Nach gescheitertem Valentinstag vor Gericht

500 Franken investiert ein Mann, damit sich eine Frau hübsch machen kann. Als er davon nichts hat, will er das Geld zurück. Eine Groteske.

Verlief für einen Mann nicht nach seinen Erwartungen: der Valentinstag. Foto: Keystone

Verlief für einen Mann nicht nach seinen Erwartungen: der Valentinstag. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man würde gerne wissen, was den 36-jährigen Mann und die 21-jährige Frau verbunden hat, damals, als sich noch nicht die Gerichte mit ihnen befassen mussten. Einem Beschluss des Obergerichts ist nur zu entnehmen, dass sich der Mann beklagte, die junge Frau habe ihm zwar unzählige Liebesnachrichten übermittelt. Vor dem Bezirksgericht habe sie aber offen zugegeben, sie habe mit ihm nie eine partnerschaftliche Beziehung eingehen wollen. So was ist natürlich verwirrend und vor dem Hintergrund der Ereignisse am Valentinstag 2015 auch frustrierend.

Die beiden hatten nämlich vereinbart, den sogenannten Tag der Liebenden gemeinsam zu verbringen. Er hatte sie immer wieder gefragt, ob sie einmal miteinander einen schönen Tag verbringen könnten. Sie schlug ihm dann, von einer Kollegin überhaupt auf die Idee­ ­gebracht, den bevorstehenden Valentinstag vor. Darüber, immerhin, besteht Einigkeit.

Er sagt, er habe unter der Voraussetzung zugestimmt, dass sie sich für diesen Tag schön mache. Er sei auch bereit gewesen, für ihr Aufhübschen (Haarstyling, Fingernägel, Kleider, Schmuck) 500 Franken springen zu lassen. Sie hingegen hatte das ein wenig anders in Erinnerung. Sie habe ihm zusammen mit dem Vorschlag damals auch mitgeteilt, dass sie zwecks Aufmachung für den besagten Tag Geld benötige. Damit sei er einverstanden gewesen. Im Übrigen sei sie es von ihrer Herkunft her gewohnt, dass Männer solche Kosten übernähmen und Geschenke machten.

Bitte «zuzüglich Verzugszins»

Wie dem auch sei. Unbestritten ist wiederum, dass die beiden an jenem Tag gar nicht zusammenkamen, obwohl der Mann seinen Teil der Abmachung erfüllt hatte. Die junge Frau hingegen hatte es vorgezogen, einer Freundin die Haare zu machen. Dies habe sie ihr nämlich schon lange vorher versprochen. Der Mann fühlte sich getäuscht, was er nicht auf sich sitzen liess. Nach einem nicht in allen Teilen zufriedenstellenden Urteil des zuständigen Bezirksgerichts, das an dieser Stelle übersprungen werden soll, wandte sich der Mann ans Obergericht und verlangte im Wesentlichen: Die Frau sei zu verpflichten, ihm «500 Franken Schadenersatz zuzgl. Verzugszins wegen Ausbleiben der Vertragserfüllung bzw. wegen absichtlicher Täuschung zu bezahlen».


Er habe unter der Voraussetzung zugestimmt, dass sie sich für diesen Tag schön mache.

Man kann nicht behaupten, dass sich das Obergericht keine Mühe gegeben hätte. Eine notwendige Mühe, denn der Fall bietet alle Zutaten, angehenden Juristen im Prüfungsstress den Angstschweiss auf die Stirn zu treiben. Frage: Welche Art von Rechtsverhältnis waren denn die Parteien eingegangen? Handelte es sich bei den 500 Franken um eine Schenkung, die mit der Auflage verbunden war, den Tag gemeinsam zu verbringen? Oder handelte es sich um ein auf Austausch gegenseitiger Leistungen gerichtetes Geschäft?

Um es kurz zu machen: Es war eine Schenkung mit Auflage. Es gäbe dazu sehr vieles zu sagen, was das Obergericht auch tut, an dieser Stelle aber unterbleiben soll. Nur so viel: Eine Schenkung mit Auflage kann nur zurückgefordert werden, wenn der Empfänger der Schenkung zum Zeitpunkt der Rückforderung (durch die Schenkung) noch bereichert war.

Von kaputten Fingernägeln

Die Klage des Mannes, er sei durch Täuschung zum Vertragsabschluss verleitet worden, blieb ungehört, weil sich das erstinstanzliche Bezirksgericht mit diesem Einwand überhaupt nicht auseinandersetzte. Es muss auf Geheiss des Obergerichts nun nachsitzen. Der Fall geht wieder zurück an die erste Instanz.

Man wird sich dort gleich auch noch mit einem weiteren Problem befassen dürfen. Denn neben den 500 Franken verlangt der Mann – wenn schon, denn schon – noch weitere 15 Franken, und zwar für ein T-Shirt, das ihm die 21-Jährige während eines Streits im Dezember 2014 zerrissen haben soll. Das Geld wurde ihm in der ersten Verhandlung nicht zugesprochen, weil er «den Zeitwert des besagten T-Shirts nicht nachgewiesen» habe. Aber wer hebt schon eine Kaufquittung über 15 Franken auf?

Die junge Frau bestritt nicht, das ­T-Shirt zerrissen zu haben. Sie machte aber Notwehr geltend, weil sie von ihm angegriffen worden sei. Und übrigens sei auch ihr ein Schaden entstanden. Er habe ihre Fingernägel kaputt gemacht, was Kosten von 100 Franken verursacht habe. Und für die Behandlung des in der Auseinandersetzung verletzten Beines oder Fusses habe sie der Krankenkasse 50 Franken zukommen lassen müssen.

Es ist zu befürchten, dass die juristische Auseinandersetzung in Sachen Aufhübschung andauern wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2017, 09:14 Uhr

Artikel zum Thema

Feige Männer, trennt euch!

Der Valentinstag ist eine Zerreissprobe für jede Beziehung. Ach, Sie wollen, dass sie zerreisst? 13 todsichere Geschenkideen für den trennungswilligen Mann. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bestens vorbereitet: Arbeiter transportieren eine Rakete zur Abschussrampe, von welcher aus sie am Sonntag ins All geschossen wird. (17.Mai 2018)
(Bild: Aubrey Gemignani/NASA/AP) Mehr...