Auch die Gemeinden sind in der Pflicht

Die Kesb trifft keine Schuld am Tod der Kinder. Dennoch müssen die Behörden Lehren aus dem Fall Flaach ziehen.

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Liliane Minor@MinorLili

13 Monate ist es her, seit in Flaach eine Mutter ihre zwei Kinder getötet hat, weil die Kesb den Buben und das Mädchen vorerst im Kinderheim belassen wollte. Seither stellt sich die Frage: Trifft die Kesb eine Schuld an der Tat? Nun liegt die Antwort vor. Und sie lautet: nein. Es war fachlich richtig, die Familie K. genauer unter die Lupe zu nehmen. Dass Nathalie K. eine psychische Störung hatte und derart irrational handeln würde, war nicht voraussehbar. Richtig war auch, die Kinder nicht unbesehen in die Obhut der Grosseltern zu geben. Das hätte die Familie in einen kaum lösbaren Konflikt auf dem Buckel der Kinder gestürzt. Und ob es ihnen das Leben gerettet hätte, weiss niemand.

Nöte und Ängste der Angehörigen ernst nehmen

Alles im grünen Bereich also? Nein. Denn der Schlussbericht zeigt auch, dass die Kesb wohl fachlich richtig gehandelt hat, dass aber die Kommunikation mit Nathalie K., ihren Eltern und dem inhaftierten Ehemann nicht optimal verlief. Auch wenn der Schutz der Kinder das oberste Ziel der Behörde sein muss – es ist auch zentral, die Nöte und Ängste der Angehörigen ernst zu nehmen. Und dazu gehört es auch, ihnen so zu erklären, wie das Verfahren läuft und welches ihre Perspektiven sind. Die Kesb haben das erkannt und handeln: Die Verfahren sollen besser strukturiert und standardisiert werden. Hilfreich ist sicher auch die geplante neutrale Ombudsstelle, ebenso die Zusammenarbeit der Kesb Winterthur-Andelfingen mit der Stiftung Krisenintervention.

In der Pflicht sind aber auch die Gemeinden. Sie müssen endlich anerkennen, dass die Kesb nicht fremde Vögte sind, sondern ihre eigenen Behörden. Und sie müssen entsprechend handeln. Ob die Kesb nahe an ihren Klienten ist, ob sie Zeit für Gespräche hat oder nur Schreibtischentscheide fällen kann, ob sie Vertrauen schaffen kann oder nicht, das liegt auch in der Verantwortung der Gemeinden. Wer die eigene Behörde schlechtredet, statt sie besser auszustatten, handelt verantwortungslos.

Aber selbst bei optimaler Organisation gilt leider auch: Seltene Extremfälle sind kaum zu verhindern – jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand.

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