«Für diese Aufmerksamkeit sind 500'000 Franken geschenkt»

Liechtenstein sagt ab, und zuvor schon Luzern: Ist das Zürcher Sechseläuten wirklich ein No-Go? Dazu der bekannte Werber Hermann Strittmatter.

Wer will hier schon nicht dabei sein? Zünfter am Zürcher Sechseläuten. (Archiv 2009)

Wer will hier schon nicht dabei sein? Zünfter am Zürcher Sechseläuten. (Archiv 2009)

(Bild: Dominique Meienberg)

Jvo Cukas

Innerhalb weniger Monate haben der Kanton Luzern und das Fürstentum Liechtenstein dem Sechseläuten einen Korb gegeben und wollen nicht als Gast dabei sein. Hat der Zürcher Traditionsanlass ein Imageproblem?
Das sehe ich nicht so. Das Sechseläuten ist heutzutage ein fröhliches, sympathisches Fest für das Volk und geradezu ein gesamtschweizerischer Anlass mit Prominenz aus dem ganzen Land. Zudem hat er eine riesige mediale Aufmerksamkeit. Dass man da nicht dabei sein will, wundert mich sehr.

Liechtensteiner argumentieren, es handle sich um einen «elitären Anlass» von ein paar Zünften. Das tönt ja nicht gerade nach einem positiven Image.
Das stimmt einfach nicht. Mein Grossvater, ein Sozialist mit Herz und Seele, war schon enttäuscht, als meine kleine Schwester einmal mitlief. Das war 1944. Heute ist das elitäre, reaktionäre Image schlicht falsch. Es ist ein Volksfest von nationaler Ausstrahlung.

Was bringt es einem Gastkanton denn, am Sechseläuten mitzumachen?
Es gibt wenig Anlässe, wo man mit so wenig Aufwand, eine derartige Medienwirkung erzielen kann. Den ganzen Tag hindurch wird das Sechseläuten von etlichen Medien begleitet. Hunderttausende schauen an den Bildschirmen zu. Zudem ist das fröhliche Fest ein ideales Medium, um positive Botschaften zu transportieren. Als Werber muss ich sagen: Ich kann nicht verstehen, warum Luzern oder Liechtenstein da nicht dabei sein wollen. Für diese Aufmerksamkeit sind 500'000 Franken schlicht geschenkt.

Das klingt nach einer einmaligen Gelegenheit. Weshalb wird sie denn nicht ergriffen?
Es gibt verschiedene Elemente. Vordergründig geht es natürlich ums Sparen, was aber kurzsichtig und geradezu geizig ist. Ich denke aber, hier liegt vor allem ein grober Fehler in der Kommunikation vor: Die Chancen, die in einer Teilnahme liegen, sind dadurch völlig unbeachtet geblieben. Kurz gesagt: Man hat den Anlass zu schlecht verkauft.

Was heisst das genau?
Einerseits müssten die Zünfter den potenziellen Gästen ein Konzept vorlegen, das genau umschreibt, welche Vorteile eine Teilnahme für sie hat. Es kann aber gut sein, dass sie dies auch gemacht haben. Da bin ich nicht informiert. Andererseits liess wohl auch die Kommunikation der Regierungen in Luzern und Liechtenstein einiges an Professionalität vermissen. Man hätte sich genau überlegen müssen, welche Botschaft man am Sechseläuten über seine Heimat vermitteln will. Zudem hätte man aufzeigen müssen, welch grosse mediale Aufmerksamkeit man bekommt, bei geringem Aufwand. Kurz: Es fehlte ein professionelles Kommunikationskonzept, das die Vorteile und Möglichkeiten darlegt. Mit diesem wäre die Opposition bestimmt geringer ausgefallen.

Tatsache ist: Weder Luzern noch Liechtenstein werden dabei sein. Wen sollen die Zünfter nun einladen?
Das Dümmste wäre, jetzt einfach wieder jemanden einzuladen, bevor man ein klares Konzept aufgestellt hat, welches die Vorteile für den Gast aufzeigt. Wenn dies nicht bereits geschehen ist, muss es als Erstes in Angriff genommen werden. Zum Thema, wer nun eingeladen werden soll: Kürzlich las ich dazu einen Leserbrief in einer Zeitung. Der Vorschlag war, dass man das deutsche Bundesland Baden-Württemberg einladen sollte. Diese Idee halte ich für ziemlich gut.

DerBund.ch/Newsnet

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