Auch die Gemeinden sind in der Pflicht

Die Kesb trifft keine Schuld am Tod der Kinder. Dennoch müssen die Behörden Lehren aus dem Fall Flaach ziehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

13 Monate ist es her, seit in Flaach eine Mutter ihre zwei Kinder getötet hat, weil die Kesb den Buben und das Mädchen vorerst im Kinderheim belassen wollte. Seither stellt sich die Frage: Trifft die Kesb eine Schuld an der Tat? Nun liegt die Antwort vor. Und sie lautet: nein. Es war fachlich richtig, die Familie K. genauer unter die Lupe zu nehmen. Dass Nathalie K. eine psychische Störung hatte und derart irrational handeln würde, war nicht voraussehbar. Richtig war auch, die Kinder nicht unbesehen in die Obhut der Grosseltern zu geben. Das hätte die Familie in einen kaum lösbaren Konflikt auf dem Buckel der Kinder gestürzt. Und ob es ihnen das Leben gerettet hätte, weiss niemand.

Nöte und Ängste der Angehörigen ernst nehmen

Alles im grünen Bereich also? Nein. Denn der Schlussbericht zeigt auch, dass die Kesb wohl fachlich richtig gehandelt hat, dass aber die Kommunikation mit Nathalie K., ihren Eltern und dem inhaftierten Ehemann nicht optimal verlief. Auch wenn der Schutz der Kinder das oberste Ziel der Behörde sein muss – es ist auch zentral, die Nöte und Ängste der Angehörigen ernst zu nehmen. Und dazu gehört es auch, ihnen so zu erklären, wie das Verfahren läuft und welches ihre Perspektiven sind. Die Kesb haben das erkannt und handeln: Die Verfahren sollen besser strukturiert und standardisiert werden. Hilfreich ist sicher auch die geplante neutrale Ombudsstelle, ebenso die Zusammenarbeit der Kesb Winterthur-Andelfingen mit der Stiftung Krisenintervention.

In der Pflicht sind aber auch die Gemeinden. Sie müssen endlich anerkennen, dass die Kesb nicht fremde Vögte sind, sondern ihre eigenen Behörden. Und sie müssen entsprechend handeln. Ob die Kesb nahe an ihren Klienten ist, ob sie Zeit für Gespräche hat oder nur Schreibtischentscheide fällen kann, ob sie Vertrauen schaffen kann oder nicht, das liegt auch in der Verantwortung der Gemeinden. Wer die eigene Behörde schlechtredet, statt sie besser auszustatten, handelt verantwortungslos.

Aber selbst bei optimaler Organisation gilt leider auch: Seltene Extremfälle sind kaum zu verhindern – jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.01.2016, 16:29 Uhr

Artikel zum Thema

Wie die Schutzbehörden künftig die richtigen Fragen stellen

Der Kinder- und Erwachsenenschutz Kesb hat einen schlechten Ruf. Neue Abklärungsverfahren sollen helfen. Mehr...

Zürcher Behörden platzieren weniger Kinder in Heimen

Die professionellen Kesb-Behörden sind besser als ihr Ruf. Sie weisen Kinder zurückhaltender in Heime ein als einst die Laienbehörden. Mehr...

Mutter aus Flaach ZH wünschte Einzelhaft

Die Frau, die nach der Tötung ihrer beiden Kinder in U-Haft sass, war in einer Einzelzelle untergebracht. Ihrer Vorgeschichte wegen wurde sie besonders eng betreut. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von DerBund.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Blogs

Sweet Home Herbstgerichte – ein wenig anders

Mamablog «Ritalin kann ein Segen sein»

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Durchblick: Ein Mann mit einem Pilotenhut macht sich bereit um ein Foto in einer Cockpit Attrappe zu machen. (20.September 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...