«Ich fiel aus allen Wolken»

Bettina Stefanini steckt mitten in einem Machtkampf um die Stiftung ihres Vaters Bruno Stefanini. Der Winterthurer Immobilienmagnat ist schwer krank – und seine Familie in der Stiftung unerwünscht.

Lebt und arbeitet in Irland: Bettina Stefanini (49). Foto: Vera Markus

Lebt und arbeitet in Irland: Bettina Stefanini (49). Foto: Vera Markus

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Sie sind mit der Arbeit des Stiftungsrats unzufrieden und nun an die Öffentlichkeit getreten. Warum gerade jetzt?
Seit Beginn dieses Jahres stelle ich fest, dass die gemeinnützige Stiftung nicht mehr ordnungsgemäss geführt wird. Der jetzige Stiftungsrat will die Stiftungsurkunde so abändern, dass ich und mein Bruder ausgehebelt werden, falls mein Vater Bruno Stefanini ausscheiden würde. Wir haben bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht Beschwerde eingereicht, doch kommt das Verfahren nach unserer Einschätzung kaum voran.

Was sagt das Stiftungsreglement zur personellen Besetzung?
Es sagt, dass der Stifter, also mein Vater, die Mitglieder des Stiftungsrats bezeichnet. Kann er das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tun, kommt diese Befugnis seinen Nachkommen zu.

Nachdem sich Ihr Vater im Januar 2013 einer Operation unterzogen und sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte, kamen mit Umit Stamm und Markus Brunner zwei Neue in den Stiftungsrat. Wie lief die Wahl damals ab?
Keine Ahnung, denn ich wusste damals nicht einmal, dass sie gewählt wurden.

Hatte Ihr Vater Sie nicht darüber informiert?
Nach der Operation war es nicht mehr möglich, sich telefonisch mit ihm zu verständigen. Die Verbindung zu ihm lief über seine rechte Hand, Dora Bösiger, die seit der Gründung der Stiftung im Rat vertreten ist.

Wollten Sie nie bereits früher in den Stiftungsrat eintreten?
Eigentlich schon. Ich hatte mich bei Juristen über die Rolle des Stiftungsrats erkundigt. Mein Vater hat die Sammlung leider nicht so gepflegt, wie es nötig gewesen wäre. Zudem wäre ich im Stiftungsrat das jüngste Mitglied gewesen. Mein Vater und die beiden anderen Stiftungsräte waren bereits weit im Pensionierungsalter. Neue Wege zu beschreiten, wäre kaum möglich gewesen. Man empfahl mir, zusätzliche Verantwortungsträger in die Stiftung zu holen. Mein Vater hätte aber nie zugelassen, dass Aussenstehende in den Stiftungsrat kommen.

Warum?
Er hat sein Unternehmen und die Stiftung praktisch im Alleingang aufgebaut. Er wollte stets das Sagen haben. Er tat sich schwer mit dem Delegieren. Er war sehr kontrollierend.

Hätte Ihr Vater es gerne gesehen, wenn Sie in den Stiftungsrat gekommen wären?
Ja, er hat mich immer wieder gefragt. Aber er machte zur Bedingung, dass ich aus Irland zurück in die Schweiz komme. Was ich nicht wollte. Ich versuchte ihm immer wieder zu erklären, dass im Zeitalter der elektronischen Medien eine dauernde Präsenz in der Schweiz nicht notwendig sei. Aber er stammt aus einer anderen Generation und hat das nicht akzeptiert.

Wie verliefen die Kontakte mit den neuen Stiftungsräten?
Als ich letzten Dezember meinen Vater besuchte, schauten Markus Brunner und Dora Bösiger auch vorbei. Ich hatte damals bereits den Antrag gestellt, in den Stiftungsrat aufgenommen zu werden. Brunner fragte mich, welche Pläne ich hätte. Nach dem Gespräch war ich sicher, dass meine Wahl an der ordentlichen Stiftungsratssitzung vom Januar klar wäre. Ich fiel aus allen Wolken, als ich dann im Januar über Umwege erfuhr, dass man über eine neue Stiftungsurkunde beraten hatte.

Zu den Neuerungen gehört auch, dass die Stiftung künftig auch die Verwaltung von Immobilien und Vermögenswerten zum Zweck haben soll.
Für mich hat das nicht Platz in einer gemeinnützigen Stiftung.

Würde das auch nicht dem Willen Ihres Vaters entsprechen?
Die Vorgehensweise des jetzigen Stiftungsrats entspricht nicht seinem Willen. Auch das ist Gegenstand unserer Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde.Mein Vater hat die Nutzniessung der Immobilien in die Stiftung eingebracht. Die Liegenschaften selber wurden also vom Ertrag getrennt. Hätte er die Absicht gehabt, dass die Stiftung sich auf die Verwaltung von Immobilien und Finanzen konzentriert, hätte er ein anderes Gebilde erschaffen.

Was geschähe, wenn die Häuser aus dem Besitz Ihres Vaters in die Stiftung überführt würden?
Da die Profite aus der Immobilienbewirtschaftung in die Stiftung fliessen, sind die Liegenschaften nicht viel wert. Wenn man die beiden Sachen vereinigt, entsteht ein riesiges Vermögen. Wenn im Stiftungsrat und in den Immobilienunternehmen die gleichen Leute an der Spitze sitzen, kann man seinen Fantasien spielen lassen.

Hat Ihre Auseinandersetzung mit dem Stiftungsrat nicht auch damit zu tun, dass Sie Angst haben, beim Tod Ihres Vaters leer auszugehen?
Wir haben beide bereits in jungen Jahren Erbverzichtserklärungen mit unserem Vater abgeschlossen. Er wollte so sichergehen, dass der grösste Teil der Mittel in die Stiftung fliesst. In der Stiftungsurkunde heisst es, dass das Stiftungsvermögen durch Zuwendungen des Stifters und den Verzicht der Erben geäufnet werden soll. Mein Interesse an der Zukunft der Stiftung und mein Anspruch auf einen Sitz in der Stiftung sind somit zentrale Teile der Erbverzichtserklärung. Sollte die abgeänderte Stiftungsurkunde, die derzeit noch immer bei den Aufsichtsbehörden zur Genehmigung vorliegt, angenommen werden, wäre für mich ein Teil des Erbvertrags hinfällig.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2014, 23:08 Uhr

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