Ausnahme in den letzten 25 Jahren. So hatte 2006 Ombudsmann Markus Kägi keine Konkurrenz an der Delegiertenversammlung. Kantonsrat Ernst Stocker musste sich hingegen 2009 gegen Jürg Stahl sowie Martin Arnold durchsetzen. Und Gerichtspräsident Christian Huber hatte sich 1998 gegen Bruno Heinzelmann und Alfred Heer behauptet, was durchaus einer Überraschung gleichkam.

Bei der SP werden Justizdirektorin Jacqueline Fehr und Sicherheitsdirektor Mario Fehr wieder antreten. 

Auch Kantonsrätin Rita Fuhrer war 1994 überraschend auf den Schild gehoben worden. Sie war von der Findungskommission gar nicht vorgeschlagen worden, welche drei Männer – Max Binder, Rolf Gerber und Hans Rutschmann vorgeschlagen hatte. Der Parteivorstand ersetzte zuhanden der Delegierten Rutschmann durch die politisch unerfahrene Rita Fuhrer, welche prompt gegen die beiden Favoriten siegte. Wie man sieht, sind die SVP-Delegierten dann und wann für Überraschungen gut.

Warten auf die FDP

Nach der SVP-Nominationvom nächsten Dienstag ist nur noch die zweite Kandidatur der FDP sowie jene der AL offen. Die Freisinnigen entscheiden am 4. Oktober, wer an der Seite von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh den Sitz des zurücktretenden Gesundheitsdirektors Thomas Heiniger verteidigen soll. Zur Auswahl stehen die Kantonsräte Martin Farner, Jörg Kündig und Thomas Vogel. Bei der AL ist noch alles unklar.

Klar ist hingegen, dass bei der SP Justizdirektorin Jacqueline Fehr und Sicherheitsdirektor Mario Fehr wieder antreten. Dasselbe gilt für Bildungsdirektorin Silvia Steiner von der CVP.

Für jene Parteien, die derzeit keinen Sitz in der Zürcher Regierung haben, steigen die Kantonsräte Jörg Mäder (GLP), Martin Neukom (Grüne), Hanspeter Hugentobler (EVP) und Hans Egli (EDU) in die Hosen sowie für die BDP Nationalrätin Rosmarie Quadranti.

Die Wahlen finden am 24. März 2019 statt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2018, 21:27 Uhr

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