Knigge für Zürcher Kapitäne

Auf dem Zürichsee wurden kürzlich 17 Bootsführer verzeigt, weil sie gegen das Binnenschifffahrtsgesetz verstiessen. Auch auf dem See muss man auf vieles achten – besonders auf den eigenen Alkoholkonsum.

Bei Alkoholpegel ab 0,8 Promille gibts Probleme: Boote auf dem Zürichsee.

Bei Alkoholpegel ab 0,8 Promille gibts Probleme: Boote auf dem Zürichsee.

(Bild: Keystone)

Jvo Cukas

Am vergangenen Sonntag führten die Seepolizeien der Anrainerkantone eine Grosskontrolle auf dem Zürichsee durch. Insgesamt wurden 135 Schiffe und deren Lenker überprüft. 17 Bootsführer wurden wegen Widerhandlungen gegen das Binnenschifffahrtsgesetz verzeigt, bei 39 gab es Beanstandungen. Auch auf dem See, weitab jeglichen Strassenverkehrs, gilt es also Regeln zu beachten. Besonders: Der Alkoholkonsum hat auch beim Tuckern auf heimischen Gewässern seine Grenze.

Gemäss Binnenschifffahrtsgesetz müssen Bootsführer fahrfähig sein, erklärt Marco von Euw, Dienstchef der kantonalen Seepolizei. In der Praxis orientiert sie sich zudem an der Promillegrenze von 0,8. «Wenn wir den Verdacht haben, dass jemand in alkoholisiertem Zustand ein Boot führt, erfolgt ein Atemlufttest.» Ergibt dieser einen Wert von mindestens 0,8 Promille wird die zuständige Staatsanwaltschaft orientiert. Diese entscheidet, ob eine Blutprobe angeordnet wird.

Künftig klare Promillegrenze

Die Bestimmungen könnten sich in Zukunft aber verschärfen. Laut Andreas Windlinger, Sprecher des Bundesamtes für Verkehr, werde das Binnenschifffahrtsgesetz bezüglich Alkohol angepasst. «Das Parlament ermächtigte den Bundesrat in einer Verordnung, einen Grenzwert festzulegen.» Wie hoch dieser ausfalle, sei zurzeit noch unklar. Eine analoge Lösung zum Strassenverkehr sei jedoch «eine naheliegende Variante».

Weitere Verhaltensregeln im Schiffsverkehr stellte die Seepolizei Zürich wie folgt zusammen:

  • Sorgfaltspflicht: Schiffsführerin und Schiffsführer vergewissern sich, ob das Befahren eines Gewässers gefahrlos möglich ist. Die Fahrt ist den örtlichen Gegebenheiten anzupassen und die nötigen Vorsichtsmassnahmen sind zu treffen.
  • Rücksicht: Auf andere Seebenützer Rücksicht nehmen. Der See gehört uns allen.
  • Innere Uferzone, 0 bis 150 Meter: Diese darf nur zum An- und Ablegen auf dem kürzesten Weg und mit maximal 10 km/h befahren werden. Parallelfahrten zum Ufer sind untersagt.
  • Äussere Uferzone, 150 bis 300 Meter: Parallelfahrten zum Ufer sind bei einer maximalen Geschwindigkeit von 10 km/h gestattet.
  • Ankern: Bei diesem Manöver ist ein Mindestabstand von 25 Metern gegenüber Schilf- und Wasserpflanzen einzuhalten.
  • Schiffe sind in folgender Reihenfolge vortrittsberechtigt: 1. Kursschiffe, 2. Güterschiffe, 3. Berufsfischer (sofern der gelbe Ball gesetzt ist) , 4. Segelschiffe, Windsurfer, 5. Ruderboote, 6. Motorboote
  • Vorwarnung zu möglichem Sturm: Blinkt 40-mal pro Minute. Wetter beobachten, gegebenenfalls geschütztes Gebiet oder Hafen anlaufen.
  • Sturmwarnung: Blinkt 90-mal pro Minute. Sofort geschütztes Gebiet oder Hafen anlaufen.
  • Schiffe in Not, Signal bei Tag: Kreisen einer roten Flagge oder langsames und wiederholtes Heben und Senken der ausgestreckten Arme.
  • Schiffe in Not, Signal bei Nacht: Kreisen eines Lichtes. Bei diesen Zeichen wird Ihre Hilfe benötigt.
  • Tauchen: Gegenüber Tauchgebieten, die mit einer blau-weissen Flagge bezeichnet sind, ist ein Abstand von 50 Metern einzuhalten.
  • Sorge tragen zu Natur und Umwelt: Keine Verschmutzung des Wassers durch Öl, Treibstoffe, Waschmittel und dergleichen. Abfälle wie Zigaretten, Flaschen, Büchsen, Plastiksäcke etc. gehören an Land entsorgt.

Zudem müssen sämtliche Bootsfüher ihren Schiffsausweis, ihr Schifferpatent sowie ein Abgaswartungsdokument bei sich tragen. Des Weiteren sind verschiedene Ausrüstungsgegenstände und Rettungsmaterialien Pflicht. Diese unterscheiden sich je nach Bootstyp. Die Mindestanforderungen finden Sie hier.

Ein Nichtbefolgen der Regeln kann zumindest teuer werden. Ein Beispiel: Zwar hat die Zürcher Staatsanwaltschaft nicht viele Fälle von Alkohol am Steuer von Booten zu behandeln, aber bestraft wird man bei Kontrollen sehr wohl. Laut Staatsanwalt Jürg Boll sind Strafverfolgungsbehörden dabei innerhalb eines bestimmten Rahmens frei, das Strafmass festzusetzen. Anders als im Strassenverkehr, bei dem das Gesetz für Ersttäter bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe vorsieht, gilt bei der Binnenschifffahrt als Höchststrafe ein Ansatz von 180 Tagessätzen, die sich am Einkommen orientieren.

Boll hatte bisher noch keinen solchen Fall zu beurteilen, würde jedoch bei der Strafzumessung «dieselben Richtlinien wie bei Alkohol hinter dem Autosteuer anwenden», wie er auf Anfrage sagt. Ohne Vorstrafen bedeutet das neben dem Ausweisentzug: ab 0,8 Promille Alkoholkonzentration im Blut 10 Tagessätze, ab 1,2 Promille 20, ab 1,5 30 und ab 2,0 gar 60. Dazwischen wird der Ansatz entsprechend abgestuft.

DerBund.ch/Newsnet

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