Diese Frequenzen überhört niemand

Heute Mittwoch werden schweizweit die Alarmsirenen getestet. Ihr Klang kommt nicht von ungefähr.

Wie Sirenen entstehen: Nicht ganz ernst gemeinter Spot des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz.

Jvo Cukas

Heute Mittwoch um 13.30 Uhr heulen die Sirenen überall im Kanton Zürich – wie auch im Rest der Schweiz. Bis 14 Uhr wird zuerst der allgemeine Alarm getestet, danach der Wasseralarm für die von Hochwasser gefährdeten Gebiete im Einzugsgebiet von Staumauern. Die beiden Sirenenklänge unterscheiden sich deutlich: Während der allgemeine Alarm ein regelmässiger Heulton ist, der während einer Minute auf- und absteigt, handelt es sich beim Wasseralarm um einen tiefen Dauerton, der 20 Sekunden anhält und alle 10 Sekunden wiederholt wird.

Doch wie kamen die Behörden ursprünglich auf diese Töne? Haben sie eine besondere Wirkung aufs menschliche Gehör oder gar die Psyche? Laut Kurt Münger, Sprecher des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Babs), sind diese Fragen heute nur noch schwer beantwortbar. Daten zum Designer der Alarmklänge lägen dem Babs nicht mehr vor. Aber: «Die heute gebräuchlichen Zeichen gehen zurück auf den passiven Luftschutz in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts.»

Von Motor- zu Elektrosirenen

1936 habe der Bund wegen der «zunehmenden Spannung in Europa im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs» seine Massnahmen zur Landesverteidigung intensiviert. In einer Verordnung vom September jenes Jahres wurden zwei Alarmierungszeichen festgehalten. Das eine, ein auf- und absteigender Heulton, zeigte an, dass feindliche Flieger die Bevölkerung bedrohten. Das zweite, ein Dauerton, gab an, dass die Gefahr vorüber ist. «Die beiden Zeichen galten als Vorbild für die heutigen Alarme, auch wenn sie nicht genau gleich klangen», erklärt Münger.

Auch dass die Alarmtöne am Anfang langsam anschwellen und am Ende wieder abschwellen, kommt nicht von ungefähr. Die ersten Sirenen waren mit Motoren ausgestattet, die laut Münger «einen Anlaufprozess benötigten, bevor sie die volle Lautstärke erreichten». Weshalb dies bei den heutigen elektrischen Sirenen beibehalten wurde, kann Münger aber nicht klären.

Tiefe Frequenzen reichen weiter

Allerdings gibt es eine physikalische Erklärung dafür, weshalb die Sirenen auf tiefen und dumpfen Tönen aufbauen: «Tiefe Frequenzen werden viel weiter getragen, auch bei schwierigen akustischen Bedingungen kann so ein möglichst grosses Gebiet abgedeckt werden.» Diese Tatsache werde nicht nur bei Alarmsirenen, sondern beispielsweise auch in der Schifffahrt genutzt.

Herbert Loretz, Geschäftsführer des Sirenenherstellers Kockum Sonics AG, erklärt, dass der heutige (elektrische) allgemeine Alarm 1978 im Zusammenhang mit dem Bevölkerungsschutz rund um Atomkraftwerke eingeführt wurde. Zuvor seien Motorsirenen zum Einsatz gekommen.

Der Wasseralarm reiche ins Jahr 1961 zurück: «Damals wurde mit Modellen berechnet, welches Gebiet unterhalb eines Staudamms innerhalb von zwei Stunden von Hochwasser betroffen wäre, wenn dieser bricht», erklärt Loretz. Innerhalb dieser Überflutungszone seien bis heute Sirenen für den allgemeinen und den Wasseralarm angebracht.

DerBund.ch/Newsnet

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