Gefährdet oder schon zu: Der Überblick zum Poststellen-Abbau

Unsere Karten zeigen, welche Gemeinden betroffen sind – und wo Postfilialen auf der Kippe stehen.

Wozu brauchen Kunden in Zürich noch Postfilialen und wie reagieren sie auf mögliche Schliessungen? (Video: Lea Blum)

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Der Abbau von Poststellen in der Schweiz geht voran: Vergangenen Dienstag kündigte der gelbe Riese die Schliessung von 76 Filialen im Kanton Bern an. Am Mittwoch traf es drei in Basel, gestern Montag vier in Luzern. Heute gab die Post bekannt, dass auch im Kanton Zürich 26 Filialen «überprüft» werden – sprich: womöglich bald zugehen.

26 Standorte in Zürich: Hier wird die Post ihre Filialen «überprüfen». (Grafik: TA/lm, Quelle: Post)

Von den 26 Filialen, die schon innert der nächsten drei Jahre geschlossen werden könnten, befinden sich viele in kleineren Gemeinden. In der Stadt Zürich werden aber ebenfalls fünf Poststellen «einer sorgfältigen Einzelfallprüfung» unterzogen: Diejenigen an der Rämistrasse, im Aussersihl, in Giesshübel, Wipkingen und am Zürichberg.

104 Filialen im Kanton Zürich bleiben bestehen – zumindest bis ins Jahr 2020. Bis dann will die Post die «Transformation» ihres Netzes vorantreiben. Im Vordergrund steht dabei die Umsetzung von Partnerfilialen. Gleichzeitig sollen mit dem Ausbau von Geschäftskunden-, Aufgabe- und Abholstellen sowie My Post 24-Automaten 50 weitere Zugangsmöglichkeiten entstehen. Mehrere klassische Poststellen stehen in drei Jahren wohl aber erneut zur Diskussion.

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Viele traditionelle Poststellen werden geschlossen. Das ist ...




Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert den Entscheid der Post und spricht von «Profitoptimierung auf Kosten des Service public». Vom im Oktober 2016 angekündigten Schliessungsprozess seien nicht 26, sondern insgesamt gar 41 Filialen im Kanton Zürich betroffen, da einige bereits dichtgemacht hätten und es bei anderen beschlossene Sache sei.

Syndicom befürchtet einen landesweiten Kahlschlag und hat deshalb eine «Gefährdungskarte» aller Poststellen erstellt. Sie zeigt, welchen Filialen in der Schweiz eine Schliessung droht und welche sich bereits im Schliessungsprozess befinden.

Etliche Filialen sind gefährdet: Das Postnetz der Schweiz. (Quelle: Syndicom)

Gemäss dem Worst-Case-Szenario von Syndicom sind im Kanton Zürich nur 45 Poststellen gesichert, 87 gefährdet und 14 befinden sich bereits im Schliessungsprozess. Landesweit sind 500 bis 600 bis ins Jahr 2020 «akut von einer Schliessung bedroht». Denn nur 288 Schweizer Poststellen gelten den Kriterien des gelben Riesen entsprechend als sicher, weil sie in einer Bezirks- oder Kantonshauptstadt stehen oder einer Ortschaft, die mehr als 20’000 Einwohner hat.

Die meisten der gefährdeten Filialen dürften in autonom betriebene Postagenturen umgewandelt werden – in Läden integrierte Schalter. An einigen Orten wird der Service aber auch ganz verschwinden.

Pro Jahr fallen im Schnitt rund 100 Poststellen in der Schweiz weg. Von 2010 bis 2015 waren es gesamthaft 491. Noch gibt es landesweit etwa 1400 Filialen. Bestätigen sich die Befürchtungen von Syndicom, könnten es bald nur noch gut 800 sein.

Grundsätzlich ist keine Filiale sicher. Denn das Postgesetz schreibt lediglich vor, dass 90 Prozent der Bevölkerung binnen 20 Minuten zu Fuss oder mit dem ÖV die nächste Poststelle oder -agentur erreichen können und innerhalb von 30 Minuten Zugang zu den Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs haben müssen – ein Kriterium, das mit autonom betriebenen Postagenturen und Partnerfilialen erfüllt werden kann.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2017, 12:38 Uhr

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