«Lehrer lernen, ihre Arbeit zu verteidigen»

Walter Summermatter, Prorektor an der Kantonsschule Wiedikon, sagt, dass sich Konflikte mit Eltern vermeiden lassen. Die richtigen Instrumente vorausgesetzt.

Auf eine gute Zusammenarbeit: Erster Schultag in der Stadt Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Auf eine gute Zusammenarbeit: Erster Schultag in der Stadt Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Haben Konflikte mit Eltern zugenommen?
Ich unterrichte seit 38 Jahren und bin seit zehn Jahren Prorektor an der Kantonsschule Wiedikon. Konflikte mit Eltern erleben wir relativ selten. Wenn Eltern von uns Auskunft wollen oder es Probleme gibt, sprechen wir mit ihnen darüber. Auch bei Disziplinproblemen von Schülern setzen wir uns mit den Eltern an einen Tisch. In 99 Prozent der Fälle unterstützen uns die Eltern bei der Problemlösung.

Und wenn die Eltern mit den Noten nicht einverstanden sind?
Auch das erleben wir selten. Die Zahl der Rekurse hat eher abgenommen. Wir hatten in den letzten zwei Jahren auf der Stufe des Untergymnasiums einen Rekurs gegen einen Promotionsentscheid. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Eltern von gefährdeten Schülern von uns einen Zwischenbericht erhalten und sie dann mit dem Lehrer in Kontakt treten können. Die Eltern können dann intervenieren und dem Kind klarmachen, dass es disziplinierter arbeiten muss.

Intervenieren Eltern mit einer guten Ausbildung häufiger, weil sie dem Schulerfolg eine grosse Bedeutung zumessen?
Ich bin manchmal erstaunt, wie positiv Eltern unsere Arbeit beurteilen. Sie schauen die Hefte ihrer Kinder an und sehen die Lernfortschritte. Ich heuchle nicht, wenn ich sage, dass wir gerade von Erstklasseltern an Elternabenden viel Lob und Dank erhalten. Die Eltern wissen auch, dass Schüler manchmal Schlitzohren sein können. Sie wissen die Arbeit der Lehrer zu schätzen.

Denken Sie, dass der Umgang mit kritischen Eltern in der Lehrerausbildung mehr Gewicht haben müsste?
Lehrer lernen in ihrer Studienzeit, ihre Arbeit zu verteidigen und zu begründen. In Weiterbildungen können sie das vertiefen. Wenn jüngere Lehrer einen Rat brauchen, können sie sich jederzeit an ältere Kolleginnen wenden. Wenn jüngere Kollegen bei mir Rat suchen, geht es aber mehr um Leistungsschwächen oder Disziplinprobleme mit Schülern als um Konflikte mit Eltern.

Werden angehende Lehrer in der Ausbildung genügend auf Probleme mit der Disziplin vorbereitet?
Es gibt Untersuchungen die zeigen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, ob ein Lehrer autoritär oder diskret auftritt. Am wichtigsten ist, dass die Lehrerin den Unterricht gut vorbereitet, keine unklaren Aufträge gibt und alle im Auge hat. Im Hinblick auf die Motivation der Schüler gibt es natürlich grosse Unterschiede zwischen dem Gymnasium und den Sekundarschulen. Bei uns ist die Wertschätzung gegenüber den Lehrern und auch unter den Schülern und Schülerinnen sehr hoch.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt