Hanffahnder im High

Die Polizeikorps im Kanton Zürich haben letztes Jahr 84 Hanf-Indooranlagen ausgehoben – so viele wie noch nie. Trotz der polizeilichen Repression boomt das Geschäft mit dem Cannabis.

Ausgehobene Indoor-Hanfplantage im Kreis 9. Foto: Stadtpolizei Zürich (Keystone)

Ausgehobene Indoor-Hanfplantage im Kreis 9. Foto: Stadtpolizei Zürich (Keystone)

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Zürich – Die Chefin der kantonalen Kriminalpolizei, Christiane Lentjes Meili, konnte gestern vor den Medien Erfolge im Kampf gegen illegale Hanf-Indoor­anlagen vermelden: Jede Woche haben die Polizeien im Kanton Zürich letztes Jahr im Schnitt fast zwei solcher Anlagen ausgehoben.

Die letzte Meldung stammt vom 11. März 2014, als die Polizei im Zürcher Unterland in Bürogebäuden gleich zwei Anlagen mit 900 Pflanzen und 200 Setzlingen geschlossen, 30 Kilo Marihuana sichergestellt und die Betreiber verhaftet hat. Kurz davor hat die Polizei im Bezirk Meilen einen 49-jährigen Schweizer und dessen 17-jährigen Sohn verhaftet. Sie betrieben zu Hause eine professionelle Indoorplantage. Aufgeflogen sind die beiden, weil der Vater am Bahnhof Esslingen mit einer Tasche voll Marihuana erwischt wurde.

Laut Lentjes wurden bei den 84 im letzten Jahr ausgehobenen Hanfplantagen gegen 60'000 Pflanzen sichergestellt. Aus ihnen könnten rund 1,2 Tonnen Cannabis hergestellt werden mit einem Marktwert zwischen 6 und 17 Millionen Franken. Der Erlös hängt mit der Art des Verkaufs und der Portionierung zusammen. Im Grosshandel werden 5  bis maximal 8 Franken pro Gramm bezahlt. Im Direktverkauf auf der Gasse zahlen Konsumenten zwischen 10 und 14 Franken pro Gramm. Von den überführten Betreibern sind fast 80 Prozent Schweizer. Gut 8 Prozent der gefassten Hanfplantagenbesitzer stammen aus Deutschland und Italien.

Verräterische Gerüche

Ihre Fahndungserfolge hat die Polizei oft Konsumenten zu verdanken, die auf der Strasse beim Kiffen erwischt und gebüsst werden. Sie verraten dann manchmal, bei wem sie ihren Stoff gekauft ­haben. Manchmal werden die Produzenten aber auch von Nachbarn verraten, denen der strenge Cannabisgeruch aus dem Keller auffällt oder die einen Gewerberaum mieten möchten, der durch eine Indooranlage besetzt ist.

Laut Lentjes ist die Cannabisproduktion ein aufwendiges, aber auch ein einträgliches Geschäft. Das bestätigt ein Insider, der jahrelang in einem Hanfshop Cannabis verkaufte. Gemäss seinen Angaben werden in der Schweiz jedes Jahr rund 800 neue Anlagen gebaut. Gleichzeitig würden aber auch rund 600 Anlagen aufgegeben, weil den Betreibern der Aufwand zu gross werde, sie geheiratet hätten oder von der Polizei erwischt worden seien. Das kann der Informant des TA beurteilen, weil er heute Zubehör an die Produzenten verkauft, Lampen, Dünger, Bewässerungssysteme. Er selber hat mit dem Verkauf von Hanfpflanzen aufgehört, weil die Polizei seit zwei Jahren «schärfer gegen Händler und Produzenten vorgeht». Dies bestätigt auch Lentjes. Früher sei Cannabis häufig in Hanfshops verkauft worden. Dies hat die Polizei nach einer Gesetzesverschärfung ab 2011 unterbunden.

Nur noch Bussen für Kiffer

In der Kriminalstatistik ist die Zahl der Betäubungsmitteldelikte insgesamt zurück­gegangen. Allerdings täuschen die Zahlen. Der Rückgang hängt laut Lentjes ausschliesslich mit einer Praxisänderung bei der Strafverfolgung zusammen. Seit einem halben Jahr werden die Cannabiskonsumenten nur noch im Ordnungsbussenverfahren bestraft. Sie tauchen also nicht mehr in der Statistik auf. Allein im letzten Quartal 2013 wurden im Kanton Zürich total 715 Kiffer gebüsst. Würden sie wie in den Vorjahren in der Kriminalstatistik aufgeführt, ­wären die Zahlen steigend.

Wie Hanfproduzenten bestraft werden, zeigt ein Urteil des Zürcher Bezirksgerichts von Anfang Februar. Ein 32-jähriger Schweizer Koch hatte im Keller einer Gewerbeliegenschaft in Zürich eine grosse, professionelle Anlage gebaut. Total benötigte er für seine Plantage sechs Räume. Sie brachte ihm innerhalb eines guten Jahres vier Ernten ein. Aus jeder resultierten drei bis vier Kilo Marihuana. Gemäss Anklageschrift verkaufte der Koch seine Ware an unbekannte Abnehmer zu einem Kilopreis von 5000 bis 7000 Franken.

Am 9. April 2013 wurde die Anlage ausgehoben, der Koch verhaftet. Total konfiszierte die Polizei 1750 Pflanzen in unterschiedlichen Stadien. Der Mann soll einen Umsatz von 65'500 Franken gemacht haben. Das Bezirksgericht bestrafte ihn mit 16 Monaten Gefängnis bedingt und einer Busse von 1000 Franken. Zudem muss er seinen mutmasslichen Gewinn von 10'000 Franken abgeben, seine Pflanzen werden vernichtet. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.03.2014, 22:09 Uhr

Die Kriminalstatistik des Kantons Zürich

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Kriminalstatistik

Zahl der Straftaten so tief wie nie seit 1993

Im Kanton Zürich ist die Kriminalität letztes Jahr im Vergleich zu 2012 stark zurückgegangen. Laut der neusten Kriminalstatistik sind 8 Prozent weniger Verstösse gegen das Strafgesetzbuch (StGB), das Betäubungsmittelgesetz und das Ausländerrecht registriert worden. Dieser Rückgang ist überdurchschnittlich. Zum Vergleich: Landesweit gingen die ­Verstösse gegen die erwähnten Gesetze nur um 3,6 Prozente zurück. Gegen das StGB wurden im Kanton Zürich letztes Jahr «nur» gut 107'000 Delikte registriert. So wenig waren es in den letzten 20 Jahren noch nie.

Gemäss der gestern veröffentlichten Kriminalstatistik 2013 sind besonders die Vermögensdelikte stark zurückgegangen. ­Darunter fallen auch Einbrüche. Auch schwere Gewaltdelikte gab es weniger. Fünf Menschen sind im Kanton Zürich getötet worden, 2012 waren es sechs gewesen.

Leicht zugenommen haben hingegen die Delikte mit «mittelschwerer Gewaltanwendung». Die Kantonspolizei führt dies auf das veränderte Ausgehverhalten zurück. So sei es häufiger zu Auseinandersetzungen unter Einfluss von Alkohol und Drogen gekommen, vor allem in und bei Nachtclubs. Stark zugenommen haben die polizeilichen Interventionen wegen häuslicher Gewalt. Gemäss Kantonspolizei beträgt die Zunahme in diesem Bereich mehr als 20 Prozent. Dass dies die Kriminalstatistik nicht negativ be­einflusst, liegt daran, dass diese Gewalt keine Konsequenzen für die Täter hatte, weil sie nicht angezeigt wurden.

Weniger häufig als 2012 waren auch Asylbewerber in Straffälle verwickelt (–6 Prozent). Dafür hat sich das Problem der Kriminaltouristen – Personen ohne festen Wohnsitz in der Schweiz oder illegal Anwesende – verschärft (+19 Prozent).

Zu Besorgnis Anlass gibt ein neues Phänomen: Unter Jugendlichen ist die Herstellung und Verbreitung pornografischer Fotos und Videos mit dem Smartphone weit verbreitet. Letztes Jahr wurden über 100 Jugendliche deswegen angeklagt. Im Vorjahr waren es nicht einmal 20 gewesen. Auch die Zahl der sexuellen Übergriffe unter Jugendlichen hat sich fast verdoppelt. (sch)

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